«Ich denke, das wird eine klare Sache für das Team von Jogi Löw»

Von Roland Wiedemann
| Burgberg Am Samstag bestreitet die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Vaduz gegen das Fürstentum Liechtenstein ihr erstes Qualifikationsspiel für die Endrunde zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Ein ausgesprochener Kenner des Liechtensteiner Fußballs ist Ex-Profi Uwe Wegmann (44) aus Burgberg (Oberallgäu). Wir unterhielten uns mit dem Allgäuer Fußballer des Jahres 2005, der nach seinem Rauswurf beim damaligen Bayernligisten FC Kempten im Frühjahr 2008 wieder in Liechtenstein trainiert, und zwar die Unterländer Spielervereinigung (USV) Eschen-Mauren. Wenn es die Zeit erlaubt, kickt Wegmann seit Saison-Beginn nebenzu beim Fußball-Kreisligisten TSV Burgberg.

Ihr Klub, der USV Eschen-Mauren, stellt die meisten Spieler der Liechtensteiner Nationalmannschaft. Hat DFB-Spielebeoachter Urs Siegenthaler schon bei Ihnen angerufen?

Uwe Wegmann (lacht): Nein, hat er nicht. Ich denke auch nicht, dass der DFB mich als Informanten braucht. Der DFB hat eine sehr gute Scouting-Abteilung.

Aber Sie würden ihm gegebenenfalls Tipps geben?

Wegmann: Naja, eigentlich schon.

Was trauen Sie Ihren Spielern und deren Nationalelf-Kollegen gegen die deutsche Mannschaft zu?

Wegmann: Ich denke, das wird eine klare Angelegenheit für das Team von Jogi Löw. Für Liechtenstein geht es darum, die Niederlage in Grenzen zu halten. Wenn man die Spiele gegen andere große Fußball-Nationen wie zum Beispiel Spanien betrachtet, dann fällt auf, dass diese Teams gegen Liechtenstein anfangs richtig Gas gegeben haben, um früh das Ergebnis zu regeln. Und dann haben sie zwei, drei Gänge zurückgeschaltet. So in etwa könnte auch das Spiel gegen Deutschland laufen.

Die USV Eschen-Mauren spielt in der 3. Schweizer Liga - unter Profi- oder Amateurbedingungen?

Wegmann: Alle meine Spieler sind Amateure und arbeiten. Aber der Aufwand, der hier betrieben wird, ist schon hoch. Wir trainieren viermal in der Woche. Die Infrastruktur, was das Trainingsgelände und die medizinische Versorgung angeht, ist klasse. Ich bin mit dem Umfeld absolut zufrieden.

Ein paar Hundert Meter weiter beim FC Vaduz gibt es allerdings Profi-Fußball

Wegmann: Vaduz ist vor dieser Saison in die höchste Schweizer Liga aufgestiegen, hat aber nur drei liechtensteinische Nationalspieler in seinen Reihen. Die restlichen Spieler kommen aus der Schweiz und anderen Ländern.

Die USV Eschen-Mauren ist also so etwas wie der Ausbildungsverein des Liechtensteiner Fußballverbandes?

Wegmann: Das kann man so sagen. Wir haben insgesamt elf A- und U21-Nationalspieler. Der Verband hat es gern gesehen, dass Eschen-Mauren in die dritthöchste Schweizer Liga aufgestiegen ist, wo die Verbandsspieler an ein höheres Niveau herangeführt werden können.

Sie waren von 1999 bis 2002 Spielertrainer beim FC Vaduz. Wie hat sich der liechtensteinische Fußball in der Zwischenzeit entwickelt?

Wegmann: Immer wieder mal gelingt der Nationalmannschaft eine Überraschung. In der Qualifikation für die Europa- meisterschaft 2008 hat Liechtenstein immerhin sieben Punkte geholt. Die Verantwortlichen machen das Beste aus den bescheidenen Möglichkeiten. Man darf nicht vergessen, dass das Fürstentum knapp 35000 Einwohner hat. Das Reservoir an Talenten ist also sehr begrenzt. Aber die wenigen Talente werden optimal gefördert.

Wie sieht diese Förderung aus?

Wegmann: Die besten Spieler eines jeden Jahrgangs werden aus den sieben Fußball-Vereinen, die es in Liechtenstein gibt, rausgezogen und spielen jeweils mit dem Team Liechtenstein in den höchsten Schweizer Nachwuchsligen. Dort können sie sich hervorragend weiterentwickeln.

Die Wahrscheinlichkeit, später Nationalspieler von Liechtenstein zu werden, ist groß

Wegmann: Diese Aussicht motiviert die Jungs natürlich. Entsprechend gut ist die Einstellung meiner Spieler. Welcher Fußballer darf schon mal gegen Stars wie Michael Ballack oder Fernando Torres antreten?

Welchen Stellenwert genießt Fußball in Liechtenstein?

Wegmann: Fußball spielt hier lang nicht so eine große Rolle wie in Deutschland. Aber das Spiel gegen die DFB-Elf schlägt schon hohe Wellen. Es zählt zu den Höhepunkten in der Geschichte des Liechtensteiner Fußball-Verbandes.

Sie sprachen vorher vom hohen Aufwand, der für einen Amateurverein wie bei Eschen-Mauren betrieben wird. Ihr persönlicher Aufwand ist auch nicht gerade klein. Für einen Allgäuer ist Liechtenstein nicht gerade der nächste Weg.

Wegmann: Einfach sind es mit dem Auto eineinhalb Stunden. Das geht. Andere Leute aus dem Allgäu fahren auch jeden Tag zur Arbeit nach Augsburg oder München.

Und was sagen Sie zur Situation beim FC Kempten, Ihrem ehemaligen Klub, der sich nach dem Abstieg in der Landesliga schwer tut?

Wegmann: Für die Spieler tut es mir natürlich Leid.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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