Fußball
Bundesliga-Schiedsrichter hält Videoschulung im Oberallgäu

Ein Gasthaus. Der Video-Beamer wirft ein Fußball-Spiel an die Leinwand. Davor sitzen ein paar Dutzend Jugendliche und Männer – und eine Frau. Zwischenrufe: 'Das kann er pfeifen', 'niemals Abseits' oder 'Jetzt muss er über Gelb nachdenken'. Im Grunde nicht außergewöhnlich. Doch dann steht das Bild. Der Filmvorführer blickt fragend in die Runde. "Wem ist etwas aufgefallen?" Die Frage kommt von Bundesliga-Schiedsrichter Robert Hartmann (32). Vor ihm sitzen Kollegen der Schiedsrichtergruppe Kempten-Oberallgäu. Es läuft der monatliche Lehrabend der Gruppe.

Hartmann – er pfeift für den SV Krugzell – fand Zeit, um seinen Kollegen eine Video-Schulung und Tipps zu geben. Er hatte den Film vom Spiel der 2. Bundesliga zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und FC Carl Zeiss Jena vom Dezember 2007 mitgebracht. Schiedsrichter der Partie: Robert Hartmann.

Aufgabe der Kollegen ist es, die Spieler und das Schiedsrichter-Team zu beobachten, sich Notizen zu machen und Auffälligkeiten herauszuheben. Alle paar Minuten wird der Film angehalten, jede Entscheidung von Hartmann auf die Goldwaage gelegt.

Ganz normales Beinstellen

'Das hätte ich nicht gepfiffen', heißt es. Oder: 'Ist das nicht ein Nachschlagen?' Die Antwort von Hartmann: 'Nein, da war nix. Ganz normales Beinstellen,' sagt der Oberallgäuer Bundesliga-Schiedsrichter zur Szene, in der mal wieder Axel Bellinghausen foult. Jener Verteidiger, damals für Kaiserslautern aktiv, sei einer der sogenannten 'Ankerspieler', die man in jeder Partie im Auge haben müsse, so Hartmann. Nach dem angesprochenen Foul nimmt sich der Schiri den Spieler vor. Eine Ermahnung, für alle im Stadion sichtbar. Hartmann an die Adresse seiner Kollegen: 'Ihr müsst Zeichen setzen.'

Ein Schlagwort, das in der zweistündigen Sitzung immer wieder fällt, ist 'Spielcharakter'. Zahl der Fouls, Intensität der Zweikämpfe, Gestik der Spieler, Reaktionen der Trainer, Spielstand – alles Indikatoren, die Schiedsrichter stets im Blick haben und ihren Stil entsprechend anpassen müssten. Problematisch werde es immer, wenn Hektik aufkommt.

Das passiert in jener Zweitliga-Partie lange nicht. Kaiserslautern führt zur Pause 2:0. Doch Jena dreht den Spieß um. Es wird unruhiger. Hartmann ist gefordert. Er verteilt mehrere Gelbe Karten und hat die Partie, die Jena noch 3:2 gewinnt, dadurch im Griff. Seine Schiri-Kollegen geben ihm gute Noten.

Eine heiß diskutierte Szene gibt es auch: Strafstoß für Lautern beim Stand von 2:1. Jenas Torhüter Kraus klärt den Schuss von Runström zur Ecke. Bei der Ausführung hält Hartmann den Film an. Sechs oder sieben Spieler stehen im Strafraum, der Torhüter viel zu weit vor der Linie. Mehrere Vergehen auf einmal. Was tun? 'Streng nach der Regel ist das Wiederholung', glaubt ein Beobachter.

Für Hartmann ist das ein klarer Fall: 'Der schießt vor der eigenen Fankurve. Trifft er nicht, darf er sich einiges anhören. Niemand wird hier Wiederholung fordern.' Für moderne Schiedsrichter gelte immer: 'Pfeift clever und macht euch keine Baustellen auf!'

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