Kriminalität
Kokain-Polizist aus Kempten: Sein Leben kommt unter das Mikroskop

Das Kokain diente der Schulung von Kollegen und stammt aus Polizeibeständen. Das sagt zumindest der festgenommene Armin N.. Sicherheitskreise halten die Aussage für 'lachhaft'.

Das Kokain diente der Schulung von Kollegen und stammt aus Polizeibeständen, an die brutale Attacke auf seine Frau kann er sich nicht mehr erinnern: So hat Armin N., bis zu seiner Verhaftung oberster Allgäuer Drogenfahnder, die Dinge dargestellt. Doch laut Staatsanwaltschaft bestehen erhebliche Zweifel an der Version des Beamten, bei dem nach einem Familienstreit 1,6 Kilo Kokain gefunden worden waren. In hohen Polizei- und Justizkreisen wird nun intensiv diskutiert, wie glaubhaft die Angaben des 52-Jährigen sind.

Sicher ist: In polizeilichen Schulungen werden tatsächlich echte Drogen gezeigt, schließlich müssen Fahnder in der Lage sein, einen Rauschgiftfund zu identifizieren. Doch dass dabei mit einer derartigen Menge hantiert werden könnte, nennen erfahrene Beamte 'geradezu lachhaft'. Zu Demonstrationszwecken würden allenfalls Mengen im Gramm-Bereich verwendet.

LKA prüft Zu- und Abgänge der Asservatenkammer

Armin N. sagt, dass die Herkunft des Kokains 'dienstlicher Art' sei. Sein Anwalt Wilhelm Seitz lässt in diesem Zusammenhang auch das Wort 'Asservatenkammer' fallen. Tatsächlich prüft das Landeskriminalamt (LKA) alle Zu- und Abgänge der Asservatenkammer der Kripo Kempten seit dem Jahr 2000. Damals war Armin N. Leiter des Drogendezernats geworden.

Aus Behördenkreisen heißt es aber, dass bei der Kemptener Kripo in den vergangenen Jahren nie derart große Mengen Kokain lagerten. Einige Großfunde, etwa die 28 Kilo, die in einer Bananenkiste in einem Supermarkt in Illertissen aufgetaucht waren, wurden laut LKA nicht nach Kempten gebracht. Armin N. und sein Dezernat seien für diese Fälle nicht zuständig gewesen.

Für den Zugang zur Asservatenkammer gelte das Vieraugenprinzip. Bei der Vernichtung von Drogen, meist in Müllverbrennungsanlagen, müssen neben Polizisten Vertreter der Staatsanwaltschaft dabei sein. Ohne Komplizen könnte Armin N. sich also kaum aus polizeilichen Beständen bedient haben. Und auf weitere Verdächtige gibt es derzeit offenbar keine Hinweise.

Woher stammt das Kokain dann? Im Allgäu soll die Mafia den Handel kontrollieren, gerade in Kempten ist 'Koks' offenbar leicht zu bekommen. Welche Quelle hatte Armin N.? Hat er das Rauschgift gekauft? Mit welchem Geld oder für welche Gegenleistungen? Hat er gehandelt? Es wird heftig spekuliert.

1,6 Kilo Kokain für Eigenbedarf? Höchst abwegig, sagen Insider

Den Konsum von Kokain hat Armin N. bereits eingeräumt. Doch 1,6 Kilo 'Schnee' zum Eigenverbrauch? Für Experten 'höchst abwegig', selbst wenn er schon länger stark abhängig gewesen wäre. Darüber geben Analysen von Haaren oder Fingernägeln Aufschluss, heißt es. Die Ergebnisse könnten die Frage aufwerfen, warum keinem seiner Vorgesetzten oder Kollegen etwas aufgefallen ist.

Denn einzuschätzen, ob jemand unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln steht, gehört zum Einmaleins des Polizeihandwerks. Drogenfahnder erkennen Kokainkonsumenten etwa an nervösem, hektischem Verhalten, Stimmungsschwankungen, geröteten Augen oder häufigem Schniefen.

Dass sich irgendwann zeigen wird, ob Armin N. die Wahrheit sagt, davon ist man in Sicherheitskreisen überzeugt. Denn in diesem Fall, bei dem das Vertrauen in den Staat auf dem Spiel steht, werde kein Aufwand gescheut. Im Ermittler-team des Landeskriminalamts arbeiten demnach unter anderem Spezialisten für Drogendelikte, Korruption und organisierte Kriminalität eng zusammen.

Welche Fälle Armin N. bearbeitet hat, mit wem und in welchen Lokalen er verkehrt und wo er Urlaub gemacht hat, jede Kontobewegung, seine Computer – alles werde überprüft. Ein Insider sagt: 'Sein ganzes Leben kommt jetzt nicht nur unter die Lupe, sondern unter das Mikroskop.'

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