Interview
Hilfe aus einer Hand bringt mehr Zeit für Betroffene

Der Landkreis Lindau möchte Langzeitarbeitslose künftig alleinverantwortlich betreuen. Er will deshalb eine von sechs neuen Optionskommunen (siehe Infokasten) werden und bewirbt sich beim bayerischen Sozialministerium für diese Aufgabe. Bisher kümmerte sich der Kreis zusammen mit der Agentur für Arbeit um die Belange der Hartz-IV-Empfänger. Was ihn bewogen hat, jetzt den Alleingang zu wagen, erklärt Landrat Elmar Stegmann in unserem Interview.

Herr Stegmann, warum ist der Landkreis alleine besser für die Betreuung von Hartz-IV-Empfängern geeignet, als die Agentur für Arbeit oder beide zusammen?

Stegmann: Wenn man etwas aus einer Hand erledigen kann, ist es oft einfacher, als wenn sich mehrere darum kümmern. Weniger Schnittstellen bedeuten in diesem Fall außerdem, mehr Zeit für die Betroffenen. Außerdem gibt es im Bereich Hartz-IV viele Verknüpfungen zu anderen Bereichen im Landratsamt.

Das heißt also, der Landkreis ist in diesem Fall dichter dran an den Menschen, als die Arbeitsagentur?

Stegmann: Ja, ihre Betreuung liegt näher bei den Aufgaben des Landratsamtes, was aber keine Kritik an der Agentur für Arbeit sein soll. Die Zusammenarbeit war immer gut.

Können Sie konkrete Beispiele für solche Aufgaben nennen?

Stegmann: Wenn jemand so lange aus dem Arbeitsleben heraus ist wie die Betroffenen, hat er oft auch andere Probleme und braucht neben der Arbeitsvermittlung zusätzliche Hilfe zum Beispiel von Jugend- oder Sozialamt, Sucht- oder Schuldnerberatung. All diese Stellen sind im Landratsamt angesiedelt - genau wie die ARGE (Anm. d. Red. Arbeitsgemeinschaft Grundsicherung), die Hartz-IV-Empfänger bisher betreut. Von außen wird sie deshalb ohnehin längst als Einrichtung des Landkreises wahrgenommen.

Haben Sie keine Bedenken dabei, die ganze Verantwortung und Arbeit alleine zu übernehmen?

Stegmann: Wir trauen uns das fachlich auf jeden Fall zu. Schließlich haben wir durch die Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit in der ARGE bereits fünf Jahre Erfahrung mit der Vermittlung von Langzeitarbeitslosen. Außerdem sind 15 der 27 ARGE-Mitarbeiter ohnehin Angestellte des Landratsamtes und die anderen zwölf, die von der Agentur für Arbeit kommen, würden ins Landratsamt wechseln, wenn wir Optionskommune werden sollten.

Wie groß sind denn Lindaus Chancen, gewählt zu werden?

Stegmann: Ich denke gut, weil wir bereits etliche Projekte vorweisen können, bei denen sich der Landkreis erfolgreich für die Arbeitsvermittlung eingesetzt hat.

Das kann bei der Entscheidung den Ausschlag geben, denn dort stellt sich auch die Frage: Was hat eine Kommune früher schon getan, um Menschen in Arbeit zu bringen.

Wie viel Konkurrenz erwarten Sie?

Stegmann: Man geht von 15 Interessenten aus ganz Bayern aus. Aber sicher ist das noch nicht, da viele Kreistage und Stadträte in nächster Zeit erst noch tagen.

 

Elmar Stegmann

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