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Robbe Emma: Wie ein kleines Tier in einem Lindauer Seniorenheim Demenzkranke aktiviert

Hund und Katze sind die Lieblingstiere der Deutschen. Im Maria-Martha-Stift in Lindau geht man einen exotischeren Weg. Eine kleine Robbe ist dort der Star. Sie heißt Emma und Bewohner und Angestellte lieben sie. Sie ist zwar nicht echt, kann aber mehr als gedacht.

Es sind die Momentaufnahmen. Kleine Highlights, in denen Emma zeigt, was sie kann und warum sie hier ist. Emma bedient die ganze Klaviatur der Gefühlsregungen. Sie ist warm, weich, macht niedliche Geräusche und hat einen Augenaufschlag, nach dem Hollywood-Regisseure noch heute suchen.

Emma ist aber kein Filmstar, sie ist nicht einmal ein Lebewesen. Emma ist im Grunde nichts weiter, als eine Maschine. Eine Maschine in Robbenform. Ihr Arbeitsplatz ist ein Seniorenheim: das Maria-Martha-Stift in Lindau.

Dort 'besucht' sie manchmal Helene Snelinski. Die 87-Jährige freut sich auf Emma, krault und streichelt sie und spricht mit ihr, wie mit einem echten Tier. Emma antwortet fiepend und streckt ihren Kopf mit den großen Kulleraugen in die Richtung, aus der Helene Snelinskis Stimme kommt.

Im Lindauer Maria-Martha-Stift haben sie mit Robbe Emma seit Februar 2011 viele wertvolle Erfahrungen und erstaunliche Entdeckungen gemacht. Maria Bertsch und Rosalinde Hopf sind damals vorsichtig und sehr sensibel auf die Bewohner des Seniorenheims zugegangen. Die positiven Reaktionen der Bewohner und auch deren Angehöriger, haben den Altenpflegerinnen aber Mut gemacht, weiterzumachen.

'Emma hilft uns schöne Augenblicke zu schaffen', sagt Maria Bertsch. 'Manche Bewohner, deren Sprache durch die fortschreitende Demenz verloren gegangen ist, haben sie durch Emma wiedergefunden'.

Emma funktioniert, wie ein Türöffner in eine andere Welt. Ein Sprachrohr für die, die keine Sprache mehr haben. In den Momenten mit Emma, sind sie wieder da. Verschüttete Urinformationen kommen ans Tageslicht, die Augen strahlen. Emma strahlt zurück oder quittiert die Streicheleinheiten mit einem Fiepen.

Emma heißt mit echtem Namen Paro und wurde 1993 in Japan von Takanori Shibata eigentlich als Haustierersatz erfunden. Inzwischen wird sie mehr und mehr in der Behinderten- und Altenpflege eingesetzt.

Im Lindauer Maria-Martha-Stift generiert Emma sogar Einsparpotential: 'Wir haben festgestellt, dass sie einigen Bewohnern beim Einschlafen hilft, es gibt Leute bei uns, die weniger Beruhigungs- oder Schlafmittel nehmen', sagt Heimleiterin Anke Franke.

Kritik gibt es natürlich auch am Einsatz der Kuschelrobben, wie Emma. Von 'alte Menschen veräppeln' bis zu der Befürchtung, Pflegekräfte könnten dadurch eingespart werden, kursiert durch die Presse und Internetforen. Die Kritik, die sogar größtenteils aus der Pflege selbst kommt, kann Franke nicht verstehen: 'Wir haben nur positive Rückmeldungen. Auch von den Angehörigen. Emma ist nur ein weiterer Weg zum Ziel, einfach Freude zu bereiten'.

Therapeutische Erfolge hat man mit Emma nicht gefeiert und hat das auch nicht vor. 'Sie ist ein Kommunikator, kein Wundermittel', sagt Maria Bertsch. 'Wir lassen alles auf uns zukommen und schauen einfach, was passiert'. Kleine Highlights eben, wie diese Momente, in denen Emma zeigt, was sie kann und warum sie hier ist.

Info: Das Maria-Martha-Stift feiert heuer 100. Geburtstag. Mit vielen Aktionen feiert das Seniorenheim sein Jubiläum. Unter anderem mit einer Misswahl und Tanzvorführungen. Bis Ende Mai läuft noch die Fotoausstellung 'Jahrhundertgesichter' des Starfotografen Karsten Thormaehlen mit ausdrucksstarken Portraits von Menschen, die 100 oder mehr Jahre alt sind. Genaue Informationen und Termine gibt es auf den Internetseiten des Maria-Martha-Stift unter: www.maria-martha-stift.de

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