Ehrung
Kombinierer Johannes Rydzek startet seine Weltcup-Karriere mit Ausrüstung des Teamkollegen

Mit eingezogenen Schultern macht sich Johannes Rydzek ganz klein vor der Sponsorenwand im Dresdner Eventwerk. Braune Haare, schwarzer Anzug, rote Krawatte. Er steht im Blitzlichtgewitter und wirkt dabei fast schüchtern. Gerade ist der 19-Jährige von einer Fachjury der Deutschen Sporthilfe zu Deutschlands Juniorsportler des Jahres gekürt worden.

Der Nordische Kombinierer aus Oberstdorf steht damit nun in einer illustren Reihe mit ehemaligen Preisträgern wie Timo Boll, Franziska van Almsick oder den Doppel-Olympiasiegerinnen Magdalena Neuner und Maria Riesch.

'Das sind große Namen. Es wäre schön, wenn ich die gleichen Erfolge feiern könnte, aber der Sport hat seine eigenen Regeln', kommentiert – bescheiden wie immer – der Oberstdorfer. Dann beginnt der Junioren-Weltmeister förmlich zu strahlen und richtet sich in seinem schwarzen Anzug zu seiner vollen Größe von knappen 180 Zentimetern auf.

Der Name Rydzek ist mittlerweile nicht nur Wintersportbegeisterten längst ein Begriff, sondern auch den meisten der 700 geladenen Gäste in Dresden. Immerhin ist der talentierte Allgäuer seit geraumer Zeit in der Weltspitze bei den 'Großen' angekommen. Man könnte auch sagen, er zählt bereits dazu. Olympia-Bronze gewann Rydzek 2010 in Vancouver mit dem Team, zudem dreimal Silber bei der diesjährigen Nordischen Skiweltmeisterschaft in Oslo.

Noch kein Medienprofi

Aber Rydzek ist noch kein Medienprofi, die große Aufmerksamkeit in Dresden imponiert ihm sichtlich. 'Die Auszeichnung macht mich unglaublich stolz, und ich bin sprachlos über die Eindeutigkeit', staunt er. 98 von 100 Punkten erhielt Rydzek von der Jury unter Vorsitz von Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Zweiter wurde der Kanute Tom Liebscher (89 Punkte), Dritter der Rodler Julian von Schleinitz. (79). 'Juniorsportler Mannschaft des Jahres' wurde die Junioren-Nationalmannschaft der Handballer. Die Sonderpreise im Behinderten- und Gehörlosensport gingen an den Vizeweltmeister im Rollstuhl-Tischtennis, Thomas Schmidberger, und an Leichtathletin Jessica Urbanski, die 2011 zum Europameistertitel über 100 Meter sprintete. Rydzek ist nach Björn Kircheisen (2002 und 2003) erst der zweite Kombinierer, der – bei der 34. Wahl – den wichtigsten Nachwuchspreis im deutschen Sport gewinnen konnte.

Dabei war Rydzek als Kind nicht besonders gut in seiner Sportart, wie der ehemalige Weltklasse-Skilangläufer René Sommerfeldt (Oberwiesenthal) in seiner Laudatio behauptete. Doch dann kam dieser Novembertag 2008: Weltcup-Starter Christian Beetz hatte sich am Knie verletzt, für den Saisonauftakt im finnischen Kuusamo fehlte plötzlich ein Athlet. 'Da begann seine Entwicklung im Zeitraffer.

Johannes wurde aus Lillehammer eingeflogen, hatte aber in der Eile seinen Sprunganzug vergessen. Kurzerhand musste ein Exemplar eines Teamkollegen umgeschneidert werden >>, erzählt Sommerfeldt den Gästen in Dresden. Rydzek wurde auf Anhieb 15. und gehört seitdem zum Weltcupteam. 'Das war ein Schlüsselerlebnis', so der Preisträger. Von einer Olympiamedaille im Einzel träumt der Abiturient nun, klar. Aber bis Sotschi 2014 ist es noch ein langer Weg.

6000 Euro Preisgeld

Die 6000 Euro Preisgeld, die mit der Auszeichnung verbunden sind, will er übrigens nicht gleich auf den Kopf hauen. 'Vielleicht kaufe ich mir was, vielleicht lege ich auch erstmal was zurück', sagt Rydzek. Demnächst will er auch noch ein Studium aufnehmen. 'Was Technisches', sagt der Mann des Abends und zieht sich wieder zurück – hinter die Kulissen.

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