Elf Dörfer, eine Nationalelf

Von Benjamin Schwärzler
| Hard Es macht eigentlich kaum einen Unterschied, ob man Kontakt mit dem Trainer eines Westallgäuer Kreisligisten aufnehmen will oder mit einem gestandenen Liechtensteiner Nationalspieler. Ein kurzer Anruf genügt - und schon sitzt man zusammen mit Thomas Beck (27) an einem Biertisch auf dem Trainingsgelände des FC Hard.

Der Liechtensteiner, der 62 Länderspiele (fünf Tore) für das Fürstentum absolviert hat, stürmt seit Saisonbeginn für den ambitionierten österreichischen Regionalligisten bei Bregenz. Seine Mitspieler heißen unter anderem Simon Schnepf und René Mayer und kommen aus Heimenkirch und Scheidegg. Neben den beiden Westallgäuern hat er mit Michael Döbele (früher unter anderem FC Wangen und VfB Friedrichshafen) einen weiteren deutschen Mitspieler. Mit Deutschen hat er es heute Abend auch zu tun. Die heißen Philipp Lahm, Miroslav Klose oder Lukas Podolski - und sind seine Gegenspieler zum Auftakt der WM-Qualifikation.

84 von 100 Spielen verloren

Liechtenstein gegen Deutschland - selbst auf den zweiten oder dritten Blick ist es ein höchst ungleiches Duell. Denn der Zwergstaat, ungefähr 80 Kilometer von Lindenberg entfernt, zählt gerade einmal 35000 Einwohner in elf Gemeinden, sieben Fußballvereine und 1700 aktive Kicker. Zum Vergleich: Bereits der Landkreis Lindau zählt 20 Kommunen, rund 80000 Einwohner und allein im Bezirk Bodensee sind 107 Fußballvereine registriert.

Es sieht also alles nach einer klaren Sache aus. Doch Thomas Beck, der zu den torgefährlichsten Stürmern Vorarlbergs zählt, sagt: «Irgendeine Chance gibt es immer. Es wäre zwar vermessen, von einem Sieg zu sprechen, aber wir wollen alles geben, kämpfen, gut spielen und ein gutes Resultat erreichen.

» Oft haben sie das nicht geschafft. 84 ihrer bislang 100 Länderspiele haben die Liechtensteiner verloren. Wenn es jüngst Grund zum Jubeln gab, dann war Beck aber maßgeblich beteiligt: Im Oktober 2004 erzielt er den 2:2-Endstand gegen Portugal, im Oktober 2007 zwei Tore beim 3:0 über Island. «Es kommt nicht oft vor, dass wir gewinnen oder ein Tor schießen. Aber wenn, dann können wir das auch feiern und müssen keine Angst haben, dass es am nächsten Tag in der Zeitung steht», erzählt Beck. Was auch daran liegt, dass es in Liechtenstein nur zwei Zeitungen, einen Radiosender und erst seit August wieder einen Fernsehsender gibt.

In Liechtenstein gibt es laut Beck etwa 25 bis 30 Fußballer, die für die Nationalelf in Frage kommen. Und die kennen sich meist schon seit Kindertagen. Sein Bruder Roger (25) trägt ebenfalls das Nationaltrikot, mit Peter Jehle (FC Tours) oder Ronny Büchel (USV Eschen-Mauren) hat er die ganze Jugend zusammen gespielt. Diese familiäre Atmosphäre ist es, die Beck besonders schätzt. Der Zusammenhalt sei viel größer als der, den er bei seinem Ausflug in den Profifußball erlebt hat. Dort hat er sich nicht wohlgefühlt, ist zurück in den Amateurfußball - und arbeitet nun tagsüber bei einer Liechtensteiner Bank, abends spielt er in Hard. «Ich stehe mit beiden Beinen im Leben», sagt er.

Die Länderspiele, für die er von seinem Arbeitgeber einige zusätzliche Urlaubstage geschenkt bekommt, sind die Höhepunkte. Eine Art Schaufenster, in dem er sich präsentieren kann. Denn so ganz abgeschlossen hat er mit dem Traum vom Profifußball nicht. «Wenn sich eine Chance bietet, dann würde ich sie schon annehmen. Allerdings muss das Verhältnis stimmen. Ich habe teils für ein Butterbrot gespielt und bin drei-, viermal vom Klub übers Ohr gehauen worden», sagt der Stürmer, der schon im Probetraining bei Holstein Kiel und Fortuna Düsseldorf war. Es wäre dem sympathischen 27-Jährigen zu wünschen, dass er den Sprung nochmals schafft. Dann könnte es allerdings etwas schwerer werden, mit ihm wieder in Kontakt zu kommen.

WM-Qualifikation: Länderspiel Liechtenstein - Deutschland, am heutigen Samstag ab 20.45 Uhr live in der ARD

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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