Polizei-Skandal
Kokain-Affäre in Kempten: Kemptener Drogenfahnder macht Erinnerungslücken geltend

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Zur Kemptener Kokain-Affäre bei der Polizei machen die Ermittlungsbehörden auch über fünf Wochen nach dem spektakulären Drogenfund kaum Angaben.

Der 52 Jahre alte Chef der Kemptener Rauschgiftfahndung mache Erinnerungslücken durch Drogen und Alkohol geltend, sagte Peter Preuß von der ermittelnden Staatsanwaltschaft München I. An die genauen Vorkommnisse in der Nacht zum 15. Februar dieses Jahres könne er sich nach eigenen Angaben nicht genau erinnern. Der beschuldigte Polizeibeamte soll angegeben haben, seit längerem selbst Drogen zu konsumieren.

Nach einem Ehekrach war es im Haus des Drogenfahnders in einer Kemptener Umlandgemeinde zu einer heftigen Auseinandersetzung gekommen. Der Mann hatte seiner Frau schwere Verletzungen im Rückenbereich zugefügt. Dann war er geflüchtet. Die Polizei stellt ihn aber wenig später alkoholisiert am Steuer eines Autos und entdeckte anschließend 1,6 Kilo Kokain am Arbeitsplatz des Polizisten. Zunächst hatte ein Verteidiger der Frau gesagt, nicht seine Mandantin, sondern Nachbarn hätten die Polizei in jener Nacht alarmiert.

Woher das Rauschgift stammt, sei eine der Fragen, der die Ermittler nachgehen, sagte Staatsanwalt Preuß. Die Behörde wolle sich aber "aus ermittlungstaktischen Gründen" nicht weiter zu dem Fall äußern. Wann Details an die Öffentlichkeit gegeben werden könnten, sei derzeit noch nicht absehbar, sagte Preuß.

Er werde über den Ermittlungsstand nicht informiert, erklärte Polizeipräsident Hans Jürgen Memel vom Präsidium Schwaben Süd/West in Kempten. Noch in der Tatnacht - laut Memel exakt um 4.27 Uhr - habe das Präsidium im Allgäu das Landeskriminalamt (LKA) in München gebeten, die Ermittlungen zu übernehmen, da ein Polizist aus den eigenen Reihen betroffen ist. Memel: "Bereits wenig später, um 4.49 Uhr, kam die Zusage, dass das Landeskriminalamt übernimmt."

Seitdem hat die Kemptener Polizei mit dem Fall eigentlich nichts mehr zu tun - zumindest nicht mit den Ermittlungen. Allerdings werden die Beamten immer noch auf die Vorfälle angesprochen - nach Angaben von Memel insbesondere im privaten Umfeld, weniger im Dienst. Zudem sieht der Polizeichef einen enormen Image-Schaden für die Allgäuer Polizei, der durch die Affäre verursacht worden sei.

Überaus zurückhaltend ist auch der Kaufbeurer Rechtsanwalt Erwin Seitz, Verteidiger des 52-Jährigen. Sein Mandant halte sich derzeit aus Sicherheitsgründen "irgendwo in Deutschland" auf, sagt Seitz. Vermutlich sitzt er nicht in einer bayerischen Justizvollzugsanstalt in Untersuchungshaft, da er dort möglicherweise auf Mithäftlinge treffen könnte, gegen die er früher als Chef der Rauschgiftfahndung ermittelt hatte.

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