Floorhockey
Der Puck ist hier ein Filzring

Fußball, Eishockey und Handball stehen fast jede Woche im Blickpunkt der Sportberichterstattung. Leistungen, die nicht so sehr im Fokus der Öffentlichkeit stehen, wollen wir in unserer Serie «Randsportarten» würdigen. Heute geht es um Floorhockey:

Memmingen In Deutschland ist diese Sportart noch weitgehend unbekannt. Vier geistig behinderte Mitarbeiter der Unterallgäuer Werkstätten haben im vergangenen Jahr in dieser Disziplin in Idaho in den USA an den «Special Olympics World Winter Games» teilgenommen. Im Gespräch mit der Memminger Zeitung erklären sie und ihr Trainer, was sich hinter Floorhockey verbirgt.

Sieht man sich die Spieler in Aktion an, zeigt sich schnell, dass dieser Sport mit dem Eishockey verwandt ist. Anstatt des typischen Schlägers wird hier allerdings ein Stab mit Filzspitze verwendet, der «Puck» ist ein Filzring und die Eisfläche wird durch einen Kunststoff- oder Parkettboden ersetzt.

2002 spielte die Memminger Mannschaft erstmals bei den Deutschen Meisterschaften in Erfurt mit und hat seither schon viele Erfolge, wie etwa den nationalen Meistertitel, errungen. Für die Menschen mit Behinderung eignet sich der schnelle Sport laut Trainer Günter Schmidt gut: «Er bietet Bewegung, stärkt die Koordination und den Teamgeist. Außerdem gibt es keine komplizierten Regeln.»

Jedes Team ist in drei Blöcke eingeteilt. Jeweils fünf Feldspieler und ein Torwart sind für drei Minuten auf dem Feld, bis der nächste Block eingewechselt wird. Jeder muss mindestens drei- und darf höchstens sechsmal pro Partie spielen. Ansonsten sind die Regeln recht einfach: Der «Puck» darf mit dem Fuß gestoppt, allerdings nur mit dem Schläger gespielt werden. Das Stoppen mit hohem Stock ist verboten. Es ist auch untersagt, den Gegner zu stoßen. Der gegnerische Torraum ist für Angreifer ebenfalls tabu.

Tanju Kaya, einem der Spieler, gefällt vor allem, dass er auf dem Feld taktisch denken muss. «Es ist eben ein schnelles, lebendiges Spiel», so Trainer Schmidt. Aber auch ein teures: Für die Teilnahme an Meisterschaften mussten sich die Unterallgäuer Werkstätten eine genormte Ausrüstung extra aus Kanada, dem Heimatland des Floorhockey, liefern lassen. Zur Ausrüstung gehört neben Schläger und Puck auch allerlei Schutzkleidung - wie beim Eishockey. Und die ist auch nötig, denn laut Schmidt darf man bei diesem Kontaktsport alles andere als zimperlich sein.

Im Februar vergangenen Jahres konnten Kaya und seine Mitspieler Carmen Gohlke, Walter Geiger und Dietmar Roth mit weiteren Spielern aus ganz Deutschland in Idaho zeigen, was sie können. Nach nur einem Training mit dem «Team Deutschland» gewannen sie seinerzeit bei den Special Olympics World Winter Games, den Spielen für Menschen mit geistiger Behinderung, die Bronzemedaille in ihrer Klasse.

«Das war schon überraschend», sagt Roth lachend. Und es sei auch eine tolle Erfahrung gewesen: Die vielen Menschen, die Veranstaltungen und ebenso die schier unglaublichen Sicherheitsvorkehrungen - ganz nach amerikanischen Standards - faszinierten die Allgäuer.

Wahrscheinlich war dieses Drumherum auch der Grund, warum Torfrau Gohlke es am liebsten hatte, wenn der Schiedsrichter das Handtuch aufs Feld warf: Das bedeutete nämlich «Auszeit» und bot Gelegenheit, alles zu beobachten.

Seit geraumer Zeit ruht der Spielbetrieb beim Memminger Team. Wann es wieder eine Mannschaft der Unterallgäuer Werkstätten geben wird, ist laut Trainer Schmidt derzeit noch offen.

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