Video-Reportage
Früher hat eine Fichte eine Mark gekostet: Ein Christbaumzüchter aus Niederstaufen erzählt

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Ottmar Eckart aus Niederstaufen läuft durch eine seiner Christbaumanlagen und schneidet mal hier mal dort einen Ast heraus. Nebenbei erklärt er, wie ein Baum sich nach dem Schneiden erholt und in welche Richtung die Äste weiterwachsen. Im nächsten Jahr sieht man nichts mehr von der Behandlung und der Baum lässt sich dann prima verkaufen.

Eckart arbeitet das ganze Jahr daran, schön gewachsene Christbäume für das Weihnachtsfest heranzuzüchten. Durch seine Arbeit in einer Gärtnerei kennt sich der naturverbundene Niederstaufener besonders gut mit der Baumpflege aus. In einem halben Jahr geht er in Rente, dann widmet er sich nur noch seinen Bäumen. Seit über 35 Jahren betreibt er die Zucht und den Verkauf von Christbäumen nebenher.

Das ist bei einer Fläche von drei Hektar, die fast durchgehend mit Nadelbäumen bepflanzt sind, eine Beschäftigung, die man nur mit Leidenschaft ausüben kann. Mein Mann braucht das aber einfach, der kommt von der Arbeit und geht zu den Bäumen, sagt seine Frau Erika verständnisvoll.

Eckart wuchs neben seinem jetzigen Wohnhaus auf dem Hof seiner Eltern auf. Sein Vater hatte sieben Hektar Wald und auch er hat schon früher Christbäume verkauft. Da hat allerdings eine Fichte vielleicht eine Mark gekostet oder 1,50 Mark", sagt Eckart. Und wenn die nicht so schön waren und ziemlich licht gewachsen, dann hat er einen Bohrer genommen und im Stamm ein Loch reingebohrt und Äste eingesetzt und hat ihn dann für eine Mark verkauft. Das waren noch andere Zeiten.

Für jeden eignet sich ein anderer Baum

Wenn es auf Weihnachten zugeht, helfen neben Eckarts Ehefrau auch sein Sohn Norbert und Tochter Doris mit, die dafür schon mal den ein oder anderen Tag freinehmen. Innerhalb von zehn Tagen findet der größte Teil des Weihnachtsgeschäfts statt, da herrscht Hauptbetrieb. Abends, wenn es dunkel wird, liefern die Eckarts einige Bäume sogar noch selbst zu den Kunden. Wer ein zu kleines Auto hat, nimmt diesen Dienst gerne in Anspruch.

Die meisten der Bäume erreichen eine Einser- oder sogar Premiumqualität, wenn sie besonders schön gewachsen sind und gar kein Ast fehlt, sagt Eckart. All diese Bäume wird er leicht los. Selbst Zweite-Wahl-Bäume kann er noch gut verkaufen: Es nimmt auch mal einer einen Baum, der hinten ein bisschen leer ist, und der dann genau in die Ecke passt, sagt der 62-Jährige und grinst. Bäume, denen bis zu drei Gipfel wachsen und die damit nicht den Schönheits-Anforderungen entsprechen, verarbeitet Eckart zu Reisig. Das kaufen die Kunden dann für Adventskränze und Weihnachtsdekoration.

Die Nordmanntanne ist neben vier anderen Sorten der beliebteste Baum in Eckarts Sortiment. Sie hat weiches Reisig und eine schöne dunkelgrüne Färbung. Außerdem harzt die Tanne weniger als etwa eine Fichte, die dann stark nach Wald riecht in der Wohnung. Es gibt aber auch Kunden, die die sogenannte Stechfichte lieber haben. Manche Leute nehmen die, weil sie kleine Kinder oder Katzen haben, dann bleiben sie weg vom Weihnachtsbaum, sagt Eckart und lacht.

Wer echte Kerzen benutzen möchte, der sollte einen Baum aussuchen, der locker gewachsen ist und mehr Abstand zwischen den Zweigreihen hat. Eckart persönlich findet einen solchen Baum genauso schön. Denn seiner Ansicht nach ist es beim Schmücken nicht unbedingt ein Vorteil, wenn der Baum sehr dicht und buschig ist.

Wenn der Kunde reumütig wiederkommt

Auch kuriose Geschichten begegnen dem Christbaumzüchter immer wieder. Ein Kunde kam etwa vor einigen Jahren und wollte einen drei bis vier Meter großen Weihnachtsbaum. Eckart hatte keinen solch großen Baum mehr übrig, also musste der Mann sich anderswo einen beschaffen. Beim Aufstellen am Heiligen Abend stand er aber vor dem Problem, dass der riesige Baum nicht in den Christbaumständer passte. Dann ist er um vier, halb fünf wieder zu mir gekommen und hat gefragt, ob ich ihm den Baum anspitzen kann, erzählt Eckart lachend. Aber das macht man dann halt auch.

Ich hab das vor 35 Jahren angefangen und jetzt ist es ein Teil meines Lebens, sagt der 62-Jährige. Den eigenen Christbaum stellt die Familie oft schon zwei Tage vorher auf, damit sie an Heiligabend diese Arbeit schon hinter sich hat. Wenn der letzte Weihnachtsbaum verkauft ist, kann auch Ottmar Eckart zufrieden mit seiner Familie Weihnachten feiern und den Baum mit einem Schnaps loben.

Autor:

Anja Lachenmayer aus Kempten

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