Fußball-Regionalliga
Baldriantropfen fürs turbulente Finale

Regionalliga-Fußballer sind mitunter aus hartem Holz geschnitzt. Beispiel Stefan Pfohmann. Da klebte dem Kapitän des FC Memmingen nach dem 1:1 (1:0) gegen den SV Darmstadt 98 vor über 2300 Zuschauern (und einer Hundertschaft der Polizei) noch das Blut unter und neben dem linken Auge, der Doktor wartete bereits in der Kabine, um ihm die klaffende Wunde zu nähen, doch was machte dieser Pfohmann, anstatt gleich zur Behandlung zu eilen? Er lief zunächst in die Ecke mit den treuen Fans, um Dank zu sagen für die Unterstützung und nahm sich dann noch für unsere Zeitung die Zeit zu einer Kurzanalyse, die da lautete: «Der Punkt gegen diesen Gegner ist fast zu wenig. Andererseits müssen wir wohl zufrieden sein mit dem Unentschieden.»

Was nun? Ein gewonnener Punkt oder zwei verlorene Zähler? Die meisten in der Memminger Arena, in der nicht nur wegen der lautstarken, aber friedlichen Darmstadt-Fans ordentlich Stimmung herrschte, dürften zum gleichen Schluss gekommen sein wie Pfohmann. Sowohl als auch: Die Hausherren diktierten im ersten Abschnitt das Geschehen und führten folgerichtig durch einen verwandelten Elfmeter von Andreas Maier (34.) mit 1:0 (Ejnar Kahric war von Boris Kolb zu Fall gebracht worden).

Wackelige Abwehr

In den zweiten 45 Minuten waren die Gäste am Drücker, glichen nach Direktabnahme von Oliver Heil (62.) aus, verschossen einen Elfmeter (Yannick Stark traf nach 78 Minuten nur die Latte) und mogelten sich in der Schlussphase wiederholt über die rechte Seite durch eine immer wackligere FCM-Abwehr.

Macht unterm Strich folgerichtig eine Punkteteilung, die allerdings Trainern und Zuschauern reichlich Nerven kostete. Oder positiv formuliert: In der Schlussviertelstunde dieser Regionalliga-Partie lieferten sich die Akteure einen packenden und offenen Schlagabtausch mit hochkarätigen Torchancen hüben wie drüben.

Jedenfalls stöhnte Memmingens Oberbürgermeister Ivo Holzinger hinterher: «Das hat teilweise mehr Nerven gekostet als die tägliche Arbeit.» Immerhin ist der Mann seit 30 Jahren im Amt und damit dienstältester OB dieses Landes.

Auch Esad Kahric, Trainer der Allgäuer, hätte man am liebsten ein Fläschchen mit Baldriantropfen gereicht in diesen turbulenten letzten Minuten. In dieser Phase bemängelte er die fehlende Ordnung, gerade beim Gegentreffer. Gleichwohl zog er dieses Fazit: «Wir haben ein gutes, offenes Spiel gesehen und dürfen mit dem Punkt zufrieden sein.

Man darf nicht vergessen, dass wir ohne unsere Stürmer Candy Decker und Andreas Hindelang spielen mussten.» Der etatmäßige FCM-Angriff liegt noch immer verletztungsbedingt auf Eis, wobei Decker immerhin vor einigen Tagen mit Lauftraining begonnen hat.

Sonderlob für Mangler

Maximilian Knuth und Andreas Maier vertraten die beiden. «Ihre Laufwege», analysierte Kahric, «sind aber noch nicht einstudiert.»

Immerhin brachte Christoph Mangler die Gästeabwehr wiederholt ins Schwitzen, erntete vom Trainer ein Sonderlob und ärgerte sich über vergebene Großchancen kurz vor dem Ende: «Da hätte ich treffen können. Schade, dass es nicht geklappt hat. Aber ich denke, wir können zufrieden sein mit dem Punkt.»

Womit er wiederum einer Meinung war mit seinem Kapitän.

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