Interview
Dieter Frey über das Derby FC Bayern gegen 1. FC Nürnberg

Herr Frey, worauf freuen Sie sich denn mehr, auf die Herbstferien oder das bayerisch-fränkische Derby? Auf beides. Ich bin gerade im zweiten Jahr meines Referendariats als Gymnasiallehrer. Und das ist schon ziemlich anstrengend. Von dem her tut eine Pause sehr gut. Und das Derby Bayern gegen Nürnberg ist für mich natürlich schon etwas Besonderes, da ich für beide Vereine gespielt habe. Wem gelten denn am heutigen Samstag Ihre Sympathien?

Frey: Ich bin wohl einer der wenigen, die sonst beiden Klubs die Daumen drücken. Aber wenn Nürnberg gegen Bayern spielt, dann bin ich für den Club. Ich wohne schon seit ein paar Jahren in der Nähe von Nürnberg. In meiner Freizeit trainiere ich die Vier- bis Siebenjährigen in der Fußballschule des 1. FC Nürnberg. Und ich bin auch immer wieder mal mit meinen beiden Mädels im Stadion. Die Nähe zum 1. FC Nürnberg ist daher größer. Als Kind war das anders, da waren die Bayern klar mein Verein.

Man wird in München nicht nur als Franke, sondern auch als Allgäuer ein bisschen belächelt. Gibt es eine gewisse Wesensverwandtschaft der Allgäuer und Franken?

Frey: Die sind sich schon ähnlich. Wenn der Allgäuer jemanden ins Herz geschlossen hat, dann richtig, aber es dauert halt ein bisschen. Das ist bei den Franken nicht anders. Ich habe mich als Allgäuer aber auch in München sehr wohlgefühlt.

Wissen Ihre Schüler eigentlich, dass Sie einen Ex-Bayern- und Ex-Club-Spieler als Lehrer vor sich haben?

Frey: Eigentlich sind die Kinder zu jung dafür. Es ist ja schon ein paar Jahre her, dass ich in der Bundesliga gespielt habe. Aber manche stoßen darauf und wissen: Der Herr Frey hat vorher etwas anderes gemacht.

Vom Fußballprofi zum Lehrer – das ist ein ungewöhnlicher Karriereweg. Wie kam es dazu?

Frey: Ich konnte mir das mit dem Lehrerjob schon sehr früh vorstellen. Als ich als 19-Jähriger zum FC Bayern kam, haben meine Kumpels mit dem Studium begonnen, darunter waren auch welche, die Lehramt studiert haben. Ich habe später dann immer wieder mal mit Kindern trainiert und festgestellt, dass mir das viel Spaß macht. Weiter im Fußball zu arbeiten, war kein Thema.

Ist aber eher der normale Weg.

Frey: Ich wollte mal was anderes machen. Das heißt aber nicht, dass ich mir nicht vorstellen kann, im Fußball tätig zu sein.

Zum Beispiel als Jugendtrainer?

Frey: Durchaus denkbar. Den A-Schein werde ich demnächst machen. Wenn dann möchte ich auf jeden Fall im Jugendbereich arbeiten.

Fiel Ihnen die Umstellung vom Profi zum Lehramtsstudenten eher leicht?

Frey: Das war eine gewaltige Umstellung. Ich hatte ja damals schon Kinder und bin oft erst abends zum Lernen gekommen. Um halb elf war dann Feierabend, obwohl ich eigentlich noch länger hätte büffeln müssen. Das Hirn ist wie ein Muskel, du musst beides trainieren. Nach ein paar Monaten lief alles gut.

Sie haben Mathematik und Wirtschaft studiert. Sport wäre doch naheliegender gewesen.

Frey: Ein Sportstudium war wegen meines Knorpelschadens im Knie kein Thema. Ein bisschen Joggen und im Sommer Radfahren – das geht. Aber wenn ich mal Fußball spiele, bekomme ich ein dickes Knie.

Es wird derzeit viel über den psychischen Druck im Profifußball gesprochen. Was hat einen höheren Stressfaktor, vor 50 000 Zuschauern Fußball zu spielen oder als Lehrer vor einer Schulklasse zu stehen?

Frey: Das ist eine schwierige Frage. Der Druck im Profifußball ist hoch. Da ist die Öffentlichkeit, alles was du machst, wird genau beobachtet. Aber in anderen Jobs gibt es ebenfalls Druck, auch im Lehrerberuf. Man geht in die Klasse rein und weiß nicht, ob der Laden läuft.

Helfen Ihnen die Erfahrungen, die Sie als Profifußballer gesammelt haben?

Frey: Auf jeden Fall. Du musst als Profi Interviews geben und lernst, dass du erst darüber nachdenken musst, was und wie du es sagst. Im Lehrerberuf bilden die Kinder und die Eltern die Öffentlichkeit, in der du dich verkaufen musst.

Der 1. FC Nürnberg hat mit Markus Mendler einen jungen Allgäuer in seinen Reihen. Was trauen Sie dem 18-Jährigen zu?

Frey: Markus ist Kapitän der U 19-Nationalmannschaft. Das zeigt schon, dass er was drauf hat. Er ist technisch sehr gut. Ich bin gespannt, wie er sich weiterentwickelt.

Und was trauen Sie heute dem Club gegen die Bayern zu?

Frey: Ein Punkt ist drin. Beim 2:2 gegen den VfB hat der Club zwei Punkte verloren. Aber ich denke, die Jungs haben Selbstvertrauen mitgenommen. Und in München hast du nichts zu verlieren.

Interview: Roland Wiedemann

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