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Gemeinschaft
Fußballer aus Bidingen gründen St.-Pauli-Fanclub

Noch heutzutage ziehen Freibeuter der Meere über die Ozeane, verbreiten Furcht und Schrecken. Dass Piraten nun jedoch auch im tiefsten Bayern zu finden sind, ist angesichts der fehlenden Anbindung an die See mehr als ungewöhnlich. Doch es gibt sie, die 'Allgäupiraten'. Die Gruppe aus Bidingen will einfach eine gute Stimmung erleben, viele Tore sehen und möglichst immer einen Sieg ihres FC St. Pauli feiern.

Die Liebe zum Fußball währt bei Bertram Hämmerle schon lange. Als Aktiver kickte er für den SV Bidingen, bildete jahrelang die Jugend aus und schult nun die Torwarte des Vereins.

Auch höherklassige Spiele schaut er sich gern an – so eines Tages des FC St. Pauli. Als er in deren Stadion einmal die Atmosphäre miterlebte, war es um ihn geschehen. 'Das war dann nicht nur Sympathie, sondern viel mehr. Der Verein und die Fans sind schon ein bisschen verrückt, finde ich.'

Es ist eine so ganz andere Welt, die er in Hamburg erlebte, als die, die er von seiner Arbeit im Landratsamt her kennt. Ein reizvoller Kontrast, denn: 'Ich selbst bin nicht so chaotisch', spielt er auf die Verhältnisse im Kiezclub an. 'Ich bin zwar auch kein Pingeliger, aber so locker? Das ist nicht meine Grundeinstellung.'

Und trotzdem zieht es ihn dort immer wieder hin. 'Die nehmen eben nicht alles so tierisch ernst.' Da bauten die Fans ihre Mannschaft selbst nach Niederlagen wieder auf und pfiffen sie nicht aus. Dieses Zusammenhalt schätzt nicht nur er. Inzwischen zog der Virus in Bidingen vor allem im Sportverein Kreise. Acht Personen gehören dem Fanclub an, darunter ein eigentlich eingefleischter 'Roter'. Das nennt man Toleranz.

Oder es ist aus der Verbundenheit heraus, die der FC Bayern damals gezeigt hat, als St. Pauli vor der Pleite stand und deshalb zu einem Benefizspiel aufgelaufen ist? Da passt es vielleicht ins Bild, dass sich der Fanclub heuer ausgerechnet an Karfreitag gegründet hat. 'Da hatten die meisten eben Zeit', begründet Hämmerle das doch eher ungewöhnliche Datum.

Es ist die inzwischen 415. Gefolgschaft der Clubs, dessen Fans sich gern 'Zecken' nennen. Was das bedeutet, lernten die Bidinger vor Kurzem erst in Regensburg kennen. Da wurden sie spontan von Hamburger Fans zu Wienerle und Kartoffelsalat, serviert aus dem Kofferraum, eingeladen: 'Kommt rüber zu uns, ihr seid doch auch ,Zecken'. Wir müssen zusammenhalten.' Genutzt hat die gemeinsame Stärkung nichts: St. Pauli hat die Begegnung mit 0:3 verloren.

Das nächste Ziel der Bidinger ist natürlich die Wiege von St. Pauli: das Stadion am Millerntor. Aber dann bei den 'richtigen' Fans. Denn bisher hatte Hämmerle immer nur Karten für den Gästeblock ergattern können.

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