Memminger Demonstration der anderen Art

Von Thomas Weiss
| Memmingen Endlich haben sie es schwarz auf weiß. Es ist Samstag um zehn vor halb sechs, als im Bayerischen Fernsehen die Videotext-Tafel 235 aktualisiert wird und den FC Memmingen als neuen Tabellenführer der Fußball-Bayernliga ausweist. Die Fans des FCM starren schon eine halbe Stunde auf den Flachbildschirm in der Vereinsgaststätte. Jetzt brandet riesiger Beifall auf. Der FCM lacht von der Tabellenspitze, Konkurrent Weiden - der soeben mit 1:0 niedergekämpft wurde - ist mit drei Punkten Rückstand auf Distanz gehalten. Kurze Zeit später applaudiert der Memminger Anhang seinem Trainer Esad Kahric, der glücklich in die Runde winkt. Am Tresen genehmigt sich Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger zur Feier des Tages ein gediegenes Herrengedeck.

Memmingen stand an diesem Nachmittag zweifelsohne im Fokus der Öffentlichkeit. Drinnen in der Stadt war eine Kundgebung gegen die rechtsextreme Partei NPD ohne größere Zwischenfälle zu Ende gegangen (siehe Allgäu-Rundschau). Und die Tatsachen, dass das Bayernliga-Schlagerspiel draußen in der neuen Arena mit 1620 Zuschauern die weitaus größeren Massen lockte und der neue FCM-Liebling Candy Decker nach einem «Rechtsruck» der ganz anderen Art das Tor des Tages erzielte, zaubert allen Beteiligten ein Grinsen in die Gesichter. Mit Ausnahme von Weidens Trainer Gino Lettieri natürlich.

Umstrittener Platzverweis

Der ist immer noch hochgradig erbost. In seiner Analyse schimpft er nicht nur, dass seine Schützlinge «blind gegen die Memminger Mauer angerannt» sind und «im Torabschluss unfähig» waren. Nein, auch Schiedsrichter Michael Völk (Kronach) kassiert Verbalprügel. Mit der «nicht nachvollziehbaren» Roten Karte gegen Michael Plänitz (72.) habe der Unparteiische das Spiel entschieden. «Das war ein klares Foul. Aber nie und nimmer Rot.»

So oder so. Der Platzverweis bedeutete die Wende im Spiel. Weiden hatte zuvor das Heft klar in die Hand genommen. Die Gäste-Führung war mehrfach in der Luft gelegen, doch es fehlte am konsequenten Abschluss: Tobias Zott traf per Kopf nur den Innenpfosten (54.).

Decker avanciert zum Helden

In Überzahl war nun der FCM am Drücker. «Das hat uns noch mal gepusht», sagte hinterher der eingewechselte Xhelal Miroci, der von Kahric eigentlich die Order bekommen hatte, Ruhe ins Spiel zu bringen. Stattdessen machte er die Partie unruhig. Mit seinen Dribblings über links belebte er das Offensivspiel des FCM und «provozierte» damit so ganz beiläufig auch die Rote Karte für den Weidener Spieler.

Zum Helden des Tages avancierte aber Candy Decker. Nach einer herrlichen Spielverlagerung auf die rechte Seite köpfte der 20-Jährige eine Bauer-Flanke unhaltbar für den Gästetorwart ins Netz. «Ich hab ihn super getroffen.

» Dass der FCM die turbulente Schlussphase ohne Gegentor überstand und nun Tabellenführer ist, sei «Wahnsinn. Wir haben echt einen Lauf.» Und Kahric fügte hinzu: «Das wollen wir so lange wie möglich genießen.»

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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