Interview
Langläuferin Katrin Zeller schafft mit Rang sechs ihr bestes Resultat bei der Tour de Ski

Frau Zeller, Glückwunsch zum sechsten Platz bei der Tour de Ski, dem härtesten Langlaufrennen der Welt. Wie belohnt man sich eigentlich nach so einem Erfolg?

Katrin Zeller: Ehrlich gesagt, gar nicht. Ich gönne mir ein paar Tage Ruhe und das war’s. Komischerweise bin ich diesmal gar nicht so müde. Ich muss aber auch allerhand erledigen: Wäsche waschen, mein Zeugs verräumen, Interviews geben

Genau. Erklären Sie doch bitte mal, warum es diesmal so gut geklappt hat. Eine Agentur schrieb sogar, sie hätten sich in die Weltspitze katapultiert.

Zeller: Na ja, katapultieren ist nicht ganz richtig. Ich glaube, ich habe die letzten Jahre immer wieder bewiesen, dass mir die Tour liegt. Heuer hatte ich das Glück, dass es schon in Oberhof mit Platz neun richtig gut losgegangen ist.

Da hatten wir Deutschen einfach super präparierte Ski, während die anderen beim Material etwas danebengegriffen haben. Auch in Oberstdorf war etwas Glück dabei. Beim Sprint habe ich mich als 30. gerade noch qualifiziert, im Jahr davor war ich als 31. aus den Punkterängen Und dass ich bei so einem Etappenrennen hintenraus gut bin, das wusste ich ja vorher.

Was macht Sie da eigentlich immer so zuversichtlich?

Zeller: Am meisten natürlich die Erkenntnis aus den Vorjahren. Ich weiß einfach, dass sich mein Körper sehr gut und schnell regenerieren kann. Da habe ich vielleicht einen Vorteil den anderen gegenüber.

Gibt es da ein Geheimrezept? Eine Wundermassage vielleicht ?

Zeller: Oh nein, mit dem Massieren hab’ ich es gar nicht so. Das tut mir eher nicht so gut. Deshalb laufe ich nach dem Rennen nur etwas aus, esse Nudeln und Kartoffeln, verzichte auf Süßes und trinke ganz ganz viel Wasser, um das Laktat rauszuschwemmen.

Nun sind Sie mit 32 Jahren die absolute Nummer eins bei den deutschen Langlauf-Frauen

Zeller: Ich musste mir das hart erarbeiten. Es ist ja kein Geheimnis, dass es Leute gab, auch Jochen Behle, die damals dagegen waren, dass ich ins Weltcup-Team berufen werde. Ich denke, ich habe es denen jetzt schon gezeigt – und das macht mich natürlich stolz. Ja, es ist schon schön, wenn man das Zugpferd in der deutschen Mannschaft ist. Aber ich würde mich jetzt nie über die anderen stellen. Im Gegenteil: ich orientiere mich im Training ganz oft an den Jungen, an Nicole Fessel und Hanna Kolb.

Apropos Training, der Wechsel zu Ihrem Heimtrainer Peter Kösel hat sich bezahlt gemacht, oder?

Zeller: Auf jeden Fall. Ich trainier’ bei Peter viel individueller als in einer großen Trainingsgruppe. Wir haben sehr viel für die Schnellkraft gemacht, ich trainiere zudem viel mehr Oberkörperkraft. Und man muss sagen, dass Peter Kösel und Bundestrainer Janko Neuber gut zusammenarbeiten. Da fühle ich mich einfach wohl.

Das war nicht immer so

Zeller: Ja, wir hatten in den letzten Jahren halt schon viel Unruhe durch die vielen Trainerwechsel. Und: Ich bin jetzt auch in einem Alter, wo ich weiß, auf was es bei mir speziell ankommt. Ich denke, jetzt sind wir auf einem sehr guten Weg.

Sie sind nicht der Typ für laute Töne. Fühlen Sie sich und ihre Leistung manchmal etwas geringgeschätzt?

Zeller: Hmmm, na ja, manchmal würde ich mir schon etwas mehr Anerkennung wünschen. Aber bei manchen Leuten dauert das einfach länger, bis man sie überzeugt. Außerdem mache ich den Sport ja nicht für andere, sondern nur für mich. Ich will meine Grenzen ausloten.

Der Saisonhöhepunkt ist jetzt vorbei. Wie motiviert man sich da noch?

Zeller: Ich will diese gute Form noch nutzen. Eine Justina Kowalczyk oder eine Marit Björgen sind weit weg. Aber bei einem Weltcup mal am Podest kratzen, das wär’s. Im Weltcup liege ich momentan auf Plazt elf. Klar, dass ich da mein Ziel etwas nach oben schraube und versuche, unter die Top Ten zu kommen. Die Fragen stellte Thomas Weiß

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