Maibaum
Maibaum zur granatenen Hochzeit der Gemeinden Bösenreutin, Niederstaufen und Sigmarszell

Eine Liebesheirat war es nicht, sondern eine Ehe, die auf Druck von außen zustande kam: Der Zusammenschluss der drei ehemals selbstständigen Gemeinden Bösenreutin, Niederstaufen und Sigmarszell im Zuge der bayerischen Gebietsreform vor 40 Jahren. Heuer konnte also ein runder Hochzeitstag begangen werden, der sich bei Eheleuten als granatene, rubinene oder Smaragdhochzeit feiern lässt.

In Sigmarszell gab’s zu diesem Anlass keine Blümchen und großen Reden. Aber es wurde ein Zeichen der Verbundenheit präsentiert: Die drei Maibaumvereine aus den Teilorten stellten vor dem sanierten Rathaus in Schlachters einen Maibaum auf.

Jeweils sechs Helfer, darunter Bürgermeister und Ideenlieferant Walter Matzner, hievten unter den Rufen 'Zieh an' den 14 Meter hohen Baum, an dem die drei Ortswappen prangten, mit Seilen und Stangen in die Senkrechte. Das Lob aus dem Kreis der Zuschauer - 'gut gemacht' - folgte denn auch auf dem Fuß.

'Schade, dass so wenig Zuschauer da sind, dass das so wenig honoriert wird', bedauerte Rita Brutscher aus Niederstaufen das nicht sehr große Interesse an dieser Demonstration der Zusammengehörigkeit. Der Zusammenschluss vor 40 Jahren sei zwar eine 'Muss-Ehe' gewesen, aber inzwischen sei man in vielerlei Hinsicht zusammen gewachsen, so Brutscher. Das bestätigte Martin Krause, Vorsitzender des TSV Niederstaufen. Wobei es immer wieder Dinge gebe, wo noch Potential für mehr Gemeinsamkeit vorhanden wäre.

Richard Steinhauser aus Bösenreutin und Herbert Schlichtling aus Sigmarszell gehörten zu den Gründungsvätern des Zusammenschlusses, waren also im ersten Gemeinderat unter der Ägide von Bürgermeister Anton Ziegler vertreten.

Was die Zusammenlegung erleichtert habe, sei die Tatsache, dass alle damaligen Bürgermeister 'alte Herren' gewesen seien, erklärten die beiden. Die Bevölkerung hatte sich 1972 in einer Abstimmung für die 'Dreierlösung' ausgesprochen.

Die andere im Raum stehende Option - Fünferlösung mit Weißensberg und Hergensweiler - führte nicht zum Gemeindezusammenschluss aber immerhin sechs Jahre später zu einer Verwaltungsgemeinschaft.

'Das war von Anfang an eine gute Sache und hat nie Probleme gegeben', stellte Steinhauser zur 'Eheschließung' fest. Schlichtling sah das genauso. Beide stimmten überein, dass die überwiegende Zahl der Bürger den Zusammenschluss positiv beurteilt.

Wolfgang Sutter, 2. Bürgermeister, sprach den 'enormen politischen Druck' im Zuge der Gebietsreform an. Ein natürliches Gebilde seien die am Rickenbach aneinander gereihten Dörfer nicht, so Sutter. Aber das Ziel der Reform sei nachvollziehbar.

Einig waren sich alle, dass die Identität der Teilorte nicht verloren gegangen ist und sich im Vereinsleben widerspiegelt. Ob Musikkapellen, Feuerwehren, Sportler oder Schützen, das Wir-Gefühl bleibt in den Dörfern vorhanden.

Das zeigt sich auch im Bereich der Heimatpflege, wo die Ortsheimatpfleger 'ihren Ort' im Auge behalten. Das Eigenleben steht dem Miteinander nicht im Wege. Es gibt inzwischen sogar eine gemeinsame Jugendwehr.

Und die drei Maibaumvereine treffen sich Jahr für Jahr zum geselligen 'Maibaumhock', erzählt Michael Gsell, Vorsitzender des Maibaumclubs Sigmarszell.

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