Gesundheit
Letzte Kurzzeitpflegestation im Landkreis Lindau schließt

Das Lindauer Krankenhaus schließt zum 1. April seine Kurzzeitpflegestation. Damit gibt es im Landkreis keine einzige solche Station mehr. «Für die häusliche Pflege ist das eine Katastrophe», kommentiert Gerhard Fehrer, Leiter der Sozialstation Lindau, diesen Schritt. Auch sein Kollege von der Caritas-Sozialstation Westallgäu, Bernhard Weh, bedauert diese Entscheidung. «Es war die einzige verlässliche Anlaufstelle für Kurzzeitpflege», sagt der Geschäftsführer. Auch Angehörige und Betroffene aus dem Westallgäu hätten dieses Angebot genutzt, weiß Weh.

Weil die Lindauer Klinik den Platz für ihre neue Geriatrie-Abteilung benötigt, wird die Kurzzeitpflegestation geschlossen. Außerdem will sich das Haus aus dem Pflegedienstbereich zurückziehen, so Klinikchefin Sibylle Merk. Dass es dann ab April im Landkreis Lindau keine einzige Kurzzeitpflegestation mehr gibt, ist in Merks Augen kein Problem: «Es gibt im Landkreis viele eingestreute Kurzzeitbetten in den Heimen», habe sie sich sagen lassen.

Das ist eine Aussage, die Gerhard Fehrer als Leiter der Lindauer Sozialstation so nicht stehen lassen will. «Die Heime bei uns sind genagelt voll», gibt er zu bedenken. Nur wenn in einem Haus ein Bett längere Zeit leer stehe, werde es auch für Kurzzeitpflege angeboten.

So ist es auch beispielsweise in den Altenheimen St. Vinzenz in Scheidegg und Rothach in Weiler, die von der Westallgäuer Seniorenbetreuungs GmbH (WSB) betrieben werden. «Wir haben je einen festen Platz für Kurzzeitpflege», sagt Geschäftsführer Stefan Spieler. Derzeit sind insgesamt vier Personen auf Kurzzeitpflege in den beiden Altenheimen. Die Nachfrage sei da, sagt Spieler. «Es kommt immer wieder vor, dass wir Leute wegschicken müssen, gerade wenn sie kurzfristig etwas brauchen», sagt Spieler.

«Wenn die Leute mich fragen, kann ich ihnen auch nur raten, sich bei den einzelnen Heimen durchzufragen», sagt auch Weh. Dass es jetzt nur noch sogenannte eingestreute Plätze gebe, sei bedauerlich. «Das ist sicher nicht im Sinne der Einrichtung», so Weh.

Denn oft wird sehr kurzfristig ein solcher Platz gegbraucht, etwa wenn sich der Gesundheitszustand einer älteren Person so verschlechtert, dass sie nicht mehr zu Hause versorgt werden kann.

Wie hoch der Bedarf an Kurzzeitpflegebetten tatsächlich ist, will Landrat Elmar Stegmann bei einem runden Tisch zum Thema Kurzzeitpflege nächste Woche herausfinden. Dazu hat er die Vertreter der beiden Krankenhäuser im Landkreis, der stationären Pflegeeinrichtungen, der Tagespflege und der ambulanten Pflegedienste eingeladen.

Bis 2005 gab es auch an der Lindenberger Rotkreuzklinik eine Kurzzeitpflegestation mit zehn Betten. 1997 wurde sie eingerichtet und immer gut nachgefragt, erinnert sich Pflegedirektorin Gaby Fischer-Reng. «Wir haben es immer sehr gerne gemacht», betont sie.

Jedoch sei der Bedarf nicht mehr so groß gewesen, als in Lindau eine ebensolche Station eingerichtet wurde und auch vermehrt Senioren- und Altenheim Kurzzeitpflege angeboten haben. «Es war dann nicht mehr betriebswirtschaftlich», so Fischer-Reng.

Dass der Bedarf an Kurzzeitpflege im Landkreis Lindau da sei, untermauert Monika Hostenkamp, die den ambulanten Pflegedienst des Roten Kreuzes leitet, mit Zahlen: Übers Jahr gesehen sei jeder vierte der BRK-Kunden im vergangenen Jahr für einige Tage oder auch Wochen in der Kurzzeitpflege gewesen.

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