Allgäu
Ja zum Leben - dank Fußball

Kempten-Heiligkreuz Daniel Hiebeler aus Heiligkreuz ist ein lustiger und lebensfroher junger Mann. Beim Training der Männermannschaft geht der 19-Jährige engagiert zur Sache. Mit seinen Kollegen sprintet er um auf dem Boden liegende Hütchen, übt das Kurzpass-Spiel und ist immer dabei, wenn irgendwo ein Spaß gemacht wird. Das war nicht immer so. Ende 2005 wurde bei ihm ein bösartiger Tumor im Ellenbogen festgestellt. Nachdem eine Chemotherapie nicht anschlug, musste sein linker Arm entfernt werden.

Es folgte eine mehrmonatige Leidenszeit, in der er sich nicht sicher war, wie es in seinem Leben weitergeht. Zwei Dinge gaben ihm stets Mut: die Unterstützung seiner Familie und die Liebe zum Fußball. Unbedingt wollte er wieder mit seinen Kumpels vom SV Heiligkreuz auflaufen. Doch der Reihe nach. Das Unheil nahm vor vier Jahren seinen Lauf. «Mir sind immer wieder drei Finger der rechten Hand eingeschlafen. Ich hab gedacht, das wird schon nicht so schlimm sein. Schließlich ging ich dann aber doch zum Arzt», erinnert sich Daniel. Sein Hausarzt überwies ihn an einen Neurologen. Dieser entdeckte im Ellenbogen von Daniel einen «kleinen Hügel», der sich nach vielen Untersuchungen als bösartiger Tumor erwies. Das Geschwulst von der Größe eines Tischtennisballes wurde in der Uniklinik in Ulm entfernt.

Was folgte, war eine kräfteraubende Chemotherapie. Fünf Tage Aufenthalt in Ulm wechselten sich stets mit zwei Wochen Pause ab. An Schule oder an ein Treffen mit Freunden war nicht zu denken. Nach dem siebten Behandlungsblock stellten die Ärzte erneut Krebszellen fest. Ein Schock. Denn sie rieten Daniel, sich den Arm amputieren zu lassen. Seine erste Reaktion war verzweifelt: «Lieber sterbe ich, als dass ich mir den Arm abnehmen lasse.» Tagelang haderte er mit seinem Schicksal und stellte sich quälende Fragen: «Warum ich? Ich bin doch noch so jung.»

Doch dann änderte sich seine Einstellung. Daniel sagte «Ja» zur Amputation und «Ja» zum Leben. Seine Freunde vom SV Heiligkreuz hatten großen Anteil daran. Obwohl ihm die Ärzte davon abrieten, besuchte Daniel im Juni 2006 die 60-Jahr-Feier seines Vereins. Er trank einen Russ und genoss die Atmosphäre in vollen Zügen. «Ich habe mit meinen Kollegen gelacht, die ich seit der E-Jugend kenne. Mir wurde klar: Ich will diesen Zusammenhalt weiter erleben. Ich will weiter Spaß haben mit meinen Freunden im Verein», sagt der Bayern-Fan.

Am nächsten Tag sagte er seiner Mutter, dass er bereit sei für die Amputation. Am 4. August 2006 wurde ihm der linke Arm abgenommen. In dieser Zeit hielt ihn vor allem ein Gedanke hoch: Daniel wollte wieder Fußball spielen! Schon ein halbes Jahr später stand er wieder auf dem Platz. «Am Anfang war das schwierig. Das Gleichgewicht hat gefehlt - und die Kondition natürlich auch», erinnert sich Daniel, der bis heute kaum mehr als 30 Minuten spielen kann. Doch die genießt er umso mehr. Ein dreiviertel Jahr nach der Amputation wurde er mit den A-Junioren Meister in der Gruppe Kempten. «Das», sagt Daniel Hiebeler, «war der schönste Moment in meinem Leben.»

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