Amtsgericht
Notwehr: Freispruch nach Schlägerei in Lindenberger Discothek

Nicht leicht gemacht hat es sich Richter Jürgen Burkart mit der Urteilsfindung nach einer Schlägerei in der Lindenberger Discothek 'Bleifrei' im September vergangenen Jahres. Am Ende gab es einen Freispruch für den 25-jährigen Angeklagten, der sich dem Vorwurf einer schweren Körperverletzung ausgesetzt sah. Denn er hatte seinerzeit einem 20-Jährigen aus Isny eine Bierflasche auf den Kopf geschlagen.

Bereits im Juni stand der Fall auf der Sitzungsliste des Lindauer Amtsgerichts. Verschiedene Zeugen sagten damals aus – und verwiesen jeweils auf einen weiteren jungen Mann aus Isny, der Auslöser des Streits zwischen dem Angeklagten und dem mutmaßlichen Opfer gewesen sei. Er stand im Juni allerdings nicht auf der Zeugenliste, weshalb die Sitzung vertagt wurde. Nun wurde dieser vierte Zeuge gehört – doch der konnte sich weder an den Angeklagten noch an eine Auseinandersetzung mit ihm erinnern.

Unstrittig war am Ende der Beweisaufnahme, dass es den Schlag mit der Flasche gegeben hat. Er führte zu einer bis heute nicht verheilten Beule. Doch sah Richter Burkart einen Tathergang als möglich, der zu Gunsten des Angeklagten angenommen werden müsse. Danach habe das spätere Opfer mit dem Streit in der Discothek begonnen.

Einem Anrempeln folgte ein gegenseitiger Faustschlag und dem wiederum der Schlag mit der Flasche. Der Streit habe sich also hochgeschaukelt. Es sei als 'zufällig' einzustufen, dass der Angeklagte mit der Flasche zugeschlagen habe. 'Er hatte sie zu jenem Zeitpunkt in der Hand, in dem er auf den neuerlichen Schlag seines Gegenübers reagieren wollte', so der Richter. Und Burkart folgte dem Verteidiger, der darauf verwies, dass das vermeintliche Opfer nicht allzu schwer getroffen worden sei. 'Immerhin konnte er seinerseits mit einem Schlag mit einem Bierglas kontern', so der Verteidiger. Eine Narbe im Gesicht des Angeklagten zeuge davon.

Freiheitsstrafe gefordert

Der Staatsanwalt ging hingegen von einer nicht notwendigen Eskalation aus und forderte eine zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe von sechs Monaten, während der Verteidiger einen Freispruch forderte. Einige Minuten Bedenkzeit nahm sich der Richter, um dann weitgehend der Argumentation des Verteidigers zu folgen. Im Zweifelsfall sei zu Gunsten des Angeklagten zu entscheiden und der Beweis, dass der Ablauf ein anderer gewesen sei, sei durch die Zeugenaussagen nicht erbracht worden. Insgesamt habe es sich um eine 'besondere Situation' und einen 'besonderen Einzelfall' gehandelt. Keinesfalls könne daraus abgeleitet werden, dass ein Schlag mit einer Flasche angemessen sei. In diesem Fall aber sei er 'gerade noch erforderlich' gewesen, um angemessen auf den wiederholten Angriff zu reagieren.

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