Immenstadt
Harsche Kritik an neuer Mittelschule

«Wir haben Fehler gemacht bei der Einführung des G8. Daraus haben wir gelernt», räumte Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) ein. Auch deswegen war der Minister nach Immenstadt gekommen. Er warb für das Konzept der neuen Mittelschule; im Dialog mit Lehrern, Elternvertretern und Kommunalpolitikern aus dem Oberallgäu. Und nicht nach Art seiner Amtsvorgänger per Gesetzesbeschluss, verordnet und übergestülpt, wie Spaenle mehrfach betonte. In der intensiv geführten Diskussion musste sich der Politiker dann mit zum Teil harscher Kritik auseinandersetzen.

Spaenle musste sich beispielsweise mehrfach des Vorwurfs erwehren, er betreibe mit der Einführung der Mittelschule «Etikettenschwindel». Das genaue Gegenteil sei der Fall, konterte der Minister «Wir wollen die Stärke der Hauptschule dynamisieren», sagte Spaenle. «Und ich bin auch nicht der Totengräber der Hauptschule, nur weil es keine Bestandsgarantien für alle Schulen gibt.» Ziel der Reform sei es, «so viele Standorte wie möglich, so lange wie möglich zu erhalten.»

Die neue Mittelschule soll zu Beginn des Schuljahres 2010/11 eingeführt werden. Schüler sollen so die Möglichkeit erhalten, einen mittleren Schulabschluss zu erreichen. Die Bezeichnung Mittelschule wird Hauptschulen verliehen, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Es gibt aber keinen Zwang für eine Hauptschule, sich in eine Mittelschule zu wandeln.

«Die Verantwortlichen vor Ort wissen am besten, wie sich ihre Schule entwickeln soll», sagte Spaenle.

Die Voraussetzungen: die drei berufsorientierenden Zweige Technik, Wirtschaft und Soziales, ein Ganztagsangebot sowie ein Angebot, das zum mittleren Schulabschluss führt. Darüber hinaus hält die Mittelschule bereit: Kooperationen mit einer Berufsschule, der regionalen Wirtschaft und der Arbeitsagentur, sowie eine individuelle Förderung der Schüler im Klassenverband unter Beibehaltung des Klassenlehrerprinzips.

«Ihr Konzept passt nicht für den ländlichen Raum», hielt der Bürgermeister von Oberstaufen, Walter Grath, dem Minister vor. Grath befürchtet eine verstärkte Zentralisierung und einen «weiteren Aderlass» für Schulstandorte wie etwa Oberstaufen. «Der ländliche Raum wird durch die Mittelschule eher geschwächt», sagte Grath.

Weitere Kritik richtete sich auf die inhaltliche Umsetzung der Reform. «Es ist kein neuer pädagogischer Ansatz erkennbar», sagte eine Rednerin.

Keine Zentralisierung

Kultusminister Spaenle wies die Kritik zurück: «Ihre Vorwürfe sind völlig falsch. Eine weitere Zentralisierung ist nicht das Ziel der bayerischen Bildungspolitik.» Die neue Mittelschule mit den geplanten Schulverbünden stärke den ländlichen Raum, weil auf diese Weise kleinere Standorte erhalten bleiben könnten, die sonst wegen stark rückläufiger Schülerzahlen in naher Zukunft vor dem Aus stünden, sagte Spaenle.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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