Interview
Lindauer Jugendreferent Sebastian Hirblinger über Halloween und den Reformationstag

Sebastian Hirblinger.

Gruselmasken, Hexenkostüme und Kürbisköpfe – am Mittwoch heißt es wieder 'Süßes oder Saures': Es ist Halloween. Vor allem Kinder und Jugendliche lockt der ursprünglich keltische Brauch aus den Häusern, um Süßigkeiten einzusammeln oder auf Kostümfeiern zu gehen. Am gleichen Tag feiern die evangelischen Christen ihren Reformationstag, einen Tag später die Katholiken Allerheiligen.

Kann man Halloween mit den kirchlichen Feiertagen in Einklang bringen? Wir sprachen darüber mit dem Dekanatsjugendreferenten für die Region Lindau/Westallgäu, Diakon Sebastian Hirblinger (30).

Halloween ist manch Gläubigem ein Dorn im Auge. Sehen Sie das Ganze ebenfalls kritisch? Schließlich fällt es auf das Datum des Reformationstages.

<p class='titalic'>Hirblinger: Nein, denn das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Ich denke, dass man beides zusammenbringen kann. Wichtig aber ist, dass man immer wieder prüft: Um was geht es? Den meisten Jugendlichen geht es an Halloween ums Zusammenkommen. Darum, gemeinsam Zeit zu verbringen und Lustiges zu erleben.</p>

Einige Kritiker lehnen Halloween jedoch ab, weil sie es als okkult bezeichnen.

<p class='titalic'>Hirblinger: Traditionell wurden an Halloween – am Vorabend vom katholischen Feiertag Allerheiligen – heidnische Bräuche durchgeführt. Mittlerweile ist es jedoch kommerziell geprägt. Wenn es um teuflische Geisterfeiern geht, interessiert das die Jugendlichen meiner Erfahrung nach nicht.</p>

Feiern viele Jugendliche in Ihrer Gemeinde Halloween?

<p class='titalic'>Hirblinger: Manche junge Menschen interessiert es nicht, andere wiederum gehen gern auf Halloween-Feiern. Und für die Jugendlichen ist das auch kein Widerspruch zum Reformationstag. Ich finde das gut so. Es ist gut, dass sich die Jugendlichen positionieren und sich ihr Verhalten selbstständig überlegen. Schließlich ist es unser Ziel, die jungen Menschen zu befähigen, mündige Christen zu werden.</p>

<p class='tbold'>Traditioneller Gottesdienst und Gesprächsrunden</p>

Wie begehen denn die Jugendlichen den Reformationstag?

<p class='titalic'>Hirblinger: Bei uns in Lindau gibt es den traditionellen Gottesdienst zum Reformationstag. Die Beteiligung der Jugendlichen ist an diesem Tag übrigens genauso hoch wie an anderen Tagen. Ansonsten gibt es im Dekanat Gesprächsrunden, in denen über die Wurzeln der evangelischen Kirche gesprochen wird. Die Jugendlichen setzen sich auch mit den Grundthesen Luthers auseinander. In denen es heißt – und da kommen wir wieder zu Halloween –, sich eigenständig einzubringen und seinen Glauben unabhängig von der Meinung anderer zu leben.</p>

Reformationstag, Allerheiligen, Allerseelen und Halloween

- Am Reformationstag (in Deutschland und Osterreich am 31. Oktober) gedenken die evangelischen Christen an die Reformation der Kirche durch Martin Luther. An diesem Tag – im Jahr 1517 – schlug Martin Luther der Uberlieferung nach 95 Thesen an die Tur der Schlosskirche zu Wittenberg an und rief zur Diskussion auf.

- Allerheiligen (1. November) ist ein christliches Hochfest zum Gedenken aller Heiliger und Martyrer. Zu dem katholischen Feiertag legen Glaubige traditionell Blumengestecke auf die Graber der Verstorbenen. Ihnen ist dann der 2. November – Allerseelen – gewidmet.

- Halloween ist eine Ableitung von 'All Hallows Evening', was uber- setzt 'Allerheiligen-Abend' heißt. Die Kelten gedachten an diesem Tag, dem 31. Oktober, ihrer Toten. Um die Geister der Vorfahren zu besanftigen oder zu vertreiben, gab es verschiedene Riten: Kleinere Gaben wurden beispielsweise vor Hauser gelegt und bose Gesichter in Ruben geschnitzt. Viele dieser Riten werden auch heute noch bei Halloween-Festen durchgefuhrt – allerdings weitgehend ohne spirituellen Hintergrund.

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