Allgäu
Enttäuscht oder am Ende: Bauern verlassen Verbände

Der Austritt hat für Wirbel gesorgt: Fast eine ganze Ortsgruppe des Bauernverbandes kündigte ihre Mitgliedschaft. Der Grund: Die Landwirte aus dem Oberallgäu waren mit dem Verband unzufrieden.

Der Bayerische Bauernverband (BBV) vertrete nicht die Interessen der Milchbauern, hieß es auf der Versammlung in Wengen. Doch nicht nur solch spektakuläre Aktionen kosten den Bauernverband jährlich zahlreiche Mitglieder. Nach eigenen Schätzungen sind es rund 1,5 bis zwei Prozent. «Im vergangenen Jahr waren es wohl etwas mehr», vermutet Wolfgang Baur, beim BBV in München unter anderem für die Mitgliederverwaltung zuständig. So zählte der Verband Ende 2009 rund 162000 Mitglieder, während es im Jahr zuvor noch 166000 waren.

Gründe für Austritte vielfältig

Dabei ist es kein Geheimnis, dass gerade unzufriedene Milchbauern ihrem Unmut in Form einer Kündigung Luft machen. «Man muss das nicht unter den Teppich kehren - dort wo mehr Betriebe mit einer bestimmten Preisschwäche angesiedelt sind, gehen die Mitglieder stärker zurück», sagt Baur. Allerdings seien die Gründe für einen Austritt vielfältig.

«Viele Kündigungen sind durch den Strukturwandel bedingt - aktive Landwirte hören auf und treten aus dem BBV aus.» Auch der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) spürt an den Mitgliederzahlen, dass es den Bauern schlecht geht. So zählte der Verband Anfang 2008 am meisten Mitglieder, nämlich rund 33000. Inzwischen ist die Zahl auf 27000 gesunken. Dass sich die Mitglieder des BDM vor allem aus unzufriedenen BBVlern rekrutieren, bestätigt Geschäftsführer Thorsten Sehm nicht: «Einige sind auch bei beiden Verbänden.»

Gibt es weniger Landwirte in den Gemeinden, schwächt das die BBV-Ortsverbände - auch im Allgäu. «Ich weiß von einigen Ortsverbänden, die eng zusammenarbeiten», sagt Alfred Enderle, Obmann des Kreisverbands Oberallgäu. Den Austritt des Ortsverbands Wengen übrigens sieht er nach eigenen Worten entspannt.

«Es ist normal, dass bei solchen Themen die Emotionen hochkochen und es zu solchen Reaktionen kommt.» Dass sich ganze Ortsgruppen aus Protest auflösen, habe es auch in den 1980er Jahren gegeben.

Die Aktion der Wengener Landwirte hat hohe Wellen geschlagen. Der BBV allerdings bestreitet, dass sich im Oberallgäu nahezu ein ganzer Ortsverband aufgelöst hat. Die meisten seien gar keine Mitglieder mehr gewesen, heißt es in München und Augsburg. Denn Mitglied im Bauernverband sei nur, wer bis Mitte des laufenden Jahres seine Beiträge zahlt.

Darüber kann Reinhard Kögel nur den Kopf schütteln. Er hat mit seinem Rücktritt als Vorsitzender der Ortsgruppe Wengen den Stein ins Rollen gebracht. «Es stimmt wir haben vergangenes Jahr die Beiträge noch nicht bezahlt - weil wir schon damals mit dem Verband unzufrieden waren.» Man habe gesagt, sie könnten trotzdem Mitglieder bleiben. «Eine Kündigung hat keiner erhalten.» Kögel hat sich nun mit über 30 Landwirten zur Land- und Forstgemeinschaft Wengen/Kleinweiler zusammengeschlossen. Vom Bauernverband hat er erst einmal genug.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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