Sport mit dem Nachwuchs
Interview: Experte Reinhard Gansert schildert, wie man Kindergartenkinder an den Sport heranführt

Viele Erwachsene nehmen sich für 2012 vor, mehr Sport zu treiben. Doch was ist mit den Kindern? Wie kann man die Jüngsten für Bewegung begeistern? Studien zeigen, dass sportliche Aktivität für sie besonders wichtig ist.

"Dicke Kinder werden nicht nur kranke Erwachsene, sie sind in jungen Jahren schon gesundheitsgefährdet", fasste die Deutsche Ärztezeitung eine Studie des Herzzentrums der Universität Leipzig zusammen.

Demnach führt Übergewicht im frühen Kindesalter etwa zu Bluthochdruck und zu riskanten Veränderungen, die zur Entwicklung von Gefäßschäden als Frühform einer Atherosklerose ("Arterienverkalkung") beitragen. Zum Auftakt der neuen Serie "Sport mit dem Nachwuchs" sprachen wir mit Experte Reinhard Gansert (57) aus Kempten.

Herr Gansert, die Ferien enden am Montag. Wie begeistert man den Nachwuchs für Sport im Alltag?

Gansert: Eigentlich ist das nicht so schwer. Kinder haben von kleinauf Bewegungsdrang. Wir Erwachsene müssen darauf achten, dass sie ihn ausleben und dass sie sich auch austoben können. In der Stadt geht das leider nicht so leicht wie auf dem Land. Umso mehr müssen wir auf ein vielfältiges Angebot achten. Wer Kinder zu früh an Fernseher und Faulenzen gewöhnt, schadet ihrer Entwicklung.

Ab wann sollte mit Sport begonnen werden?

Gansert: Studien haben gezeigt, dass sich bei Kindern im Kindergartenalter sehr viel positiv verändert, wenn sie täglich eine halbe Stunde Bewegungsspiele betreiben, verbessert sich zum Beispiel die Koordination – bei manchen verdoppelt sie sich sogar.

Auch das Sozialverhalten verbessert sich und es passieren weniger Unfälle im Alltag. Kinder, die ihren Körper einschätzen können, agieren wesentlich geschickter.

Sie betreuen seit 1994 die 'Knaxiade' des Turnbezirks Schwaben und der schwäbischen Sparkassen. Ziel ist es, Kinder im Vorschulalter für Bewegung zu begeistern. Wie muss man sich Sport im Kindergarten vorstellen?

Gansert: Die 'Knaxiade' ist eine Art olympische Spiele für Kinder – aber ohne Wettkampf-Charakter! Etwa 60 Prozent aller Kindergärten in Schwaben nehmen daran teil. Wir bieten Schulungen für die Erzieherinnen an, in denen wir Spiel- und Übungsformen vorstellen. Außerdem helfen wir bei der Organisation der 'Knaxiade', die in den meisten Kindergärten einmal im Jahr statt-findet.

Es geht um Spaß, Spielen und Ausprobieren. Egal ob dick, dünn, klein oder groß: Jeder soll sich als Sieger fühlen und stolz darauf sein, dass er etwas gelernt und geleistet hat. Deshalb darf zum Abschluss jedes Kind aufs Podest steigen und erhält eine Medaille. Was ist in den einzelnen Altersstufen besonders wichtig?

Gansert: Grundsätzlich orientieren wir uns mit unseren Programmen an den zwölf Bewegungsbedürfnissen für Kinder von Professor Ulrich Nickel aus Heidelberg (siehe Kasten unten). Ausgehend von diesen Bedürfnissen haben wir verschiedene Spielformen entworfen. Für Kinder bis zwei, drei Jahre steht die Entwicklung der Sinne im Vordergrund: Es geht also um das Greifen und Begreifen.

Ab vier Jahren kann man dann gezielt Materialien einsetzen: Bälle und Flummi oder beispielsweise leere Becher zum Balancieren auf dem Kopf. Wichtig ist ein vielseitiges Angebot – auch zuhause.

Worauf sollten Eltern noch achten?

Gansert: Sie sollten mit gutem Vorbild vorangehen und ihre Freizeit aktiv mit den Kindern gestalten. Gemeinsam draußen zu spielen und zu toben, ist für alle eine Bereicherung. Ganz toll ist beispielsweise auch das Mutter/Vater-und-Kind-Turnen. Turnen – das gilt ganz allgemein – ist die Kinderstube des Sports. Es werden Grundlagen wie Koordination, Konzentration und Kraft vermittelt.

Ab wann macht es Sinn, sich auf eine Sportart zu spezialisieren?

Gansert: Ich würde dazu raten, nicht zu früh damit zu beginnen, sondern mindestens bis zum Alter von zehn Jahren zu warten.

Welche sportlichen Aktivitäten nehmen Sie sich selbst für dieses Jahr vor?

Gansert: Jetzt im Winter will ich noch oft zum Langlaufen. Im Sommer spiele ich viel Beachvolleyball. Außerdem will ich mit meinem Sohn Thomas einen neuen Wettbewerb etablieren. Diesmal allerdings für Erwachsene.

Um was geht es?

Gansert: Wir wollen 'Das perfekte Team' suchen. Die Idee: Ein Mann und eine Frau bilden ein Team und müssen ihre Geschicklichkeit im Duell gegen andere Teams bei verschiedenen Spielen unter Beweis stellen. Das soll eine Mischung aus den TV-Shows 'Schlag den Raab' und 'Die perfekte Minute' werden und in einer Turnhalle stattfinden. Derzeit arbeiten wir am Konzept, um die Idee umzusetzen.

Weitere Informationen zu 'Knaxiade' und 'Das perfekte Team' gibt es per E-Mail unter kontakt@spospito.de

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