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Allgäu
Diese Pfeifenmänner singen

Schiedsrichtergruppe Südschwaben hat einen eigenen Chor Buchloe/Unterallgäu Ausgepfiffen wurden sie schon das eine oder andere Mal. Beim Sport. Für eine unliebsame Entscheidung auf dem Fußballplatz etwa. Für einen nicht gegebenen Elfmeter oder eine übersehene Abseitsstellung des gegnerischen Angreifers. Aber die Schiedsrichter der Gruppe Südschwaben sind auch Applaus gewohnt. Vorwiegend als Musiker. Seit 13 Jahren sind sie die einzigen Unparteiischen weit und breit, die einen eigenen Chor haben - und so nicht nur pfeifend auf sich aufmerksam machen, sondern auch singend.

Die Idee dazu entstand bei der Weihnachtsfeier der Schiedsrichter. «Wir haben uns gedacht, dass wir auch selber singen und die Feier gestalten können», erzählt Helmut Stoll, Sprecher des Chores und schwäbischer Schiedsrichterobmann. Und seitdem trällern sie Wein-, Volks-, Weihnachts- und Kirchenlieder. Nicht im Stile der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, die sich schon so manchen musikalischen Fehlschuss geleistet hat («Buenos Dias Argentina», «Far away in America» oder «Mexiko mi amor»), sondern ziemlich text- und tonsicher. Zumal klassische Fußball-Lieder wie Franz Beckenbauers «Gute Freunde» oder Radi Radenkovics «Bin i Radi» ohnehin nicht zum Repertoire gehören. Sportlich ist nur die Sängertracht: schwarze Hose, grau-weiß gestreiftes Hemd und in der Brusttasche eine Rote Karte.

Bis zu 2000 Zuhörer

Stoll selbst ist schon fast 40 Jahre lang Schiedsrichter, hat in der Bayernliga vor bis zu 10000 Zuschauern gepfiffen. So viele seien es bei den Auftritten des Chores noch nicht gewesen, räumt er ein. Aber immerhin seien zu einem Konzert schon einmal 2000 Zuhörer gekommen. Und so mancher habe danach angemerkt, die südschwäbischen Schiedsrichter könnten besser singen als pfeifen. Doch dem widerspricht Stoll: «Das stimmt so natürlich nicht.»

Dass die 15 Musiker nicht für falsche Töne verwarnt werden müssen, darüber wacht die einzige Frau im Bunde: Martina Huber. «Sie ist aber keine Schiedsrichterin, sondern Musiklehrerin am Gymnasium in Schwabmünchen», erklärt Stoll. Jeden Mittwoch wird am Können des Chores gefeilt - und alle haben ihren Spaß daran.

Nur eines stört Stoll ein wenig: Dass die Sangesgemeinschaft bei den jüngeren Mitgliedern der Schiedsrichtergruppe nur wenig Anklang findet. «Es ist bei uns leider so, wie bei vielen anderen Chören. Eigentlich machen nur die älteren Kameraden mit», sagt er. Alle Sänger sind über 50 Jahre alt, der Nachwuchs fehlt. Dabei hätten sie in Südschwaben viele potenzielle junge Sänger: 47 Schiedsrichter der Gruppe sind laut Stoll zwischen 14 und 17 Jahren.

Der nächste große Auftritt nach der internen Weihnachtsfeier steht im Frühjahr 2010. Dann gestalten die singenden Schiris in Tussenhausen wieder ein eigenes Konzert und stehen dabei im Rampenlicht. Anders als auf dem Fußballplatz. Denn dort heißt es gewöhnlich: Der beste Schiedsrichter ist der, der nicht auffällt.

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