Kaufbeuren
Aberglaube, Kässpatzen und der Sinn von Statistiken

Es gibt einige Merkmale, die typischerweise Eishockey-Torhüter beschreiben: Fanghand, Stockhand, Maske und Aberglaube. Thomas Tragust macht da keine Ausnahme. «Ich habe vor jedem Spiel ein festes Ritual, bei dem immer jeder einzelne Handgriff gleich abläuft», verrät der 23-jährige italienische Nationaltorwart, der in der kommenden Zweitliga-Saison das ESVK-Tor hüten wird.

Knapp drei Stunden von seinem Heimatort Schlanders in Südtirol entfernt, hat Tragust seine Zelte Anfang August in Kaufbeuren aufgeschlagen. Es mag an den Parallelen der Mentalität von Südtiroler und Bayern liegen, dass die Umstellung auf das neue Umfeld reibungslos funktioniert hat. «Ich fühle mich seit dem ersten Tag sehr wohl in Kaufbeuren. Ich mag dieses kleine Städtchen und die Menschen», so Tragust. Emotionale Nähe zu einem Aushängeschild des Freistaats hat «Tschomby», so ist sein Spitzname, seit vielen Jahren: «Ich bin früher einige Male pro Jahr mit einem Südtiroler FC Bayern München-Fanklub zu Spielen ins Stadion gefahren.» In der Serie A schlägt sein Herz für Inter Mailand.

Vor jedem Spiel aufgeregt

Da er mit der Muttersprache Deutsch aufgewachsen ist, gibt es keinerlei Kommunikationsschwierigkeiten. «Ich fühle mich aber schon als Italiener. Immerhin spiele ich ja für das Nationalteam und beherrsche die Sprache auch mittlerweile fließend», so Tragust, den die Atmosphäre beim ersten Eistraining («Das ist eine Extra-Motivation») schwer beeindruckt hat. Auch wenn er eine unglaubliche Ruhe ausstrahlt, ist Tragust vor jedem Spiel noch richtig aufgeregt: «Das muss so sein. So weiß ich, dass ich voll bei der Sache bin.»

Neben einem starken Rückhalt brauchen die Joker aber auch in der Offensive Durchschlagskraft.

Tragust verrät, dass ihm besonders zwei Schützen im Training das Leben schwer machen: «Mats Lindmark hat einen echten Hammer und Jordan Webb einen fiesen Schuss, der genau weiß, wo er hin muss.»

Persönlich nimmt sich Tragust vor, so viel und so konstant wie möglich zu spielen. «Ich schaue nicht so gerne auf Statistiken. Der Erfolg mit der Mannschaft ist entscheidend», sagt der Südtiroler, der bei der vergangenen B-WM eine unglaubliche Fangquote von 98 Prozent, in vier Spielen drei Shut-outs und den Aufstieg mit Italien feiern konnte. «Na gut: Diese Statistik schaue ich schon gerne an», gesteht er lachend.

In der kulinarischen Statistik steht es derzeit 1:0 für das Allgäu. «Einfach hervorragend», lautet das Urteil nach Tragusts Kässpatzen-Premiere. Mit einem typischen Südtiroler Leckerbissen - Spaghetti fatto in casa - will sich der Italiener revanchieren: «Das werde ich mal für meine Teamkollegen kochen.»

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