Ski alpin
«Den 12. Februar hab ich mir mal freigehalten»

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Freitagabend um 22.30 Uhr war seine Welt noch in Ordnung. Freudestrahlend verschickte Tobias Stechert zahlreiche SMS. Ein überglücklicher Oberallgäuer eben. Was passiert war? Sein Lieblingsverein in der Fußball-Bundesliga hatte gerade 3:1 gewonnen und war der Meisterschaft ein ganzes Stück näher gekommen - Borussia Dortmund. Samstagnachmittag gegen 15 Uhr hatte die Realität den 24-Jährigen wieder eingeholt. Um läppische fünf Hundertstel Sekunden hat er wichtige Weltcuppunkte auf der ehrwürdigen, über vier Kilometer langen Lauberhorn-Abfahrt verpasst, Rang 31: «Ein ziemlicher grober Fehler im Kernen-S hat viel Geschwindigkeit gekostet, sonst wäre Platz 25 drin gewesen.» Dazu der Schock: Stephan Keppler, der zuletzt so erfolgreiche Teamkollege, hat sich nach einem Sturz in eben jenem heiklen Kernen-S schwer verletzt und muss die WM-Saison abhaken.

Tobias Stechert weiß genau, was das bedeutet. «Ich hoffe, dass er schnellstmöglich wieder fit wird,» sagt er, immer im Hinterkopf, dass es kaum ein eigenes Körperteil gibt, welches er selbst noch nicht hat behandeln lassen müssen. Zuletzt hatte er sich nach einem Kreuzbandriss zurückgekämpft, eine Saison pausiert, ehe dann im Frühjahr 2010 die Vorbereitungen auf den WM-Winter begannen. Zum ersten Mal durfte er im Sommer mit nach Chile, zum sogenannten Speed-Training - also die Kurse für die Abfahrer. «Das waren drei perfekte Wochen. Wir konnten 19 Tage Skifahren, davon habe ich extrem profitiert», berichtet der Hobby-Fußballer aus Fischen. Konsequenz: In Gröden kam Stechert als 19. schon in die Nähe der WM-Qualifikation.

Um in Garmisch-Partenkirchen dabei zu sein, muss er zwei Mal unter die besten 15 oder ein Mal unter den besten Acht in einem Weltcup-Rennen fahren. «Den 12. Februar (Tag der WM-Abfahrt, die Red.) habe ich mir mal freigehalten», lacht Stechert. Und seine Chancen dabei zu sein sind auch gar nicht so schlecht. «Natürlich denken wir über den Tobias nach», sagt Tom Aschauer, Stecherts Disziplintrainer, «aber er muss in den nächsten Rennen noch was zeigen.»

Packt er es, dann wären die Stecherts neben den Riesch-Schwestern das zweite Geschwisterpaar im Aufgebot des DSV für Garmisch. Denn Schwester Gina hat die Kriterien ja bereits erfüllt. Das familien-interne Duell im Weltcup hat Tobias jetzt erstmals zu seinen Gunsten entschieden, als er in Gröden 19. wurde, Gina gleichzeitig in Val dIsere aber auf Rang 22 landete.

«Wir machen da untereinander ein bisschen Spaß», erzählt der Stabsunteroffizier bei der Sportfördergruppe Sonthofen. «Natürlich wäre es mir lieber gewesen, wenn sie weiter nach vorne fährt. Aber vielleicht muss sie sich in Zukunft an Derartiges gewöhnen »

BVB-Jugendstil als Motivation

Nach dem Keppler-Schock vom Wochenende gilt jetzt aber die volle Konzentration der eigenen Leistung. Knapp vier Wochen sind es noch bis zur WM-Abfahrt. «Nur nicht darüber nachdenken», sagt Tobias Stechert, «denn das könnte mich blockieren.» Dann doch lieber sich an den Ergebnissen «seiner» Dortmunder erfreuen. Schließlich haben die mit ihrem frischen «Jugendstil» großartigen Erfolg. Könnte Motivation genug sein für die kommenden Aufgaben.

 

Tobias Stechert vom Skiclub Oberstdorf verpasste auf der Lauberhorn-Abfahrt von Wengen auf Rang 31 zwar erneut die WM-Qualifikation, doch die Heim-WM in Garmisch-Partenkirchen hat der 24-jährige Fischinger noch nicht abgehakt. Foto: imago

 

Tobias Stechert

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