Erst der Rotwein, jetzt der Weißwein
"Tiefenrausch": Winzer Sepp Möth holt zweites Wein-Fass aus dem Bodensee

Projekt "Tiefenrausch": Winzer Sepp Möth holt das zweite Wein-Fass aus dem Bodensee
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472 Tage durfte der Weißwein in rund 60 Metern Tiefe im Bodensee lagern. Am Samstag, dem 29.8. wurde er jetzt erfolgreich wieder aus der Bregenzer Bucht geborgen. "Das Fass hängt am Haken", jubelte der Bregenzer Winzer Sepp Möth um 10:48 Uhr. Noch breiter wurde sein Grinsen, als fest stand, dass auch alle Bergetaucher wieder gut an der Wasseroberfläche waren.

"Unser Tauchteam, das eine grandiose Leistung gebracht hat wieder gesund und munter oben zu wissen, ist für uns alle das wichtigste am heutigen Tag, wenn jetzt der Wein noch schmeckt, bin ich glücklich", so der 45-jährige Winzer.

Projekt "Tiefenrausch": Winzer Sepp Möth holt das zweite Wein-Fass aus dem Bodensee
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Ziel: Herausfinden, wie sich Wein in der Tiefe entwickelt

Begonnen hatte die Aktion Tiefenrausch bereits am 15. Mai 2019. Da versenkte der Winzer, von nicht wenigen belächelt, zwei Edelstahltanks mit je 1000 Litern Weiß- und Rotwein in einer spektakulären Aktion in einer Tiefe von 60 Metern im Bodensee in der Bregenzer Bucht. "Uns ging es darum herauszufinden, wie sich ein Wein entwickelt, wenn er unter absolut stabilen Druck- und Temperaturbedingungen unter Wasser lagert", erklärte Sepp Möth nach der erfolgreichen Bergung.

Projekt "Tiefenrausch": Winzer Sepp Möth holt das zweite Wein-Fass aus dem Bodensee. Mit dabei: Heurigenchefin Michaela Möth
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Im Juli versehentlich den Rotwein geborgen

Nach einem aufwändigen Genehmigungsmarathon durften die beiden Fässer schließlich in Europas größtem Trinkwasserreservoir versenkt werden. Geborgen wurde dann am 4. Juli 2020 das Fass mit dem Rotwein, allerdings hätte dieser länger im See lagern sollen. "Die Sicht war an diesem Tag so schlecht und die Trimixtaucher hatten nur noch eine Minute Zeit und haben einfach das falsche Fass an den Haken gehängt", erinnert sich Möth.

Projekt "Tiefenrausch": Winzer Sepp Möth holt das zweite Wein-Fass aus dem Bodensee
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Erste Verkostungen waren vielversprechend

Fest steht aber schon jetzt, da ist sich der ehemalige Leiter der Weinbauschule im österreichischen Kloster Neuburg, Robert Steidl sicher, dass der Wein noch an Qualität gewonnen hat. "Die genauen Analysen erwarten in den nächsten Wochen, aber erste Verkostungen haben gezeigt, dass die Lagerung dem Wein sehr gut bekommen ist", so Robert Steidl.

Professor Dr. Robert Steidl, ehemaliger Leiter der Weinbauschule in Kloster Neuburg, er analysiert mit einem Team den Wein wissenschaftlich.
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Die Fässer wurden teilweise mit einer Spezialfolie umhüllt, die verhindern soll, dass sich die inzwischen im Bodensee heimisch gewordene Quaggamuschel an Oberflächen festsetzt. Die beiden Fässer zeigten kaum Bewuchs mit den Muscheln. "Auch alle Bootsbesitzer wären froh, wenn sie die Muscheln nicht an ihren Schiffsrümpfen hätten", weiß Edgar Raff Vorsitzender der Internationalen Wassersport-Gemeinschaft Bodensee.

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Wein zeigt "mehr Mineralität"

Geborgen wurde das Weinfass nach dem es die Taucher in rund 60 Metern Tiefe an den Haken genommen hatten dann mit Hilfe eines Krans auf einem Kiesschiff, so in den Bregenzer Hafen transportiert und dort im strömenden Regen abgeladen. Natürlich öffnete Winzer Sepp Möth das Fass noch vor Ort und probierte den Wein. "Ich finde, er hat durchaus gewonnen und zeigt mehr Mineralität." Auf die Frage, was ihn die ganze Aktion gekostet hat, antworte der Winzer ganz diplomatisch: "Andere gönnen sich in meinem Alter eine flotten Sportwagen, ich versenke eben Weinfässer im Bodensee", schmunzelt Möth.

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Der Weiß- und Rotwein wird jetzt in jeweils 1299 Flaschen abgefüllt und dann in handsignierten Flaschen als "Edition Tiefenrausch" verkauft. Fest steht auf jeden Fall schon jetzt: Das einzigartige Experiment ist gelungen, weitere Ideen sind bei Querdenker Sepp Möth nie ausgeschlossen.

Rot- statt Weißwein aus 60 Metern Tiefe aus dem Bodensee geholt

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