Ehrenamt
Persönlicher Einsatz und Motivation

Helmut Kromp arbeitete fast 40 Jahre ehrenamtlich für den SVC Kleinwalsertal (siehe Info-Kasten). Zuletzt war er Vorsitzender der 1400 Mitglieder starken Vereins. Als Nachfolger stellte sich bei der Jahresversammlung Helmut Zintl zur Verfügung. Wir sprachen mit Kromp über die Höhen und Tiefen des Vereins und über die Zukunft des Ehrenamtes.

Sie und Ihre Kollegen haben eineinhallb Jahre gebraucht, um einen Nachfolger zu finden. Woran lag das?

Kromp: Niemand wollte die Verantwortung für den größten Walser Verein übernehmen, der mit großem Zeitaufwand und persönlichem Engagement verbunden ist. Zu den Aufgaben gehören unter anderem das Sponsoring, Kontakte mit Behörden, Verbänden und Vereinen zu pflegen sowie wichtige Netzwerke zu betreuen.

Ist es generell schwieriger geworden, jemanden zu finden, der an der Spitze eines Vereins Verantwortung übernimmt?

Kromp: Ja, denn ie Gesellschaft , das persönliche Umfeld und vieles mehr hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten sehr verändert. Hier die Weichen und die Voraussetzungen zu schaffen für einen modernen Verein, erfordern viel persönlichen Einsatz, Motivation und die Unterstützung durch ein gutes Team.

Es stand sogar die Auflösung des Gesamtvereins zur Debatte. Wie groß war das Szenario, dass es einen Verein mit rund 1400 Mitgliedern plötzlich nicht mehr gegeben hätte? Was hätte das bedeutet?

Kromp: Das Szenario der Vereinsauflösung wurde immer größer, je länger ein neuer Vorsitzender gesucht wurde. Wenn keiner gefunden worden wäre, hätte ich rechtlich den Verein auflösen müssen. Die vielen Sparten hätten ihren eigenen Verein gründen oder eine neue Heimstatt suchen müssen.

Sie waren unter anderem zwölf Jähre Präsident und 22 Jahre Stellvertreter beim SVCK. Was sind die Gründe für Ihren Rücktritt?

Kromp: Der Wunsch nach etwas mehr Freizeit mit der Familie. Außerdem sollte durch die Verjüngung des Vereins an der Spitze ein Umbruch eingeleitet werden, um die Zukunft zu gestalten und den Verein weiter nach vorne zu bringen.

Was waren die Höhepunkte während Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit?

Kromp: Das Fußballspiel 1969 einer Oberallgäuauswahl mit seschs Walser Spielern gegen den damaligen deutschen Meister 1. FC Nürnberg mit Trainer Max Merkel vor 4000 Zuschauern.

Höhepunkte waren unter anderem auch die großartigen internationalen Judo und Tischtennis-Veranstaltungen, sowie die Organisatiaon der deutschen alpinen Meisterschaften und Meistertitel 2003 der Tischtennis-Damen in der 2. Bundesliga.

Und die Tiefpunkte?

Kromp: Die Auflösung der Judobteilung mit 50 Aktiven, weil kein Abteilungsleiter zu finden war. Aber auch der mehrmalige Rückzug der ersten Fußball-Herrenmannschaft aus dem Spielbetrieb. Hinzu kommt noch über Jahre hinweg die oft vergebliche Suche nach ehrenamtlichen Helfern und Funktionären.

Was müsste sich ändern, damit das Ehrenamt attraktiver wird und wieder mehr dazu bereit wären, einen Posten in einem Verein zu übernehmen?

Kromp: Die Anerkennung und Wertschätzung des Ehrenamtes müsste größer sein. Mit einem guten Beispiel ging der Landkreis Oberallgäu mit der Vergabe einer Ehrenamtscard voran. Die Arbeit der Funktionäre sollte auf mehrere Schultern verteilen werden, positive Öffentlichkeitsarbeit und mehr Aufklärung über ehrenamtliche Tätigkeit wären ebenso wichtig.

Welche Tipps geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?

Kromp: Mehr Funktionäre zu suchen, die Aufgaben auf viele Schultern verteilen. Das müsste bereits im Jugendbereich beginnen, um diese sehr früh an den Verein zu binden. Wichtig ist auch die Kameradschaft und der faire Umgang miteinander im Team.

Wird es Vereine wie den SVCK mit den Strukturen von heute in 20,30 Jahren geben oder müssen neue Wege gefunden werden, damit ein Verein auch für Jugendliche attraktiver wird?

Kromp: Ich vermute, dass es den Verein auch in Zukunft geben wird. Auf das Ehrenamt ist nicht zu verzichten. Neue Wege wird man sicher gehen müssen. Vermutlich aber mit mehr Professionalität, mit mehr bezahlten Funktionären und einem modernem, interessanten Angebot für die Jugend. Allerdings geht der Trend derzeit weg von festen Trainingszeiten.

Ist zum Beispiel ein Verein mit einem bezahlten Geschäftsführer und professionellen Strukturen wie Fitnessstudio, Gesundheitskursen oder Funsportarten ein Modell für die Zukunft?

Kromp: Ja, bei Großvereinen im Allgäu wird dies bereits schon so praktiziert.

Die Fragen stellte Werner Kempf

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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