Interview
Landrat Elmar Stegmann über die Zukunft der Windkraft im Landkreis und die Energiewende

Die Energiewende ist in aller Munde. Direkt und indirekt betroffen ist auch der Landkreis. Peter Mittermeier hat über das Thema Energiewende und Windkraft mit Landrat Elmar Stegmann gesprochen. Die Nutzung der Windkraft wird Vielerorten vorangetrieben. Der Landkreis Lindau ist diesbezüglich aber bislang ein weißer Fleck. Wie geht es bei dem Thema weiter?

Elmar Stegmann: Bisher ist im Regionalplan das Gebiet südlich der B 12 Ausschlussgebiet. Das heißt im südlichen Oberallgäu und dem Landkreis Lindau sind keine größeren Windräder zulässig. Das ist gerichtsfest. Wir wollen das Verbot lockern. Was wir aber nicht wollen ist, dass Wildwuchs entsteht und Windräder nur nach dem Willen von Investoren gebaut werden. Wir wollen die Gemeinden und Bürger beteiligen.

Wie gehen Sie dabei vor?

Stegmann: Es gibt zwei Grundlagen. Zum einen 'Negativpläne', die zeigen, wo Windkraft nicht zulässig ist. Beispielsweise müssen Abstandsflächen zu Wohngebieten oder Autobahnen eingehalten werden. Zum anderen gibt es den Windatlas, der erkennen lässt, wo der Wind stark genug ist, um ihn nutzen zu können.

Legt man beide Karten übereinander, haben wir Plätze an denen Windkraft zulässig und wo sie wirtschaftlich ist.

Sie behandeln im Kreis fast alle Dinge öffentlich. Die Gespräche über Windkraft laufen bisher hinter verschlossenen Türen. Warum?

Stegmann: Wir wollen verhindern, dass ein Investor kommt, sich die Flächen sichert und sagt, hier baue ich ein Windrad. Und das womöglich gegen den Willen einer Kommune. Wir stimmen die Flächen mit den Gemeinden ab, dann werden wir die Bürger einbinden. Am besten wäre es, wenn die Bürger sich auch finanziell an den Windkraftanlagen beteiligen könnten.

Welche Gemeinden kommen denn nach Stand der Dinge als Standort für Windkraftanlagen in Frage?

Stegmann: Details kann ich Ihnen derzeit nicht sagen. Es wird aber ganz wenige Gemeinden geben, in denen Windkraft möglich sein wird.

Gegner der Windkraft reden immer wieder von einer Verspargelung der Landschaft. Sehen Sie so eine Gefahr?

Stegmann: Nein, die Gefahr sehe ich nicht. Schon allein wegen der rechtlichen Bestimmungen, der Topografie und der Windhöfigkeit wird es nicht dazu kommen. Vielleicht finden wir auch einen Standort, an dem sich drei Windräder aufstellen lassen. Allzu viele wird es aber sicher nicht geben.

Wann rechnen Sie mit Ergebnissen?

Stegmann: Ich gehe davon aus, dass die Arbeiten Mitte des Jahres abgeschlossen sein werden. 2013 könnte die Änderung in Kraft treten.

Sie haben sich als Landrat dafür stark gemacht, die Dächer landkreiseigener Gebäude für Photovoltaikanlagen zur Verfügung zu stellen. Die Bürgergenossenschaft nutzt mehrere davon. Jetzt hat die Bundesregierung kurzfristig die Einspeisevergütung reduziert. Wie sehen Sie das?

Stegmann: Der Ansatz ist nachvollziehbar. Wenn die Preise bei den Modulen stark fallen, kann auch die Förderung gesenkt werden. Was mich aber stört ist die Kurzfristigkeit. Bürger und Investoren müssen einen Vertrauensschutz genießen. Das sehe ich hier in Gefahr.

Warum betreiben Sie die Anlagen nicht selber?

Stegmann: Für uns wäre der Aufwand zu groß. Zudem können über die Genossenschaft auch alle Bürger des Landkreises von der Photovoltaik profitieren. Wir würden gerne weiter mit der Bürgergenossenschaft zusammenarbeiten. Sie nutzt drei unserer Dächer, an den Realschulen in Lindau und Lindenberg sowie der Turnhalle der Fachoberschule. Zudem prüft sie, ob das Valentin-Heider-Gymnasium in Frage kommt.

Ein wichtiges Thema in Zusammenhang mit Energieeinsparung ist die Sanierung von Gebäuden. Wie geht es damit mit den landkreiseigenen Gebäuden weiter?

Stegmann: Bei uns genießt das Thema seit Jahren große Bedeutung. Gerade im Bereich der Schulen haben wir viel getan. Denken Sie an die Realschule und die St. MartinSchule in Lindenberg, die wir erweitert und saniert haben. Wir investieren auch weiterhin viel Geld in dem Bereich. Die Sporthalle beim Valentin-Heider-Gymnasiums wird neu gebaut.

Das ist unwesentlich teurer als eine Sanierung, gleichzeitig energetisch aber hoch effizient. Wir werden die Sporthalle an der Realschule Lindenberg sanieren und im Berufsschulzentrum ein Blockheizkraftwerk anstelle einer herkömmlichen Heizung einbauen.

70 Prozent des erzeugten Stroms werden wir selber verbrauchen. Außerdem werden wir heuer eine Holzpelletsheizung am Valentin-Heider-Gymnasium einbauen und somit auch dort nachwachsende Rohstoffe einsetzen.

Bei der Berufsschule war auch die Nutzung von Hackschnitzeln im Gespräch. Wie sehen Sie denn die Zukunft von Biomasse?

Stegmann: Wir als Landkreis sind über die Bioenergie Allgäu mittelbar am Hackschnitzelheizkraftwerk in Scheidegg beteiligt. Ein weiterer Ausbau ist schwierig. Was wir von der Waldbesitzervereinigung Westallgäu hören, wird es problematisch ausreichend Biomasse zu bekommen. Und sie von weit her mit dem Lkw anzufahren gibt ökologisch keinen Sinn.

Stichwort Verkehr. Auch mit einem attraktiven ÖPNV lässt sich der Energieverbrauch senken

Stegmann: Natürlich. Deshalb arbeiten wir stetig daran, den Busverkehr attraktiv zu gestalten. Dazu gehören gute Verbindungen aber auch ein Verkehrsverbund. Derzeit führen wir mit dem Bodo Gespräche über eine Ausbreitung im Landkreis Lindau und darüber hinaus nach Vorarlberg.

Ziel ist es, mit einer Fahrkarte Busse und Bahn im Landkreis, Oberschwaben und Vorarlberg nutzen zu können. Das ist schwierig, weil neben der Bahn auch noch unterschiedliche Länder- und teilweise Bundesrechte betroffen sind.

Wann könnte so ein Verbund denn Wirklichkeit werden?

Stegmann: Als Zeithorizont, bis ein Verbund mit dem Bodo stehen könnte, rechnen wir mit drei Jahren. Mit Vorarlberg wird es noch etwas länger dauern. Da muss man dicke Bretter bohren. Aber wir sind ja auch dafür da, Probleme zu lösen.

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