«Team hat gezeigt, was ich sehen will»

Von Christopher Hecker
| Kaufbeuren 15 von 62 Saisonspielen der Eishockey-Oberliga, also knapp ein Viertel, sind vorüber. Der ESV Kaufbeuren, mit Aufstiegsambitionen in die Spielzeit gegangen, steht derzeit mit 30 Punkten auf Rang drei. Wir haben mit Joker-Trainer Marcus Bleicher den 2:1-Derbysieg gegen den EV Füssen und die bisherige Saison Revue passieren lassen.

Sie fordern immer, dass der ESVK bei Heimspielen klar zeigen muss, wer Herr im Haus ist. War das bei diesem Derby der Fall?

Bleicher: Das Ergebnis ist für Füssen sehr schmeichelhaft. Wir hätten eigentlich schon nach dem ersten Drittel führen müssen. Rob McFeeters hatte ja schon nach zehn Sekunden das 1:0 auf dem Schläger. Aber auch nach dem Rückstand haben die Jungs gezeigt, was ich von ihnen sehen will: Einsatz und Siegeswillen. In solchen Derbys gibt es kein Versteckspiel. Da muss jeder Spieler rausgehen und sagen: Ich will das Spiel entscheiden, ich will das Bully gewinnen, ich will den nächsten Check fahren, ich will das nächste Tor schießen. Man muss böse sein

Zuviel Boshaftigkeit ist doch aber gefährlich - Stichwort Strafzeiten.

Bleicher: Natürlich. Das habe ich meiner Mannschaft auch gesagt, dass solche engen Spiele nicht auf der Strafbank gewonnen werden. Als Eishockeyspieler bewegt man sich aber immer auf einem schmalen Grat. In Unterzahl haben wir ja dann auch das 0:1 gefangen.

Wie beurteilen Sie die Reaktion ihrer Mannschaft auf den zwischenzeitlichen Rückstand?

Bleicher: Die Mannschaft hat mit noch mehr Leben und Leidenschaft gespielt und verdient das Spiel gedreht. Es ist wichtig, dass wir nicht vom Spielstand um die gute Leistung betrogen wurden.

Wie ist das nun jetzt eigentlich für Sie, als Füssener Urgestein und Kultfigur auf der anderen, der Kaufbeurer Seite zu stehen?

Bleicher: Das ist ein besonderes Spiel für mich - ganz klar. Aber ich bin jetzt Trainer beim ESVK und ich habe die Jungs perfekt auf das Spiel eingestellt, und wir haben zu Recht gewonnen. Schön ist, dass ich nun einigen Freunden aus Füssen ganz oft die Fragen stellen kann: «Wie ist das Spiel nochmal ausgegangen?»

Wie fällt Ihre Bilanz nach 15 Spielen insgesamt aus?

Bleicher: Uns fehlen vier bis fünf Punkte. Vor allem die Niederlagen in Miesbach und gegen Passau schmerzen. Aber die Saison ist noch lange und wir werden sehen, wie lange Mannschaften wie Peiting, die meist nur mit zwei Reihen spielen, diese Schlagzahl gehen können.

Welche Erkenntnisse haben Sie bisher über die Konkurrenz gewonnen?

Bleicher: Jede Mannschaft muss erst geschlagen werden. Daher verlange ich Respekt vor jedem Gegner - egal ob der Rosenheim oder Miesbach heißt. Viele Teams kommen nach Kaufbeuren und haben nichts zu verlieren und spielen ganz unbeschwert auf. Auswärtsspiele sind sowieso nie einfach. Die Spieler müssen lernen, sich darauf einzustellen und auch mit der Favoritenrolle umzugehen. Aber ich habe ihnen gezeigt, wie der Hase läuft. Das heißt, wir müssen immer auch den Kampf annehmen und können nicht nur schön spielen.

Wo steht Ihre Mannschaft sportlich schon gut da und wo muss noch verstärkt gearbeitet werden?

Bleicher: Defensiv arbeitet das gesamte Team gut - wir kriegen wenige Gegentreffer. Als Fels in der Brandung haben wir mit Leo Conti einen starken Torwart. Meine Mathematik ist, dass wir eigentlich nur vier Tore pro Spiel schießen müssen, um zu gewinnen. Jede Reihe macht einen Treffer und einen in Überzahl. Dann muss uns erst jemand schlagen. Aber daran hapert es manchmal noch. Unsere Chancenverwertung und unser Überzahlspiel müssen besser werden. Das ist wie bei einer Ketchupflasche: Wenn es mal richtig losgeht, ist es nicht mehr zu stoppen - davon bin ich überzeugt.

Nach den Abgängen von Michael Hess und Stefan Mayer ist der Kader ausgedünnt. Wann wird gerade auch aufgrund der vielen Spiele darauf reagiert?

Bleicher: Wir haben einen starken Kader, aber wenn Leistungsträger ausfallen, wird es eng. Wir beobachten den Markt sowohl bei den Verteidigern als auch den Stürmern. Wenn wir Spieler finden, die uns weiterhelfen können und finanzierbar sind, werden wir nochmal zuschlagen.

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