Vortrag
Wirtschaftsexperte Wiegard stellt Deutschland in Krisenzeiten gutes Zeugnis aus

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'Überlebt der Euro?' Mit dieser provokanten Frage hatte die Raiffeisenbank Füssen-Pfronten-Nesselwang eine Kundenveranstaltung in Pfronten betitelt. Als Referenten hatte die Bank den renommierten Volkswirtschaftler Prof. Dr. Wolfgang Wiegard aus Regensburg gewonnen.

Der ehemalige Wirtschaftsweise (von 2001 bis 2010 Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung) lieferte vor rund 300 Zuhörern eine vorsichtige Antwort: Er sei 'ziemlich' sicher, dass der Euro überlebt.

Das 'Aber' schickte er gleich hinterher: Für das Überleben sei wichtig, dass die Mitgliedsländer ihre Schulden in den Griff bekämen und ihre Wettbewerbsfähigkeit anglichen. Deutschland habe sich vom 'kranken Mann in Europa' zur Konjunkturlokomotive entwickelt und sei das einzige Land in der OECD, in dem die Arbeitslosigkeit geringer sei als vor der Krise.

Die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sei durch strukturelle Reformen und eine 'moderate Lohnpolitik' gestärkt worden, was Wiegard auch den hoch verschuldeten Ländern in der Euro-Zone empfahl.

Die schwarz-gelbe Koalition ernte jetzt die Früchte früherer Regierungen: der 'Agenda 2010' der Regierung Schröder und der 'Rente mit 67' der Großen Koalition – 'eine absolut richtige Maßnahme', wie er sagte. Die 2008 beschlossene Unternehmenssteuerreform sei ein richtiger Schritt und die im Grundgesetz festgeschriebene Schuldenbremse ein 'Meilenstein im Kampf gegen die Staatsverschuldung und ein Vorbild für den Fiskalpakt'.

Denn sie zwinge die öffentlichen Haushalte, sich zu konsolidieren. Bei weiteren grundlegenden Reformschritten sei die schwarz-gelbe Koalition 'erstaunlich mutlos'.

Und bei Reformen der Umsatzsteuer oder der Gemeindefinanzen sowie der Vereinfachung des Steuerrechts sei sie gescheitert, so Wiegard.

Griechenland sei 'bankrott', sein Austritt aus der Währungsunion nicht ausgeschlossen. Kurz- oder mittelfristig sei das Land nicht wettbewerbsfähig: 'Das nächste Rettungspaket kommt bestimmt', argwöhnte der Experte. Eine Rückkehr zur Mark und die damit verbundene Aufwertung um 30 Prozent würden der Exportnation Deutschland schaden, Arbeitsplätze vernichten und das Auslandsvermögen der Deutschen von derzeit sechs Billionen Euro massiv entwerten.

Italien und Spanien könnten es aus eigener Kraft schaffen. Ohne Ursachenbekämpfung sei allerdings die Krise nicht zu bewältigen. Mit ihren Interventionen kuriere die Europäische Zentralbank wie mit einem Schmerzmittel an den Symptomen herum, so der Referent, der für seinen faktenreichen, mit Humor gewürzten Vortrag anhaltenden Beifall erhielt.

In der anschließenden Gesprächsrunde forderten Wolfgang Sommer, Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, und Dr. Leopold Herz, Landtagsabgeordneter aus Wertach, verlässliche Rahmenbedingungen für den Mittelstand.

Während Sommer den ermäßigten Steuersatz für das Hotelgewerbe verteidigte, sprach sich Wiegard für die Abschaffung der Steuervorteile aus. Zum Euro gebe es keine vernünftige Alternative, gab sich Helmut A. Mark, Vorstandssprecher der Raiffeisenbank, optimistisch.

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