Rüstig
80-jähriger aus Opfenbach beim Marathon in Berlin

18-mal hat er in den vergangenen 25 Jahren den Marathon in der Bundeshauptstadt durchgestanden. Zuletzt 2008. Eine Operation stoppte Reinmar Braiger auf dem Weg zum 20. Berlin–Marathon. Heuer will er wieder teilnehmen, Ende September, im Mekka der Läufer, 'wenn ich gesund bleibe', schränkt er ein. 42,195 Kilometer, mit 40 000 anderen Teilnehmern. Und möglichst in weniger als fünfeinhalb Stunden, um in die Wertung zu kommen. Braiger ist 80 Jahre alt und er sagt: 'Laufen befreit.'

Der gebürtige Oberfranke, den es nach dem Krieg zuerst nach Lindau dann nach Wangen verschlug ('Da lernte ich meine Frau kennen') leitet seit einem Vierteljahrhundert den Lauftreff in Opfenbach, von April bis September.

Erst als Mittfünfziger begann sich der leidenschaftliche Skifahrer für den Marathon zu interessieren. 'Eine Strecke von Wangen nach Lindau und zurück', rechnet er vor. Inzwischen hat er an die 25 Läufe absolviert, darunter Frankfurt, Dortmund und Hamburg.

Für den gelernten Industriekaufmann, der vor der Pensionierung Jahrzehnte bei der Schwäbischen Zeitung in der Personalabteilung beschäftigt war, ist der Marathon 'die schönste Quälerei, die ich kenne.' Für ihn bedeutet Laufen schlicht 'Freude an Bewegung.'

Den ersten Test für Berlin hat er mit Bravour gemeistert. Im vergangenen Herbst lief der Genesene den Halbmarathon am Bodensee von Lindau nach Bregenz, in zwei Stunden, 51 Minuten. Erster Platz in seiner Altersgruppe.

Braiger nennt sich einen 'Erfahrungsläufer', der weiß, wie er mit seinen Kräften haushalten muss. Primär sei, 'ein Wohlfühltempo' zu finden. Seine Besonnenheit zeigt sich auch darin, dass er das Skifahren 'aus Angst vor Brüchen' aufgegeben hat. Nur die wöchentliche Skigymnastik will er nicht missen.

Sein Trainingsprogramm ist keineswegs spektakulär, aber regelmäßig. Im Winter geht er einmal die Woche zum Nordic Walking in der Gruppe und einmal, sonntags, läuft er für sich allein, knapp zehn Kilometer. Das reicht ihm heute. In den Sommermonaten kommt montags der Lauftreff in Opfenbach dazu. Früher, als er den Marathon noch deutlich unter vier Stunden meisterte, war das Trainingspensum natürlich höher. Und Laufen wohl eher eine Droge Vier Wochen vor dem Wettkampf läuft er eine 30-km-Strecke. 'Wenn du die durchstehst, dann schaffst du auch den Marathon', lautet seine Grundregel. Danach, rät er Neulingen, sollte man Kräfte sammeln und die letzten zwei Wochen 'fast nicht mehr trainieren'.

Beim Lauf selbst 'darf es einem nichts ausmachen, wenn man überholt wird', mahnt Braiger. Essen kann er dabei nichts; trinken sei am wichtigsten, alle fünf Kilometer an den Versorgungsstellen. Die Tochter wohnt an der Strecke. Am Haus will er noch einmal vorbeilaufen, mit der Startnummer 548. Die darf nur er tragen. Das Vorrecht als Mitglied des Jubilarclubs. 'Laufen hält mich jung' stellt Braiger fest. Womit er augenscheinlich recht hat.

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