Winzer
Bodensee-Wein: Wie der gute Tropfen aus dem Süden Deutschlands in die Flasche kommt

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Hätten Sie es gewusst? Der südlichste Weinberg Deutschlands befindet sich in Lindau am Bodensee. Nicht weit davon entfernt ein weiterer außergewöhnlicher Weinberg: der zweithöchste der Bundesrepublik. Beide gehören zum Anbaugebiet von Winzer Claudius Haug.

Der 37-Jährige weiß genau, dass die Lage am Bodensee und die Höhenmeter seinem Wein einen ganz besonderen Geschmack verleihen. Die gängigsten Bodensee-Sorten beim Weißwein ist Müller-Thurgau, beim Rotwein Spätburgunder. Bis die Flasche im Handel steht, haben der Bodensee-Winzer und sein Team knapp ein Jahr Arbeit mit dem Wein.

Claudius Haug beschäftigt 15 bis 20 Erntehelfer während der Erntezeit im September/Oktober. Das Team hilft auf sechs Hektar, die Reben von Hand zu lesen. Bei uns steckt noch sehr viel Handarbeit dahinter, erzählt Haug. Gerade in so einem etwas schwierigeren Jahr, zahlt sich so etwas aus. Wir haben nämlich geschulte Erntehelfer, die schon seit vielen Jahren kommen, und die können entsprechend selektieren und schlechtes Material verwerfen.

Der verregnete August hat einige Trauben an den Reben faulen lassen. Haug war viele Stunden mit seinem erfahrenen Team zur sogenannten Vorlese in den Weinbergen unterwegs. Dabei zupfen die Helfer die verfaulten Trauben von den gesunden Reben. So können die Reben am Weinstock noch einige Grad Oechsle, also an Süße, gewinnen.

Das geht aber nur, wenn es noch warm ist. Dafür sorgt der Bodensee: Jetzt im Herbst strahlt er die Wärme des Sommers ab. In den Trauben entsteht damit mehr Zucker und die für den Bodensee typische Fruchtnote im Wein.

Während der Lese verbringt das Team von morgens bis abends den Tag in den Weinbergen. Mit einer Zange schneiden die Helfer Rebe für Rebe von den Weinstöcken, selektieren einzelne verfaulte Trauben aus und legen sie in die Sammelwannen. Mittags gehen alle zusammen essen. Familie Haug kocht eine Mahlzeit für die hungrigen Erntehelfer. Das bis zu zwanzigköpfige Team sitzt dann gesellig zusammen und genießt die Mittagspause. Eine familiäre und gleichzeitig internationale Atmosphäre: Alle verständigen sich in einer Mischung aus deutsch, englisch und der Landessprache.

Nach der Mittagspause fährt Claudius Haug sein Team wieder an den Weinhang direkt am Bodensee. Für ihn geht es weiter zum nächsten Verarbeitungsschritt: das Abbeeren. Hier trennt eine Maschine, der sogenannte Entrapper, die Trauben von den Reben. Die Trauben verlassen dann als Maische den Entrapper. Für einen leichten Sommerweißwein verarbeitet Haug die Maische, angereichert mit Hefe, sehr schnell weiter. Für einen Rotwein lässt er die rote Traubenmaische länger stehen. Der Grund: Der Farbstoff befindet sich in der Beerenhaut der roten Trauben. Dieser Farbstoff löst sich erst durch den entstehenden Alkohol und färbt den Traubensaft ein.

Dann kommt die Maische in die Weinpresse. Wichtig dabei: Die Pressung muss sehr schonend sein, die Traubenkerne müssen ganz bleiben. Sonst wird der Wein bitter. Die abgepresste Flüssigkeit kommt dann in den Weinkeller. Beim Rotwein ist die Flüssigkeit bereits Wein, die Haug direkt in die Barrique-Fässer aus Eichenholz füllt. Bei Weißwein handelt es sich noch um Traubensaft. Der kommt in Stahltanks, in denen Haug und seine Mitarbeiter die Gärung durch Kühlung kontrollieren können. Nach drei bis fünf Wochen ist der Traubensaft zum Jungwein geworden, der dann in Fässer kommt und dort weiter reift.

Abfüllen: Eine Frage des Zeitpunktes

"Im März, April werden bei uns die Weiß- und Roséweine abgefüllt, im Juni die ersten Rotweine. Teilweise bleiben die sogar über ein Jahr in den Barrique-Fässern", erzählt Haug. Woher weiß der Winzer, wann der ideale Zeitpunkt für das Abfüllen in Flaschen ist? Claudius Haug überprüft regelmäßig, wie sich das Aroma des Weins entwickelt. Dabei kann er sich auf seinen Geruchssinn und seine Geschmacksnerven verlassen. Schließlich hat er jahrelange Erfahrung als Winzer: 2002 hat er der Betrieb von seinem Vater übernommen.

40.000 Flaschen pro Jahr füllt Haug mit Wein aus Reben, die auf insgesamt etwa sechs Hektar wachsen. Die verkauft er hauptsächlich über seinen Hofladen, über das Internet oder er liefert sie direkt an die örtliche Gastronomie. Haug ist mit dem Geschäft zufrieden, auch wenn es keinen richtigen Jahrhundertjahrgang bis jetzt gab. Immerhin: Eine Flasche Spätburgunder aus dem Jahrhundertsommer 2003 kostet mittlerweile 80 Euro.

Autor:

Larissa Pucher aus Kempten

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