Sportmedizin
Der Immenstädter Orthopäde Dr. Thomas Illig erklärt, wie sich im Bereich der Adduktoren hartnäckige Verletzungen entwickeln können

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Meist fängt es mit einem Zwicken an der Innenseite des Oberschenkels an, endet mit hartnäckigen Schmerzen und wird landläufig unter dem Begriff 'Adduktorenprobleme' zusammengefasst. Im Fußball treten sie besonders häufig auf.

In unserer Sportmedizin-Serie 'Sprechstunde' erklärt Dr. Thomas Illig, Orthopäde aus Immenstadt, wie diese Verletzung am häufigsten entsteht und wie man sie am besten vermeiden kann.

Was sind die Adduktoren?

Illig: Das ist eine Muskelgruppe auf der Oberschenkelinnenseite. Sie setzt im Bereich des Schambeins an und zieht sich bis zum knienahen Bereich hinunter (siehe Grafik). Die Gruppe besteht aus fünf Muskeln, die nebeneinander in einem Bogen liegen.

Welche Art von Verletzungen kann man sich zuziehen?

Illig: Es wird zwischen akuten und chronischen Verletzungen unterschieden. Eine akute Verletzung wird in drei Schweregrade unterteilt: Die Adduktorenzerrung, der Muskelfaserriss und der komplette Abriss eines Muskels.

Wann treten akute Adduktorenverletzungen auf?

Illig: Bei sportlicher Belastung, bei raschem aktiven Heranführen des Oberschenkels oder beim Abspreizen des Beins - zum Beispiel, wenn der Sportler einen Ausfallschritt macht. Ebenso kann eine länger andauernde Überbelastung des Muskels zu Zerrungen führen.

Woran erkennt ein Hobbysportler, dass die Adduktoren betroffen sind?

Illig: Typisch ist ein plötzlich einsetzender, stechender Schmerz an der Oberschenkelinnenseite.

Welche Sportarten sind besonders gefährdet?

Illig: Die akuten Schmerzen können bei beliebigen sportlichen Betätigungen auftreten, seien es die Ballsportarten oder Skifahren. Oder beim Joggen.

Wie diagnostiziert ein Arzt eine Adduktorenverletzung?

Illig: Entscheidend ist die klinische Untersuchung, also die Untersuchung mit den Händen. Man ertastet eine Verhärtung. Zur Bestimmung der Größe der Verletzung macht bei akuten Verletzungen eine Ultraschalluntersuchung Sinn.

Was sind die ersten Behandlungsschritte?

Illig: Wie bei vielen Sportverletzungen wird in den ersten 48 Stunden das PECH-Schema angewandt: Pause, Eis, Compression und Hochlegen. Anschließend kann man mit vorsichtigem Dehnen beginnen. Eine Massage sollte nur in sehr eingeschränktem Umfang angewandt werden.

Wann kann man nach einer akuten Verletzung wieder Sport treiben?

Illig: Klassische Zerrungen oder Muskelfaserrisse sollten spätestens nach sechs bis acht Wochen verheilt sein. Ich empfehle, die Belastung langsam zu steigern. Sobald es schmerzt, sollte man aufhören.

Wie entstehen chronische Verletzungen?

Illig: Es sind überlastungsbedingte Veränderungen, die den Sehnenansatz am Schambein betreffen. Sie sind sehr hartnäckig und lang anhaltend.

Wie geht man bei chronischen Adduktorenproblemen vor?

Illig: Die Behandlung liegt im Ermessen des Arztes. Wichtig ist, andere mögliche Ursachen wie Hüftgelenksprobleme oder einen Leistenbruch abzuklären und auszuschließen. Eine weiterere Behandlungsmöglichkeit ist Krankengymnastik, um ein muskuläres Ungleichgewicht in den Griff zu kriegen. Zudem besteht die Möglichkeit, muskellockernde Medikamente einzunehmen.

Wie lange muss man bei chronischen Adduktorenverletzungen pausieren?

Illig: Da gibt es eine sehr große Bandbreite. In der Regel drohen mehrere Monate Pause, aber auch eine Ausfalldauer bis zu einem Jahr ist möglich.

Inwieweit ist die Bewegungsfähigkeit beeinträchtigt?

Illig: Bei akuten Verletzungen ist manchmal eine komplette Entlastung des Beines erforderlich. Es kann aber auch sein, dass man rasch wieder normal laufen kann. Bei chronischen Verletzungen gilt im Prinzip dasselbe.

Wann droht eine Operation?

Illig: Eine Operation ist nur selten notwendig. Ein großer Muskelfaserriss oder ein kompletter Abriss eines Muskels kann eine Operation notwendig machen.

Wie kann man einer Adduktorenverletzung entgegenwirken?

Illig: Das Wichtigste ist ein ausreichendes und intensives Aufwärmprogramm vor dem Sport. Das gilt jedoch nicht nur für die Adduktoren, sondern vor allem auch für deren Gegenspieler, die Abduktoren, und für die restliche Muskulatur.

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