Kempten
Spaß mit ergrauten Rock-Helden

Da war ein Weihnachts- Paket geschnürt, das das Herz eines Rockfans einfach höher schlagen lassen musste: Uriah Heep, Manfred Manns Earth Band und Sweet. Der Dreierpack begeisterte - abgesehen von einem Durchhänger bei Manfred Mann - ausnahmslos. Gerade Uriah Heep zeigten den rund 1500 Fans in der Big Box in Kempten - mit nicht übertrieben routinierter Klasse - wo der Hardrock-Hammer hängt.

«Wir sind noch immer da, wir haben noch immer Spaß», ruft der bestens gelaunte Frontmann Bernie Shaw. Mit seiner schalkhaften Art erobert der kleine blonde Sänger schnell die Zuschauerherzen. Der gestandene Rocker macht reichlich Dampf auf der Bühne und trifft selbst hohe Töne wie in «July Morning» scheinbar mühelos. Beachtlich ist die Frische, mit der die Band nach über vierzig Jahren Geschichte und 150 Auftritten im Jahr heute noch musiziert. Dieser ungebremste Enthusiasmus, als ob es ihr letzter Auftritt wäre.

Zurück zu Sex und Rock n Roll

Auch der schwer ergraute, 62-jährige Gitarrist Mick Box war zu Scherzen aufgelegt und entführte mit britischem Humor «Zurück in eine Zeit, als wir noch schwarze Haare hatten (aber egal, wir haben noch Haare), in eine Zeit von Sex, Drugs und Rock n Roll (und ich bin immer noch hier)». Einen außerordentlich vitalen Stil am Bass führt Trevor Bolder vor, der seit 1976 bei Uriah Heep an Bord ist und den Viersaiter schon 1972 auf David Bowies legendärer Ziggy-Stardust-Tournee bediente. Uriah Heep gehört zu den Bands, die stets bemüht sind, ihr Programm zu entschlacken und durch frische Songs anzureichern. Alte («Bird of Prey»), neue («Wake the Sleeper») und live bislang wenig gespielte Stücke («Free and easy») ernten stürmischen, die ergreifende Pianoballade «Rain» warmen Applaus. Und vor der «Lady in Black» gibt es auch in Kempten kein Entrinnen.

Zuvor hatten Manfred Mann und seine Earth Band mit dem neuen Sänger Peter Cox eine etwas müde Vorstellung abgeliefert. Fast zwangsläufig zieht man Vergleiche zu den markanten Stimmen seiner Vorgänger, Chris Thompson und zuletzt Noel McCalla. An deren Intensität und Schärfe kam Cox nicht heran. Wie immer verschanzte sich Manfred Mann hinter seinen Keyboard-Türmen und entließ gelegentlich ein Solo in den Raum.

Wenngleich Sweet, die erste Band des Abends, schwer unter Oldie-Kapellen-Verdacht steht, war die Stimmung rasch oben. Die Männer um Gitarrist Andy Scott transportierten ihre alten Hits wie am Fließband ins Publikum, das zu «Love is like Oxygen», «Action» oder «Ballroom Blitz» begierig aufsaugte und freudig abfeierte. Sweets Markenzeichen, die mehrstimmigen, hohen Tonlagen, kamen noch immer erstaunlich präzise.

Die angenehme, für Rockverhältnisse fast zu gedrosselte Lautstärke tat der Stimmung keinen Abbruch. Dass sie angesichts der alten Heroen nicht überkochte, war sicherlich dem ebenso gesetzten Rock-Publikum geschuldet.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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