Der Sekundentod der Joker

Von Stefan Drescher | Grafing So ganz realisiert, was passiert war, hatten es wohl die wenigsten der rund 300 nach Grafing mitgereisten Fans des Eishockey-Oberligisten ESV Kaufbeuren. Betretene Gesichter und Kopfschütteln zierten die Reihen der rot-gelben Anhänger nach Spielschluss.

So manch einem unter ihnen mag angesichts des Gesehenen wohl die Niederlage des FC Bayern München im Champions- League-Finale 1999 in Erinnerung gekommen sein, welche als 'Sekundentod von Barcelona' in die Sportanalen eingegangen ist. Der Sekundentod der Joker am Freitagabend dauerte deren 111.

'Eine Minute vor dem Ende hast du drei Punkte sicher und durch zwei Fehler verspielst du sie wieder. Das ist bitter', so ein niedergeschlagener Mike Bullard nach Spielende. Dass die drei Punkte für den ESVK schon sicher waren, daran hatten wohl die wenigsten der 1000 Zuschauer in Grafing gezweifelt. Der EHC Klostersee zahlte im letzten Drittel den Tribut für eine zwar ausgeglichene aber temporeiche Partie, wirkte mental wie physisch platt und brachte selbst in einer vierminütigen Überzahl kaum mehr Zählbares zustande. In der 58. Spielminute folgte gar der vermeintliche Todesstoß nach einem Konter durch Kaufbeurens Daniel Oppolzer. Klostersee war geschockt, die Kaufbeurer Anhänger feierten. 'Wir haben 59 Minuten gar nicht so schlecht gespielt', so Trainer Ken Latta. 'Aber dann haben wir nur noch zugeschaut.' Das Zuschauen gab sich in der Realität als eine verhängnisvolle Mischung aus kollektiver Lethargie und individuellen Aussetzern.

59 Minuten und 19 Sekunden waren gespielt, als Jonathan Hobson den Kaufbeurer Verteidiger Stefan Mayer düpierte, allein auf Torhüter Christian Baader zulief und zum 3:4 verwandelte. 59 Minuten und 39 Sekunden zeigte die Anzeigetafel, als sich Florian Saller die Scheibe hinter dem eigenen Tor schnappte, das Spielfeld überquerte, von drei Jokern bestaunt in das Kaufbeurer Drittel vorstieß und rund zwei Meter hinter der blauen Linie ungestört zu einem Sonntagsschuss ansetzte, der unhaltbar für Baader im Kreuzeck einschlug.

Strafen schwer nachvollziehbar

Zu allem Überfluss kassierte Kapitän Thorsten Rau zwei Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit noch eine Strafzeit wegen Hakens - eine von mehreren schwer nachvollziehbaren Entscheidungen des Hauptschiedsrichters. In der Verlängerung ging es dann wiederum sehr schnell: Kaufbeuren war sichtlich geschockt, Klostersee hatte die sprichwörtliche zweite Luft bekommen und nutzte die numerische Überzahl nach nur einer Minute zum 5:4-Endstand.

'Wir hatten das Glück auf unserer Seite', versuchte Klostersees Coach John Samanski den kuriosen Spielausgang in Worte zu fassen. 'Im Eishockey you can have Superstars, aber wenn du hast Glück, ist besser', so der Kommentar von Mike Bullard.

Nun ist der ESVK im Kampf um die Play-off-Plätze auf eine Niederlage Klostersees angewiesen. An der Ausgangslage ändere sich jedoch gar nicht so viel, meinte Trainer Ken Latta: 'Es bleibt bis zum letzten Spieltag offen.'

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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