Allgäu
Für die Sicherheit nimmt Bauamt Staus in Kauf

Verkehrssicherheit hat für Bruno Fischle absoluten Vorrang. Selbst wenn Autofahrer dafür ein paar Minuten im Stau stehen müssen. Geleitet von diesem Gedanken plant und baut der Leiter des Staatlichen Bauamtes Kempten Staats- und Bundesstraßen im Allgäu. «Verkehrssicherheit kommt vor Bestandserhaltung und Neubau», listet er seine Prioritäten auf. Der Verkehrsfluss trete da ab und an zu Gunsten des Sicherheitsaspekts zurück.

2009 wurden rund 27 von 40 Millionen Euro Gesamtbudget in Verkehrssicherheit investiert. Das Geld floss in etliche Baustellen in der Region, «die wir nicht zum Ärger der Verkehrsteilnehmer eingerichtet haben», betont Fischle. Stattdessen soll mit den Maßnahmen die Sicherheit auf den Straßen erhöht werden.

Tätig wird das Straßenbauamt, wenn sich an einer Stelle die Unfallzahl häuft. Diesen Ort begutachtet eine Unfallkommission. Sie besteht aus je einem Vertreter von Polizei, Landratsamt und Straßenbaubehörde. Dieses Gremium lässt als erstes oft neue Schilder wie Stoppzeichen oder Tempolimits aufstellen. «Wurde in Sachen Beschilderung alles getan, folgen bauliche Maßnahmen », so Fischle (siehe Infokasten).

Ampel oder Kreisverkehr?

Was wohin gebaut wird, wird zum Beispiel bei der Frage Ampel oder Kreisverkehr je nach Verkehrsaufkommen entschieden. «Ein Kreisverkehr stößt schnell an Grenzen und der Verkehr bricht völlig zusammen», sagt Fischle und erklärt: Jedes Auto muss erst halten, bevor es in den Kreisel einfährt. Diese Bremsmanöver potenzieren sich nach hinten und ein Stau entsteht. Deshalb eigne sich ein Kreisel nur bei weniger als 20000 Fahrzeugen am Tag.

Aus diesem Grund fiel an der A7-Anschlusstelle Kempten-Leubas die Entscheidung zu Gunsten dreier Ampeln hintereinander. Diese Signalanlagen sorgen derzeit für Diskussion, weil sie noch nicht richtig schalten und sich gerade zu Stoßzeiten Rückstaus bilden. An einer Verbesserung wird laut Fischle gearbeitet.

Allerdings stellt er in Frage, ob das Problem zu den Spitzenzeiten morgens und abends ganz gelöst werden kann: «Es gibt keine Signaltechnik, die diese großen Ströme komplett abräumt ohne den Verkehr von den Seiten komplett aufzuhalten», sagt er. Und einen Rückstau auf die Autobahn darf es nicht geben.

In solchen Fällen leidet der Verkehrsfluss unter der Sicherheit. Aber das nehme man in Kauf. Das Beseitigen von Gefahrenstellen verbessere den Verkehrsablauf nicht immer so, wie es einzelne hoffen, sagt Fischle und nennt als Beispiel die Ampel vor einer Schule: Sie schaltet am häufigsten vor Unterrichtsbeginn. Gleichzeitig sind viele Berufstätige unterwegs. Staus und Konflikte sind vorprogrammiert.

Manchmal jedoch erhöht eine «Verbesserung» das Risiko auch - zum Beispiel, wenn eine Straße sich nach einem Ausbau zur Rennstrecke entwickelt. «Im Falle eines Neubaus wäre das das Schlimmste», sagt Fischle. Dann würde das Prozedere für mehr Verkehrssicherheit erneut mit Schildern beginnen. Wieder abgebaut werden Straßen, Ampeln und Co. jedenfalls nicht vorschnell.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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