Special Fußball SPECIAL

Allgäu
Star oder Teamplayer?

Allgäu Nicht die Taktik entscheidet, sondern die besseren Spieler, sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß Mitte der vergangenen Saison, als Ober-Dribbler Franck Ribéry wieder einmal ein Spiel im anarchischen Alleingang entschieden hatte. Nicht die Mannschaft, sondern der Star war wieder der Star. In Wolfsburg wirbelten Grafite und Dzeko, in Stuttgart Gomez. Sogar die Berliner, deren Schweizer Trainer radikalen Angriffs-Schablonenfußball lehrt, profitierten von ihrem Sturm-Solisten Woronin. Und die zu Gemeinschafts-Pressing erzogenen Hoffenheimer erkannten in der Rückrunde, dass verletzte Einzelkönner wie Ibisevic unersetzlich sind. Der Dribbler wollte von den Allgäuer Trainern wissen, wie wichtig ihnen Einzelkönner sind. Haben sie lieber herausragende Kräfte in ihrem Team - oder bauen sie auf ein Kollektiv, in dem Stars vielleicht sogar eher stören?

Esad Kahric (50), Trainer beim Bayernligisten FC Memmingen: «Natürlich braucht jeder Trainer Spieler wie Dzeko, Grafite oder Ribéry. Deren Leistungen begeistern natürlich auch die Zuschauer. Ich hätte gerne noch mehr überdurchschnittliche Spieler in meinem Team. Solche wie zum Beispiel unser Abwehrspieler Alexander Späth, der auch ein sehr kreativer Spieler ist. Das herausragende Können nutzt aber Mannschaft und Trainer überhaupt nichts, wenn ein Star charakterlich nicht ins Team passt und sich nicht unterordnet. Beim FCM sind wir über das Kollektiv erfolgreich. Natürlich kann es sein, dass einer meiner Schützlinge an einem Tag über sich hinauswächst. Und im nächsten Spiel ist wieder ein anderer für 90 Minuten der Star. Aber davon profitiert letztendlich die gesamte Truppe.»

Alexander Methfessel (38), Trainer beim Landesligisten 1. FC Sonthofen: «Bei uns ist ganz klar die Mannschaft der Star. Was mache ich, wenn der herausragende Akteur ein schlechtes Spiel abliefert? Ich habe doch lieber drei Führungsspieler, auf die ich die Last verteilen kann. Unser Torjäger Christian Binde war ja in der vergangenen Saison deshalb so stark, weil die ganze Mannschaft für ihn gearbeitet hat. Aber ich gebe zu, dass ich gerne mehr solcher herausragender Spieler in meinem Team hätte. Bei uns kann jeder im Spiel zum Star werden und eine Begegnung entscheiden. Vor allem erwarte ich von den erfahrenen Spielern, dass sie Signale setzen und ihre Kollegen mitreißen, wenn es nicht so gut läuft. Ein einzelner Spieler kann dies doch gar nicht schaffen.»

Norbert Schmidbauer (52), Trainer beim Bezirksoberligisten TSV Marktoberdorf: «Fußball ist ein Teamsport und da sind alle gefordert. Ich bin aber froh, dass ich nicht nur einen, sondern mehrere gute Spieler habe, die ein Match entscheiden können. Wenn du außergewöhnliche Akteure hast, die auch noch charakterlich stark sind, ist dies für jeden Trainer ein Glücksfall. Aber meine Aufgabe sehe ich darin, jeden Spieler besser zu machen. Nur dann kann sich eine Mannschaft weiterentwickeln.»

Werner Moll (45), Trainer beim Bezirksoberligisten FC Kempten: «Stars brauche ich nicht. Aber gute Spieler. Ein Star ist für mich jemand, der heller leuchtet als andere. Der alle Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Das zieht die Motivation von anderen nach unten. Ich setze lieber auf ein intaktes Gefüge.»

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen