Mich fasziniert, was raucht, knallt und bumm macht

Von Dirk Ambrosch | Füssen Seit 30 Jahren macht der Füssener Maximilian Huttenloher das, was normale Menschen meist nur an Silvester tun: Raketen in den Himmel schießen. Heute Abend ist der ausgebildete Pyrotechniker mit seinem Team im Großeinsatz. Und auch am Neujahrstag richtet er für die Füssener Wasserwacht ein Feuerwerk aus. Wir sprachen mit Huttenloher über Silvester und die Lust am Böllern.

31. Dezember, 0.00 Uhr - dieser Moment muss Ihnen doch wahnsinnig auf die Nerven gehen, oder?

Huttenloher: Warum denn das?

Na ja, weil Sie als professioneller Feuerwerker mit ansehen müssen, wie alle anderen völlig laienhaft in die Gegend ballern: Rakete, Feuerzeug, rumms, das war’s - so ohne jeden künstlerischen Anspruch

Huttenloher: Ach wissen Sie, das sehe ich nicht so. Wenn Sie um Mitternacht von einem erhöhten Punkt aus ins Land schauen und sehen überall diese Farben, diese Lichtpunkte, dann ist das durchaus ein schöner Anblick. Und bestimmt ist es so, dass die Leute sich freuen, einmal im Jahr etwas tun zu dürfen, was sonst verboten ist. Diesen Spaß am Silvester-Feuerwerk gönne ich jedem. Zumal ich überzeugt bin: die Bedeutung des Feuerwerks reicht über den bloßen Spaß hinaus. Mit jeder Rakete, die gen Himmel geschossen wird, verbindet sich auch ein Dank, eine Bitte oder der Wunsch nach einer guten Zukunft.

Als Staatlich geprüfter Feuerwerker, darf man das tun, was einem Normalbürger an 364 Tagen im Jahr verwehrt ist. War das Antrieb bei Ihrer Berufswahl?

Huttenloher: Nein, das hat sich bei mir so entwickelt. Schon als Kind fand ich alles faszinierend, was raucht, knallt und bumm macht. Und mit den anderen Kindern habe ich experimentiert und selbst Silvester-Böller gebastelt. Wenn’s bei uns zu Hause mal nicht gekracht hat, haben die Nachbarn meine Eltern gefragt: 'Was ist denn los, ist der Maxi krank?' Also die Faszination war schon früh geweckt. Bei der Bundeswehr ist sie dann mit einer Sprengausbildung erstmals in geordnete Bahnen gelenkt worden. Über den Umweg zur Kunst - ich bin gelernter Grafiker und Modedesigner - kam ich dann wieder zu meiner Leidenschaft zurück und legte die Prüfungen zum Groß-Feuerwerker und Pyrotechniker für Spezialeffekte Film und Bühne ab. Das erste offizielle Feuerwerk machten wir im November 1977 zur Eröffnung des Füssener Kurhauses.

Was macht einen guten Feuerwerker aus?

Huttenloher: Dass ihm nichts passiert und den Zuschauern auch nicht. Bei uns ist zum Glück bis jetzt alles gut gegangen. Aber ein Restrisiko bleibt halt immer.

Wo liegen die Gefahren?

Huttenloher: Es ist ja nicht so, dass wir bei einem großen Feuerwerk mit Silvesterraketen arbeiten. Bei uns sind das ja richtige Sprengkörper. Die größten Bomben haben einen Durchmesser von 30 Zentimetern, wiegen über zehn Kilo und werden aus einem Rohr abgefeuert - eine Art Granatwerfer also - und fliegen bis 300 Meter hoch. Bei so einer Zehn-Kilo-Bombe sollte besser nichts schief gehen, wenn man daneben steht. Deswegen ist das Wichtigste bei unserer Arbeit: sorgfältig sein und auf die Sicherheitsvorkehrungen achten - auch wenn man unter Zeitdruck steht.

Was glauben Sie, warum schauen sich Menschen so gern Feuerwerke an?

Huttenloher: Es sind Kunstwerke, die für den Augenblick entstehen. Im Moment, in dem sich dem Betrachter die Schönheit erschließt, entzieht sie sich schon wieder seinem Blick. Ein Teil der Faszination liegt bestimmt in der Vergänglichkeit dieser Pracht. Diese Emotion spüren wir Feuerwerker auch. Wenn die Farben stimmen, der Rhythmus passt und die ganzen Effekte, die Vulkane, Sprüher, Wasserfälle oder Sonnenräder, sich gut einfügen. Kurz: Wenn die Komposition geglückt ist. Dann läuft es einem auch nach 30 Jahren noch kalt den Buckel runter.

Was fangen Sie heuer an Silvester an?

Huttenloher: Ich mache das, was ich die vergangenen Jahre auch getan habe: ein Feuerwerk ausrichten. Unsere Firma ist mit vier Teams unterwegs. Wir sind in Hohenschwangau, am Festspielhaus, in Bad Wörishofen und in Türkheim. Und erst wenn alle wieder im Hause sind und alles geklappt hat, werden wir - quasi zeitverzögert - mit einem Glas Sekt anstoßen. Auf ein gutes, unfallfreies gesundes neues Jahr.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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