Allgäu
Schon als Bub genoss er den Auftritt im Rampenlicht

Das Elternhaus hat ihn geprägt, keine Frage. Vater Jazzpianist, Mutter Tänzerin. In dieser Umgebung fallen eher selten Sätze wie: «Mein Sohn, dass du mir ja etwas Anständiges lernst.» Roger Marcel Cicero Ciceu hatte quasi den Segen von oben, als es ihn bereits mit elf Jahren hoch auf die Bühne zog. Gut möglich, dass ihm die Eltern sogar anerkennend auf die Schulter klopften. Immerhin trat er im Vorprogramm der gebürtigen Allgäuer Chansonsängerin Helen Vita auf.

28 Jahre später. Aus dem Buben ist tatsächlich ein namhafter Künstler geworden. Einer, der auf vielen Hochzeiten tanzt. Die Musik ist für Cicero, der fünf Jahre lang in Amsterdam Jazzgesang studierte, die eine Sache. Eine andere ist die Schauspielerei. 2008 feierte er sein Debüt vor der Kamera, im letzten Jahr spielte er im Film «Hilde» an der Seite von Heike Makatsch einen Musiker.

Roger Cicero hat es geschafft, er ist ganz oben in der Musikbranche und füllt große Konzertsäle. In Kempten ist er am 29. Januar (20 Uhr) in der Big Box zu hören. Wenn man ihn das erste Mal auf der Bühne erlebt, ist man allerdings zunächst ein wenig erstaunt. Denn der gebürtige Berliner passt so gar nicht in jene Schublade, in die man deutsche Popmusiker in diesen Tagen ohne lange zu überlegen einsortieren kann.

«Ich mag keine bis ins letzte Detail vorbereiteten Performance-Shows», bekennt der Sänger. Er nennt seine Auftritte und die dazugehörige Musik eher handgemacht. Aus dem Bauch und einem entsprechenden Gefühl heraus präsentiert. «Es ist schön, mit den Leuten im Publikum zu plaudern», sagt Roger Cicero, und selbst über Zwischenrufe kann sich einer wie er nicht aufregen. Im Gegenteil. Das, glaubt er, lockere einen Konzertabend eher auf.

Roger Cicero, bei der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 2007 mit dem Song «Frauen regiern die Welt» auf Rang eins gelandet, ist eine ganz eigene Type, wenn er so auf der Bühne steht, die rechte Hand lässig am Mikrofon, den schlichten Hut auf dem Kopf und einem Blick, der eher zu einem Versicherungskaufmann passen würde. Ein unspektakulärer Künstler, dem alleine die Musik wichtig ist.

Ohne Schnickschnack, ohne künstliches Lifting. Er selbst hat sich in einem Interview mal als «Handwerker» bezeichnet ohne Superkräfte, der sich aber mit großer Beharrlichkeit seinen Erfolg erarbeitet. Und der die Leute letztlich mit seinem Können zu begeistern weiß.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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