Geschichte
Hoffen auf Sanierer für das Schwesternhaus

Gibt es noch eine Chance für das alte Schwesternhaus in Hergensweiler, dessen Verkauf und sogar Abbruch der Gemeinderat bereits zugestimmt hat? Bürger wie Werner Nuber hoffen darauf, dass sich ein Investor/Handwerker/Liebhaber findet, der dieses im typischen Stil der Westallgäuer Häuser des 19. Jahrhunderts erbaute Mehrfamilienhaus erwirbt und saniert.

Das prägnante Gebäude mit Schindelschirm habe einen wesentlichen Anteil am historischen Dorfbild, stellt Nuber, Vorstand des Museumsvereins Hergensweiler, fest. Es sei wünschenswert und im Hinblick auf das immer wieder bemühte Prädikat «Golddorf» eigentlich sogar zwingend, dieses Haus zu erhalten. Zusammen mit Ortsheimatpfleger Georg Rehm hat er einige Punkte zur Geschichte des Anwesens zusammengetragen: Ursprünglich bestand es aus Wohnhaus, Stall und Tenne. Neben der kleinen Landwirtschaft wurde bis mindestens 1834 eine Schuhmacherei im Nebenerwerb betrieben. In alten Verzeichnissen ist das Gebäude denn auch als «Schuhmacherhaus» bezeichnet. 1813 wurde zusätzlich ein Krämerladen eröffnet, von 1834 bis 1879 ließ sich Gemeindearzt Johannes Bodler in dem Haus nieder.

1922 ging das Gebäude in den Besitz der Gemeinde über. Der damalige Gemeinderat handelte laut Werner Nuber weitsichtig, indem er das zentral gelegene Anwesen erwarb, um dort Möglichkeiten zum Wohle der Bürger zu schaffen. Die Nähe zur Schule bot sich an als Lehrerwohnung, durch Ausbau wurde weiterer Wohnraum geschaffen. Besondere Bedeutung kam der im Haus eingerichteten Schwesternstation zu. Schwestern des Ordens «Vom heiligen Blut» aus Schaan (Liechtenstein) betreuten von hier aus ambulant Kranke und Alte, versahen Kirchendienst, betrieben bis zur Nazizeit sogar einen Kindergarten und eine Nähschule. Die Schwesternstation als wichtige soziale Einrichtung bestand bis Mitte der 60er Jahre.

Über Jahrzehnte bot das Gemeindehaus mit vier Wohnungen zahlreichen Familien und Einzelpersonen preisgünstigen Wohnraum, was besonders beim Eintreffen der Heimatvertriebenen eine wertvolle Hilfe war, so Nuber. In neuerer Zeit wurde das «Schwesternhaus» darüber hinaus als Vereinsheim für den Motorradclub und die Gemeindebücherei genutzt.

Der inzwischen im Innenbereich angelaufene erhebliche Investitionsbedarf ist nun Anlass für die Gemeinde, sich von dem traditionsreichen Gebäude zu trennen. Im diesjährigen Haushaltsplan sind Einnahmen von 120000 Euro aus dem Verkauf angesetzt.

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