Kreuzwege im Westallgäu
Im Barockstil gemalte Ölbilder im Lindauer Münster

Christen nutzen die Fastenzeit für die Vorbereitung auf Ostern. Doch vor der Auferstehung stehen Leiden und Tod Jesu. In meist 14 Stationen stellen Bildnisse in katholischen Kirchen die Passion dar und laden Gläubige zu Meditation und Gebet ein. Bis zur Karwoche stellen wir Kreuzwege iin der Region vor. Im Lindauer Münster Unserer Lieben Frau erschließen sich bei genauer Betrachtung der Kreuzweg-Ölgemälde bemerkenswerte Details.

Der Münchner Künstler Otto Graßl (1891-1976) hat die Bilder in den Jahren 1936 und 1937 geschaffenen und dabei den neobarocken Stil der Kirche aufgegriffen. Der Zyklus ist hoch dramatisch ausgestaltet. Wolken türmen sich am Himmel, wehende Fahnen bilden den Hintergrund. Gewänder, Körper und Gesichter sind detailreich gezeichnet und mit viel Hell-Dunke-Kontrasten plastisch gemacht.

Rot-, Blau- und Brauntöne dominieren die Darstellungen, die Stimmung wirkt eher düster: Endzeit. Diese intensive Atmosphäre nimmt den Betrachter gefangen und zieht ihn mit jeder Station tiefer in das Geschehen hinein.

Graßl hat mit seiner Malerei durchaus religiöse Aussagen verbunden. In der VIII. Station stellt er Jesus trotz des auf seinen Schultern liegenden schweren Kreuzes als aufrechten, starken Mann dar, dessen aufmerksame Hinwendung die kniende Frau aufzurichten vermag. Erschütternd der Wechsel zur nächsten Station: Das dominante, von der linken Seite ins Bild ragende Kreuz wird in fast unveränderter Position von zwei Männern gehalten - der eben noch scheinbar unerschütterliche Jesus ist darunter zusammen gebrochen.

Fast perfekte Symmetrie

Auf den Aufbau seiner Arbeiten hat Otto Graßl großen Wert gelegt. Kreuz und Jesus bilden den Mittelpunkt, beide sind in den meisten Darstellungen zentral platziert und füllen beinahe den ganzen Rahmen.

Die Bildkomposition ist dabei mehr als eine ästhetische Frage. Sie verstärkt die Aussagen der gemalten Geschichte. Die fast perfekte Symmetrie, in der die Kreuzigungsszene ausgeführt ist, wirkt fast schon brutal. Als hätte irgendjemand in diesem grausamen Drehbuch den beteiligten Personen Jesus, Maria und Johannes ihre Rollen zugewiesen und sie unbarmherzig gezwungen, diese einzunehmen.

Erst die XIII. Station («Jesus wird vom Kreuz genommen») lässt wieder Milde und Menschlichkeit zu. Auf Erlösung und Himmel schließlich verweist die XIV., in der sich zwei große Engel des Leichnams annehmen.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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