Allgäu
Wildern, erpressen, Schule schwänzen

Der Mann war flink wie ein Wiesel. Schlug Haken nach rechts und nach links. Entkam durch die Hintertür, als die Polizisten das Gebäude von vorne stürmten. An diesem 5. März 1901 aber saß Mathias Kneißl fest. Ein zuvor stets geschickt Flüchtender war in der Falle. Und deutlich in der Unterzahl. Denn Räuber Kneißl verschanzte sich an diesem Tag auf einem umstellten Bauernhof ganz alleine. Ihm gegenüber standen 150 Polizisten, bewaffnet bis unter die Zähne. Sie bekamen den Befehl, alle Patronen auf das Gebäude abzufeuern. Der musste sich mit lebensgefährlichen Verletzungen dem Kugelhagel beugen. Aber er überlebte, sodass dem meist gesuchten Räuber Bayerns doch noch der Prozess gemacht wurde. Am 21. Februar 1902 starb der «Schachenmüller-Hiasl», wie man ihn auch nannte: Das Fallbeil trennte Kopf vom Körper.

Tragisches Ende einer bewegten Lebensgeschichte, die heute noch u.a. in Theaterinszenierungen nacherzählt wird. Am 6. Januar gastiert die Volksbühne Füssen mit dem Stück «Mathias Kneißl - Bayerischer Volksheld» im Festspielhaus.

Mathias Kneißl war in den Köpfen vieler Menschen nicht nur ein gemeiner Räuber, sondern ein Robin Hood, der sich im Namen der Armen gegen die ungeliebte Obrigkeit aufgelehnt hatte.

Sicherlich, der Sohn armer Wirtsleute verbrachte kein Leben in geregelten Bahnen. Der jugendliche Mathias wilderte, raubte und schwänzte die Schule. Doch damals, als er 1875 in Unterweikertshofen das Licht eines lausigen Lebens erblickte, herrschte beim einfachen Volk oft Not und Elend. Um den hungrigen Magen zu füllen, musste mancher die Grenzen des Erlaubten überschreiten.

Staat und Volk, das war auf dem bayerischen Land ein Verhältnis wie Hund und Katz, und tauchte in einem oberbayerischen Dorf ein Gendarm auf, dann wurde nicht unbedingt mit offenen Armen aufgenommen. Die Stimmung war aufgeheizt.

Schon früh verlor Mathias Kneißl seine Eltern und war mit seinen Geschwistern auf sich alleine gestellt. Er vagabundierte, stahl und wurde in Schießereien verwickelt. Die lupenreine Karriere eines Räubers, und doch waren ihm Sympathien vieler Menschen sicher. Denn einerseits entpuppte sich Mathias Bruder Alois als der viel gewalttätigere Bursche. Andererseits versuchte Mathias Kneißl immer wieder, auf den rechten Weg zurückzufinden.

Der «Schachenmüller-Hiasl» avancierte schließlich zu einem Volkshelden, der die Courage hatte, sich gegen die hohen Herren und die Staatsmacht aufzulehnen. Der mit ihnen ein monatelanges Räuber-und-Gendarm-Spiel veranstaltete und am Ende nur durch einen Verrat geschnappt werden konnte.

Karten für die Theateraufführung am 6. Januar (20 Uhr) im Festspielhaus Füssen u.a. bei den Geschäftsstellen unserer Zeitung.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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