Brauchtum
40 Männer in Nonnenhorn proben für den Schäfflertanz

Alle sieben Jahre heißt es für 40 Männer in Nonnenhorn: Proben für den Schäfflertanz. So auch in diesem Jahr. Seit Oktober üben sie eifrig im Stedi, nahezu jeden Freitag. Seit 1846 gibt es diesen Brauch in Nonnenhorn. Damals kam der Münchner Schäfflergeselle Johannes Koeniger ins Weindorf. Er brachte den Brauch aus der großen Stadt ins kleine Dorf mit. "Der Münchner Tanz ist aber etwas schneller als der unsere und weniger tänzerisch", erklärt Tobias Hirlinger. Der Schreinermeister und Gemeinderat ist in diesem Jahr nur als Ersatztänzer dabei.

Doch wer Mitglied der ehrenwerten Schäfflergesellschaft ist, der ist eingebunden, ob er nun aktiv tanzt oder nicht. "Wir sind eine Art Verein im Verein", sagt der Vorsitzende der Schäfflergesellschaft, Uli Gierer. Offiziell ist die Schäfflergesellschaft Bestandteil des Narrenvereins, doch eigentlich führt sie ein selbstbewusstes Eigenleben. Denn der Tanz begleitet manche Nonnenhorner ein ganzes Leben.

Zum Beispiel Michael Bunk. Der 70-Jährige war früher der Dorffriseur. Ein stiller, aber engagierter Mann. 1963 hat er das erste Mal mitgetanzt. Seitdem ist er jedes Jahr dabei. Zunächst als Tänzer, dann gab er seine Erfahrung an die Jüngeren weiter.

Denn der Schreittanz mit seinen verschiedenen Figuren 'isch nix, wenn Du Klumpfiaß hasch', sagt Franz Späth, der ebenfalls in diesem Jahr als Ersatztänzer agiert. 20 Tänzer umfasst die Gruppe. 'Wir mussten sogar welche abweisen', sagt Uli Gierer zufrieden. Tänzer dürfen maximal 40 Jahre alt sein, eine Ausnahme bilden die Ersatztänzer.

Dazu kommen fünf Reifenschwinger und noch die Fassschläger, Clowns, Ehrendamen und natürlich die Musikkapelle, die aber bei den Proben noch nicht dabei sein muss: Noch kommt die Musik vom Band.

Für den unvoreingenommenen Beobachter wirkt das meiste bereits recht ansehnlich, doch dem scharfen Blick von Markus Hornstein entgeht nichts. 'Das war jetzt zu schnell', kritisiert er. 'Achtet deutlicher auf den Vortänzer', mahnt er.

Der Vortänzer heißt in diesem Jahr Christian Kuprella. Sein rotes Fähnchen gibt die Richtung und die Figuren vor. Vor sieben Jahren war Kuprella noch Schlusstänzer. 'Der Schlusstänzer wird beim nächsten Mal dann Vortänzer', sagt Kuprella. Vorausgesetzt, er hat seine Aufgabe gut bewältigt.

Was er dazu braucht? 'Taktgefühl', sagt Kuprella. Der 17-jährige Anders Schnell ist der jüngste Tänzer in diesem Jahr. Warum er mitmacht? 'Es ist einfach eine Familientradition', sagt er. 'Ansonsten tanz ich gar nicht.'

Die Reifenschwinger mühen sich in einem Nebenraum unter der Anleitung von Christian Amann ab. Wobei sie dies derzeit noch in der Light-Variante tun. Statt Rotwein ist Wasser in den Gläsern, die auf den Innenseiten der Reifen montiert sind. Auch stehen sie in den Proben noch fest auf dem Boden der Tatsachen. Bei ihrem Auftritt im April werden sie ihre Künste dann aber auf einem Fass stehend zeigen müssen.

Der Schäfflertanz ist in Nonnenhorn am Sonntag, 15. April, zu sehen. Beginn ist um 11 Uhr auf der Bühne am See.

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