Serie
Eisstockschießen ist eine der ältesten Wintersportarten - Vier Vereine im Bereich Memmingen

Fußball, Eishockey und Handball stehen fast jede Woche im Blickpunkt der lokalen Sportberichterstattung. Weil wir aber auch jene Leistungen würdigen wollen, die nicht so sehr im Fokus der Öffentlichkeit stehen, stellen wir in loser Folge «Randsportarten» vor. Heute geht es ums Eisstockschießen:

Erkheim/Bad Grönenbach Es ist eine der ältesten Wintersportarten überhaupt, wurde erstmals im 13. Jahrhundert in Skandinavien erwähnt und hat eine lange Tradition. Dennoch gehört es - zumindest in unserer Region - zu den Randsportarten: die Rede ist vom Eisstockschießen.

Während es früher im Alpenraum besonders den Bauern und Handwerkern diente, um sich die arbeitsfreie Zeit im Winter zu vertreiben, avancierte der Stocksport immer mehr zu einem beliebten Gesellschaftsspiel. Heute gehört das Eisstockschießen in vielen Ländern Europas sowie in Nord- und Südamerika, Australien, Afrika und Asien neben dem Freizeit- auch zum Leistungssport und wird ganzjährig betrieben - im Winter auf Natur- oder Kunsteis und im Sommer auf Asphalt. Eine olympische Disziplin ist es zwar nicht, aber seit 1953 werden Europa- und seit 1983 Weltmeisterschaften ausgetragen.

In allen deutschen Bundesländern wird der Eisstocksport wettkampfmäßig, von der Kreis- bis zur Bundesliga, betrieben.

Allein im Allgäu gibt es 52 Vereine, davon sind fünfzehn im Landkreis Unterallgäu. Bis vor kurzem waren es mit Bad Grönenbach, Erkheim, Ottobeuren und Buxheim immerhin noch vier Vereine im Bereich Memmingen. Doch während Bad Grönenbach und Erkheim mit je einer Mannschaft sogar in der Oberliga als vierthöchster Liga vertreten sind, haben sich Buxheim und Ottobeuren im vergangenen Jahr vom Verbandsspielbetrieb verabschiedet. Grund dafür sei neben mangelndem Personal hauptsächlich die Verärgerung über die ständig neuen Auflagen und DIN-Vorschriften, die der Verband den Vereinen aufbürde, beklagt Anton Rohrmeir aus Ottobeuren. Es sei den Spielern nicht zuzumuten, laufend neue, verbands-zulässige Stöcke zu kaufen, da kämen schnell bis zu 500 Euro zusammen.

Dennoch sei es schade, denn sowohl in Buxheim wie auch in Ottobeuren habe man schöne Eisstock-Anlagen, sagt Rohrmeir, der einer von 15 aktiven Stockschützen in Ottobeuren ist.

Einmal wöchentlich wird trainiert

Auch Reinhard Harzenetter aus Erkheim bedauert diese Entwicklung. Er gehört zu einer der drei Mannschaften seines Vereins und ist seit 1982 ein leidenschaftlicher Eisstock-Schütze. Leider finde diese Sportart, die er «vor allem auch wegen der Geselligkeit schätzt», sehr wenig Beachtung in den Medien, moniert der Erkheimer.

Speziell im Bereich Memmingen sei es ruhig geworden. Einst habe man mit dem Ausspielen des Landrat-Pokals und beim Fischertags-Turnier (auf Asphalt) auf sich aufmerksam gemacht. Nichtsdestotrotz bleibe er seiner Moarschaft (bedeutet Mannschaft und ist abgeleitet vom bayerisch ausgesprochenen Major: «Moar», also der Kopf der Mannschaft) treu. Einmal wöchentlich werde in Erkheim trainiert, um Kraft und Technik - beides brauche man je zur Hälfte - richtig einzusetzen. Schließlich soll der Eisstock möglichst nahe an die «Daube» und je nach Spiellage auch mal den gegnerischen Stock aus der Bahn schießen.

Im Gegensatz zum Kegeln gibt es keinen An- und Auslauf. Zur Ausrüstung gehört lediglich das entsprechende Schuhwerk, denn ein sicherer Stand ist wichtig zum Abstoßen auf dem sogenannten Standeisen, das in das Eis eingelassen wird. Im Sommer auf Asphalt reichen gute Sportschuhe. Neben Kraft und Technik braucht der Eisstock-Schütze vor allem viel Gefühl sowie Taktik und Raffinesse. «Aber bitte verwechseln sie diesen Sport nicht mit Curling», macht Harzenetter aufmerksam und betont: «Es ist auch kein Altherren-Sport!» Vielmehr gebe es Eisstockschützen in allen Altersklassen, angefangen von den Schülern bis zu den Senioren, versichert der 42-Jährige.

Hierzulande stelle man freilich mit Bedauern fest, dass die Nachwuchsarbeit wenig erfolgreich sei, so Harzenetter, und auch Rohrmeir konstatiert: «Verständlicherweise bietet das Eisstockschießen für Jugendliche zu wenig Action. Aber dennoch ist Deutschland nach Österreich die erfolgreichste Nation der Welt und mit Daniel Ulreich aus Wildpoldsried ein ganz junger Mann aus der Nähe international erfolgreich.»

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