Zoll
Beamte führen im Grenzgebiet Bargeldkontrollen durch

Der Motor läuft. Schweigend beobachten Horst Schmied und Walter Mesmer die Straße. Sie warten. Auto für Auto fährt vorbei. «Da vorne der schwarze» - Schmied tritt aufs Gaspedal. Der 170 PS starke Wagen zieht auf die A96, und gleich auch auf die Überholspur. Nach etwa 500 Metern hat er den Bentley eingeholt. Schmied schert vor ihm ein und drückt auf einen kleinen Knopf in der Mittelkonsole: << Zoll - Bitte folgen >> leuchtet rot auf dem Dach des Streifenwagens auf.

Die Beamten der Zolldienststelle in Lindau führen im Grenzgebiet immer wieder Bargeldkontrollen durch - im Zug, an der Landstraße oder eben auf der Autobahn. << Wir kontrollieren, damit Geld aus illegalen Quellen nicht über die Grenze gebracht wird >>, sagt Kontrolleinheitsleiter Michael Sonntag. Ziel dieser Kontrollen sei es, Geldwäsche und die Finanzierung von Terrorismus zu bekämpfen. Aber vor allem auch Steuersünder zu entlarven, die ihr Geld aus Steueroasen wie der Schweiz oder Liechtenstein über die Grenze bringen. Falls Zweifel an Angaben oder Hinweise auf illegale Geldbewegungen bestehen, geben Sonntag und seine Kollegen den Fall direkt an die Zollfahndung weiter.

Schmied und Mesmer lotsen den Benteley in eine Notbucht, wo bereits zwei weitere Beamte warten. Fahrer und Beifahrerin schauen sich fragend an. Irritiert fahren sie die Fensterscheiben nach unten. Freundlich begrüßen die Beamten das Ehepaar und halten ihnen eine etwa führerscheingroße, eingeschweißte Karte hin, die sie auf die Anmeldepflicht von Barmitteln ab 10000 Euro (siehe Infokasten) hinweist. Die beiden verneinen, eine solche Summe mit sich zu führen und zeigen den Beamten ihre Geldbörsen.

Allein im August haben die Lindauer Beamten bei den Bargeldkontrollen 220000 Euro gefunden, die nicht angemeldet waren. Bei 16 Aufgriffen wurden insgesamt 400000 Euro festgestellt. Die zu erwartenden Bußgelder liegen bei etwa 30000 Euro. Der Monat sei aber ein << Extrembeispiel >>, so Sonntag.

Trotzdem habe die Einfuhr von Barmitteln nach Deutschland in den letzten Jahren zugenommen. Schmied macht für diese Tendenz unter anderem die Schweizer Steuer-CDs mit Namen potentieller Steuerhinterzieher, die Weltwirtschaftskrise und das neue Abkommen mit der Schweiz über die Pauschalbesteuerung von Einlagen verantwortlich. Im Gebiet des Hauptzollamtes Ulm haben Beamte im vergangenen Jahr in 84 Fällen Barmittel sichergestellt - insgesamt 2,7 Millionen Euro - und 150 Hinweise an Finanzbehörden weitergegeben. 99,5 Prozent dieser Fälle haben sich im Gebiet um Lindau abgespielt, sagt Sonntag. Die Dunkelziffer sei enorm hoch.

Kreative Verstecke

Auch Leibesvisitationen gehören hin und wieder zu den Kontrollen. Manchmal ist das notwendig: Einmal habe eine Frau um die 60 die Frage nach Bargeld verneint, aber << an der Seite vom Büstenhalter hingen die Scheine raus >>, erinnert sich Mesmer lachend. << Egal wie kreativ die Leute sind, die Tausend davor waren bestimmt genauso kreativ >>, sagt Sonntag. Dabei ist es gar nicht so klug, sich ein besonders ausgefallenes Versteck einfallen zu lassen. Denn je mehr Mühe man sich gibt, umso höher setzen die Beamten das Bußgeld an. << Wir nehmen zwischen sechs und 15 Prozent des Betrags >>, sagt der Kontrolleinsatzleiter.

Mesmer fordert den Bentley-Fahrer auf, aus dem Wagen zu steigen und den Kofferraum zu öffnen. Der ist wütend: << Ich bin kein Betrüger. >> Schmied beobachtet die Situation, seine Waffe ist griffbereit. Gezogen hat er sie schon oft, << aber Gebrauch musste ich von der Schusswaffe noch nie machen >>, sagt der Beamte, der seit etwa 30 Jahren beim Zoll arbeitet. Nach der Kontrolle von Hotelrechnungen und Gepäck brechen die Beamten ab. << Ich habe in Deutschland fleißig Steuern gezahlt. Da hätten Sie beide gut davon Leben können >>, verabschiedet sich der Bentley-Fahrer erbost. Die Zollbeamten lächeln freundlich. Derartige Reaktionen sind nicht selten.

<< Bei den beiden hat alles zusammengepasst >>, erklärt Messmer den Abbruch - kein Verdacht auf Betrug. Oft sind es nur kleine Indizien, wie Visitenkarten oder Tankrechnungen, die die Verdächtigen entlarven. Eine bestimmte Zielgruppe, die sie kontrollieren, haben sie nicht. << Erfahrung und Menschenkenntnis >>, diese Kombination sei für ihren Beruf wichtig, sagen die Beamten. Fahrzeug, Insassen, Wohnort - << wir müssen in Sekundenschnelle entscheiden >>, sagt Mesmer.

Schmied und Mesmer fahren wieder an die Stelle in Grenznähe beim ehemaligen Zollamt, von wo aus sie den Verkehrsstrom nach Deutschland beobachten können. << Nimm den >>, weist Mesmer seinen Kollegen an. Schmied tritt aufs Gaspedal.

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