Jahresbilanz
Betrug per Mausklick hoch im Kurs

Zwei Männer fischen Überweisungsträger aus dem Briefkasten einer Lindauer Bank, ändern die Kontodaten und versuchen in 18 Fällen, insgesamt rund 120000 Euro zu erschleichen. Ein Großteil der Summe kann zurückgeholt werden oder der Schwindel wird rechtzeitig bemerkt, doch immerhin 21000 Euro fließen.

Nach monatelangen intensiven Ermittlungen wird Ende 2010 ein europaweiter Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Haupttäter erlassen. Vor vier Wochen wird er im Zug zwischen Belgien und Köln festgenommen, nun sitzt er in der JVA in Kempten. «Die Masche ist einfach und relativ erfolgreich. Die Täter sind gut durchorganisiert, quer durch die ganze Republik. Es kann sein, dass er schon seit 2004 aktiv ist. Wenn seine DNA ausgewertet ist, rollt womöglich noch eine ganze Welle auf uns zu», beschreibt Uwe-Christian Wucher.

Für ihn ist das der spektakulärste Betrugsfall, mit dem sich die Kriminalpolizei Lindau im Jahr 2010 befasst hatte. Insgesamt 416 Fälle gab es zu bearbeiten, ein Dutzend mehr als im Jahr zuvor. Mehr als ein Viertel davon sind Betrugsdelikte, wobei laut Wucher vor allem Betrügereien im Internet in Verbindung mit EC- oder Kreditkartenbetrug hoch im Kurs stehen. Im Schnitt läuft pro Woche mehr als eine Anzeige bei der Kripo auf, bei der Bürger auf diese Weise getäuscht worden sind - und nicht selten geht es dabei um Summen über 20000 Euro.

Solche über das Internet durchgeführte Delikte wirken sich auch auf eine andere Art auf die Statistik aus: Sie senken die Aufklärungsquote. Es gibt nämlich eine neue Zählweise: «Wenn nicht feststellbar ist, von wo aus der Täter gehandelt hat, dann taucht der Fall hier trotzdem auf.

Und diese Delikte werden wir auch nicht aufklären können», bedauert Wucher. Die Täter sitzen meist irgendwo im Ausland.

40 solcher Vorkommnisse konnten nicht gelöst werden - und das ist der Hauptgrund, weshalb die Aufklärungsquote gleich von 81,2 auf 73,1 Prozent gesunken ist. Das sei allerdings trotzdem noch ein gutes Ergebnis, sagt Kripo-Chef Reinhard von der Grün und fügt hinzu: «Insgesamt war 2010 ein unspektakuläres Jahr für uns.» Bearbeitet wurden unter anderem 20 Falschgelddelikte, 49 Sterbefälle (davon neun Unfalltote und 13 Suizide) und zwölf Brandfälle mit einer Schadenssumme von rund 4,9 Millionen Euro.

Sein Kollege Kurt Kraus nennt zwei Fälle, die besonders arbeitsintensiv waren: Ein tödlicher Unfall auf der Autobahn im Dezember 2009 sowie die Entführung im Fall Kalinka, die zu aufwendigen Ermittlungen gemeinsam mit Kollegen aus Österreich, Frankreich und der Schweiz geführt haben. Das habe über einen längeren Zeitraum hin viel Personal gebunden, so Kraus.

Keine neuen Erkenntnisse hat die Kripo derweil hinsichtlich der vermissten 84-jährigen Senioren, die Anfang März in Lindenberg spurlos verschwunden ist. «Das bereitet uns richtig Kopfzerbrechen. Ein absolutes Rätsel», sagt Kraus. Erst kürzlich sei erneut mit Hunden vergeblich gesucht worden. Auf ein Verbrechen gebe es nach wie vor keinen Hinweis.

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