Kempten / Memmingen
Wie die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen

«Das Spucktuch hat uns bewegt herzukommen», erzählen Martina und André Mayer aus Altusried. Sie meinen das bunte Tuch, das der kleine Luis Laurin auf einem Foto über den Kopf gelegt hat. Das Foto, das auf Plakaten der ganzen Stadt auf die Typisierung für den leukämiekranken Luis aufmerksam macht. «Wir haben das Gleiche für unsere 13 Wochen alte Tochter Abelina gekauft. Als wir das Bild gesehen haben, war klar: Wir müssen dort hin». Die jungen Eltern sind nur zwei der insgesamt 2750 Freiwilligen, die sich bei der großen Typisierungsaktion am Samstag in Kempten für die Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) registrieren ließen.

«Für mich ist das doch nur ein kleiner Piks und ich finde es selbstverständlich, dass ich heute hier bin», sagt der Kemptener Frank Huber, während er noch den Tupfer auf den Einstich in der Armbeuge drückt, «wenn ich in der Situation wäre, wäre ich auch froh, wenn mir die Leute helfen würden», sagt der 20-Jährige. Es sind auffällig viele junge Menschen (Durchschnittsalter 32 Jahre), die sich an diesem Advents-Samstag geduldig in die Schlange reihen und bis zu 30 Minuten warten, bevor sie sich von einem der knapp 70 Helfer die 2,5 Milliliter Blut abnehmen lassen können. Ein Fingerhut voll, der vielleicht das Leben von Luis oder einem anderem Kranken, der auf eine Knochenmarkspende wartet, retten kann.

Nur ein genetischer Zwilling

Dass die Typisierungsaktion im Namen eines sechs Monate alten Kindes stattfindet, weckt viel Mitgefühl in den Menschen. «Ich habe selbst drei Kinder und mein Kleinster heißt auch Luis. Da ist es doch klar, dass ich hier her komme», sagt Manuela Jauchmann aus Marktoberdorf. «Es kommen auffällig viele Eltern, die selbst Babys in Luis Alter haben», beobachtet auch Manuela Ortmann, Aktionsorganisatorin der AKB. Sie ist positiv überrascht über den Andrang, weiß aber trotzdem, wie die Chancen wirklich stehen. Ihrer Meinung nach gibt es nur einen genetischen Zwilling für jeden auf der Welt. «Es ist wie die Nadel im Heuhaufen. Aber hoffnungslos ist es nie», sagt Ortmann während ihrer kurzen Pause, in der sie bei einer Suppe neue Kraft für die nächsten Stunden tankt.

Blutabnahme im Minutentakt

An den insgesamt 31 Plätzen zur Blutabnahme herrscht ein Wechsel im Minutentakt. Die Räume riechen nach Desinfektionsspray. Routiniert versorgt die freiwillige Helferin Birgit Erte vom Blutspendedienst des Roten Kreuzes einen potenziellen Lebensretter nach dem anderen - immer mir einem Lächeln auf den Lippen. Sie ist extra aus Rott am Lech gekommen. Ob es nicht anstrengend sei, dieses Pensum sechs Stunden durchzuhalten? «Nein, mir macht das gar nichts aus, ich mache das gerne», lacht sie. «Frau Erte ist die Beste im Blutabnehmen», sagt Gerhard Simion vom Roten Kreuz in Kempten.

Der Selbstversuch bestätigt es: Kaum die Augen ängstlich zugekniffen - Simion hält auch mal aufmunternd die Hand - sagt Erte «Schon fertig», und ehe man sich versieht, ist man eine Nummer mehr in der großen Datenbank. Simion bedeutet die Typisierungsaktion sehr viel. Vor zwei Jahren fand auch für seinen schwer kranken Sohn eine solche Aktion statt. Doch für den 25-jährigen Jürgen ist bis heute noch immer kein Spender gefunden. «Natürlich hoffe ich, dass nicht nur für Luis sondern auch für meinen Sohn ein Spender gefunden wird. Man darf die Hoffnung nie aufgeben», sagt er.

In Memmingen strömten gestern die Menschen ebenfalls massenweise zur dortigen Typisierungsaktion. Auch dort waren die Veranstalter von dem großen Andrang überrascht. Insgesamt kamen 2100 Menschen. «Mich hat das Schicksal des kleinen Luis berührt, weil meine Mutter selbst ein Spenderorgan hatte. Es wurde leider nicht angenommen», sagte Tatjana Okkert (32) aus Memmingen. «Mein Sohn Julian ist der Grund, warum ich hier bin. Wenn er so etwas hätte, wäre ich auch froh, wenn jemand spenden würde», sagte Volker Brehm (39) aus Memmingen. Julian ist neun Monate alt.

Das Spendenkonto:

Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern, Dresdner Bank, BLZ: 70080000, Kontonr.: 0977704002 (Hinweis: Möglicherweise erscheint gerade bei Online-Überweisungen als Bank die Commerzbank. Die Kontoangaben sind dann nicht falsch. Die Dresdner und die Commerzbank fusionierten derzeit

Weitere Infos im Internet unter: www.hilfe-fuer-luis.de und www.akb-germany.de

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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