Bürgerforum 2011
Lindauer beim Fachgespräch in Berlin

Die Erwartungen sind hoch. Nicht nur bei Christian Wulff: Der Bundespräsident hat die Menschen in Deutschland zur Teilnahme am Bürgerforum 2011 aufgerufen. Der Kreis Lindau ist einer von 25 deutschlandweit, der mitmachen darf. Landrat Elmar Stegmann, aber auch die beiden Landkreisbürger Günter Hsu und Ralf Watschke haben den ersten Projekttag in Schloss Bellevue in Berlin miterlebt. Die Stimmung dort begeistert das Trio. Und so erhoffen sich auch Bürger und Politiker viel von diesem Projekt des Bundespräsidenten.

Menschen für Politik motivieren, begeistern und aktivieren - das hat Wulff als Leitlinie über das Bürgerforum 2011 gesetzt. Es soll «Demokratie erlebbar machen», wie es im Pressetext aus Berlin heißt. Als «motivierend» und «inspirierend» hat der Lindauer Landrat jedenfalls seine erste Begegnung mit dem Bundespräsidenten empfunden: «Wulff hat sich sehr viel Zeit genommen für den Auftakt dieses Bürgerforums, hat den 90 Teilnehmern fast den gesamten Montag gewidmet, unterbrochen nur durch einen Staatsbesuch», schilderte Stegmann in einem Pressegespräch seine Eindrücke aus dem Schloss Bellevue.

Günter Hsu, der aus Moers stammt, aber seit fünf Jahren im Landkreis Lindau lebt, unterstrich Stegmanns Begeisterung. Der 69-Jährige, der vom Meinungsforschungsinstitut angerufen und als einer der ersten von insgesamt 400 Teilnehmern fürs Bürgerforum im Kreis Lindau ausgewählt worden ist, hat sogar ganz unerwartet die Gesprächsrunde an seinem Tisch leiten dürfen.

Sechs Schwerpunktthemen

Beide, Stegmann und Hsu, haben ziemlich große Erwartungen an die nächsten Monate. «Die ganze Themenpalette, das hängt ja alles irgendwie zusammen», stellte Hsu fest: Es geht im Bürgerforum um die sechs Schwerpunktthemen Integration, Solidarität, Bildung, Demografie, Demokratie und Beteiligung sowie familiäre Lebensformen. Aber der Lindauer wagt auch Fragen: «Wie kann ein so großer Kreis mit 400 Menschen da zu irgendwelchen Lösungen kommen?»

Stegmann verwies auf die aktuelle Politik im Landkreis: «Bildung und Integration sind bei uns ganz aktuelle Themen.» Auch beim Punkt Demografie sei der Kreis mit seinem seniorenpolitischen Gesamtkonzept am Puls der Zeit. Dass die ausgewählten 400 Landkreisbürger gute Ideen und Vorschläge bringen werden, daran hat der Lindauer Landrat keinen Zweifel. Zahlreiche Bürgerinitiativen zeigten, dass sich die Frauen und Männer im Kreis durchaus engagieren - «aber eben projektbezogen, und nicht über Parteien», wie es Stegmann formulierte.

Was ihm derzeit jedoch noch nicht klar ist: «Wie können diese Lösungsmöglichkeiten in die Politik integriert werden, ohne die gültigen demokratischen Strukturen auszuhebeln?» Doch alle Beteiligten sind optimistisch, dass diese 400-köpfige Runde nicht nur für den Papierkorb arbeiten wird.

Denn vielleicht kommt ein Lindauer Vorschlag ja bis zum «Tag der Demokratie» am 28. Mai durch, wenn in Bonn die bundesweite Abschlussrunde des Bürgerforums 2011 stattfindet. Es könnte aber auch sein, dass sich Kreisräte eine Lösungsidee ihrer Wähler zu eigen machen.

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