Stammzellenspender
Lindauer Selbsthilfegruppe bietet jeden ersten Freitag im Monat Typisierung an

«Der Austausch hat mir gut getan», sagt Maria Richter, warum sie vor sieben Jahren eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Leukämien, Lymphonen und anderen Blutssystemerkrankungen in Lindau gegründet hat. Die 53-jährige Krankenschwester und Mutter eines Sohns leidet seit 17 Jahren an einer essenziellen Thrombozythämie, das heißt in ihrem Körper bilden sich zu viele Thrombozyten. Dadurch steigt das Risiko einer Embolie oder Thrombose. Rund 90 Betroffene treffen sich regelmäßig in Lindau. Seit vergangenem Jahr leitet Richter die Gruppe gemeinsam mit Franz Mayer und Karl Fuchs.

Wie entstand die Gruppe?

Maria Richter: Ich bin selbst betroffen und war vor einigen Jahren bei einem Patiententag der Deutschen Leukämie- und Lymphomhilfe DLH. Der Austausch dort hat mir sehr gut getan und so habe ich im Jahr 2004 diese Gruppe gegründet.

Früher hatte ich häufig Depressionen, das waren Nebenwirkungen der Medikamente. Das habe ich seither im Griff. Anfangs waren wir bei den Treffen so sechs oder sieben Leute, inzwischen sind es rund 90 Betroffene zwischen 35 und über 80 Jahre plus Angehörige oder auch Hinterbliebene, die den Kontakt zu uns suchen.

Ihre Gruppe trifft sich immer am ersten Freitag im Monat. Was wird dort gemacht?

Richter: Meist hat irgendeiner gerade ein aktuelles Problem von dem er dann erzählt, Nebenwirkungen der Medikamente zum Beispiel. Je nach dem ob eine Therapie gerade greift, geht es den Betroffenen mal besser und mal schlechter. Wer etwas darüber weiß, gibt Tipps. Oft haben viele ähnliche Erfahrungen gemacht. So ist es zu Anfang meist sehr ernst, doch mit der Zeit wird es meist fröhlicher und gelöster.

Das ist sehr schön. Ich bin danach jedes Mal regelrecht beglückt, weil ich so viel Verständnis spüre. Ab und zu unternehmen wir auch gemeinsam Ausflüge, hören Fachvorträge von Onkologen und besuchen den jährlichen Patientenkongress der DLH.

Seit dem Frühjahr bieten Sie jeden Freitag vor Ihrem Treffen die Möglichkeit zur Typisierung und Registrierung als potenzieller Stammzellenspender an. Warum?

Richter: Es gibt einige unter uns, die würden ohne Spende schon nicht mehr leben. Noch immer gibt es für jeden fünften Betroffenen keinen passenden Stammzellenspender. Oft haben die Betroffenen auch nur durch eine Stammzellenspende die Möglichkeit wieder gesund zu werden.

Wie läuft die Typisierung denn ab?

Richter: Alles was gemacht werden muss ist, in ein kleines Röhrchen zu spucken und seine Daten anzugeben, dazu brauchen wir keinen Arzt.

Wir schicken die Proben dann nach Ulm zur Deutschen Stammzellspenderdatei Süd, dort werden vier entscheidende Gewebemerkmale bestimmt und mit den Daten registriert. Wichtig ist uns, dass immer Ansprechpartner da sind, also Mitglieder aus unserer Gruppe, die den Interessierten genau erklären, was auf sie zukommen kann und alle Fragen beantworten.

Wer kann sich registrieren lassen?

Richter: Alle Menschen im Alter von 18 bis 55 Jahren. Spenden kann man bis 61 Jahren.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich als registrierter Stammzellenspender tatsächlich spenden soll?

Richter: Sehr gering. Die meisten Stammzellenspender müssen nie spenden, nur etwa ein Prozent.

Wenn es doch eintritt, wie läuft das ab?

Richter: Die Stammzellen werden aus dem Blut gewonnen. Man muss fünf Tage einen Wachstumsfaktor unter die Haut spritzen, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in die Blutbahn bringt, dann sitzt man zwischen vier und fünf Stunden in einem Stuhl und die Stammzellen werden aus dem Blut herausgefiltert.

Danach kann man wieder heimgehen, es ist eine ambulante Behandlung. Sämtliche Unkosten, auch Arbeitsausfall, werden von der Krankenkasse des Patienten getragen.

Kontakt: Näheres bei Maria Richter unter Telefon (08382)26543. Möglichkeit zur Typisierung gibt es am morgigen Freitag, 2. September, von 18 bis 19 Uhr in der Kulturbrücke in Lindau (Holdereggenstraße 1).

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